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StartseiteSprechstundeStimulans für das Gehirn19.03.2013

Stimulans für das Gehirn

Zur Rehabilitation nach einem Schlaganfall gehört auch eine Sprachtherapie

Sie geht zum Ballett, singt im Chor, auch, wenn sie die Texte manchmal kaum versteh. Susanne Otte weiß, dass neben Ruhephasen auch Aktivität wichtig ist, um das Gehirn zu stimulieren. Deshalb trainiert sie an der Uniklinik Aachen auch ihr Sprachvermögen.

Von Barbara Weber

Susanne Otte trainiert intensiv für ihr Ziel: "Ich möchte ein Buch wieder lesen", sagt sie. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Susanne Otte trainiert intensiv für ihr Ziel: "Ich möchte ein Buch wieder lesen", sagt sie. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
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Schwerpunktthema: Rehabilitation nach Schlaganfall

"Ich war bei einer Freundin, und wir wollten in der Schule was machen, und dann wollte ich nach Hause, und dann bin ich gekippt. Die Freundin wusste schon, die hat gesagt, du hast einen Schlaganfall. Das war auch ganz gut. Ich war ganz fix in der Klinik."

Die ehemalige Deutschlehrerin Susanne Otte ist 57 Jahre alt. Der Schlaganfall, der sie vor zwei Jahren traf, hat Teile ihres Gehirns zerstört.

Dr. Cornelius Werner ist Neurologe und Funktionsoberarzt an der Aphasie-Station der Universitätsklinik Aachen:

Cornelius Werner: "Man sieht an den Aufnahmen des Gehirns, dass besonders die Areale gestört sind, die zum einen die Grammatik zusammensetzen, die die Satzstruktur zusammensetzen aber auch die Sprechmotorik, zum anderen aber auch die Leitungen betroffen sind, die für den Wortabruf aus dem Lexikon wichtig sind. Genau an diesen zwei Stellen wird jetzt konkret gearbeitet."

Dorothea Rode: "Okay, dann machen wir jetzt eine Übung zur Wortfindung zu verschiedenen Wortarten."

Die Logopädin Dorothea Rode sitzt an einem Tisch, gegenüber Susanne Otte, vor sich einen Bleistift und ein Stück Papier:

"Erst mal fangen wir mit den Nomen an, das heißt, Sie sollen mir so viele Nomen wie möglich aufzählen zu einer bestimmten Fragestellung. Wir fangen an mit der Frage: Was finden sie alles im Kühlschrank?"

Susanne Otte: ""Butter, äh, Marmelade, äh, Joghurt, Kühl..., nein, äh… "

Dorothea Rode: "Sie schreiben es jetzt auf."

Susanne Otte: "Ja, jetzt mache ich…äh, Kühlschrank und… Flaschen kann man auch..."

Dorothea Rode: "Sie haben jetzt allerdings was anderes aufgeschrieben."

Susanne Otte: "Ja, ja, ich weiß. Es geht noch nicht. Äh, auch, nein. Was habe ich denn noch?"

Dorothea Rode: "Vielleicht Frau Otte machen wir… "

Susanne Otte: "Vielleicht, äh, nein. Schokolade eigentlich nicht."

Dorothea Rode: "Sie haben jetzt zwei Wörter aufgeschrieben, die sie im Kühlschrank finden können. Vielleicht probieren sie einmal, die Wörter vorzulesen."

Susanne Otte: "Äh, Käse."

Dorothea Rode: "Gut."

Susanne Otte: "Llll…, nein, Fleisch."

Dorothea Rode: "Gut. Die konnten sie aufschreiben, aber noch nicht sagen, aber jetzt hat es geklappt."

Warum klappt das eine, das andere aber nicht?

Dr. Cornelius Werner: "Der Abruf in die Handmotorik folgt anderen Bahnen als der Abruf in die Sprechmotorik und darüber erklären wir uns, dass das Schreiben geht, Sprechen aber schlechter. Das kann auch umgekehrt gestört sein."

Susanne Otte ist sehr motiviert. Fünfmal in der Woche trainiert sie in einer Einzeltherapie, dazu kommen Gruppenübungen. Die Patientin hat ein Ziel:

"Ich möchte ein Buch wieder lesen. Das geht noch nicht so gut, also Bücher für Kinder, das kann ich, aber ein Krimi oder so, das wär' natürlich ganz wunderbar. Ich habe immer gelesen, und das ist eigentlich ganz blöd. "

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