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StartseiteThemaMedizin-Nobelpreis geht an Entdecker von Hepatitis-C-Virus05.10.2020

StockholmMedizin-Nobelpreis geht an Entdecker von Hepatitis-C-Virus

Der Nobelpreis für Physiologie/Medizin geht in diesem Jahr an Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice. Die drei Forscher hätten einen maßgeblichen Anteil am Kampf gegen die durch Blut übertragene Hepatitis geleistet, teilte das Nobelkomitee mit.

Verkündung des Medizin-Nobelpreises in Stockholm (AFP/Jonathan Nackstrand)
Verkündung des Medizin-Nobelpreises in Stockholm (AFP/Jonathan Nackstrand)
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Die Wissenschaftler Harvey J. Alter (USA), Michael Houghton (Großbritannien) und Charles M. Rice (USA) haben das Hepatitis-C-Virus entdeckt  - und erhalten dafür nun den Medizin-Nobelpreis 2020. Die Krankheit sei ein großes globales Gesundheitsproblem, die bei Menschen rund um den Globus Zirrhose und Leberkrebs verursache, so das Nobelkomitee. Dank der Entdeckungen der drei Forscher könne Hepatitis C jetzt geheilt werden. Sie hätten die Ursache für Fälle chronischer Hepatitis gefunden und Blutuntersuchungen sowie neue Medikamente ermöglicht, die Millionen von Menschenleben gerettet hätten. 

Eine Ärztin hält einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat - im Volksmund "Blutkonserve" genannt - in einem Operationssaal des Universitätsklinikums Münster. (dpa / Friso Gentsch) (dpa / Friso Gentsch)Wenn Hepatitis C das Leben verändert
Patientinnen und Patienten, die sich mit Hepatitis C anstecken, wissen oft jahrlang nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Doch das kann gravierende Folgen haben, wie der Fall eines Betroffenen am Universitätsklinikum Köln zeigt.

Durchbruch 1989

Was die drei Forscher zur Entdeckung des Hepatitis-C Virus beigetragen haben, erklärte Wissenschaftsjournalist Martin Winkelheide im Dlf. Der US-Virologe und Transfusionsmediziner Harvey J. Alter habe Ende der 70er-Jahre festgestellt, dass es bei Patienten nach einer Bluttransfusion zu Hepatitis-Kontaminationen kam. Er habe alle damals verfügbaren Tests auf Hepatitis A und B angewendet und gemerkt, dass es noch etwas anderes geben muss. Michael Houghton habe sich dann vorgenommen, das Virus zu identifizieren und seine Genetik zu verstehen. "Ihm ist es gelungen, Klone herzustellen, was ein ganz wichtiger Schritt war". Charles M. Rice, der dritte im Bund, habe die Viren noch einmal "aufgereinigt und bearbeitet" und verschiedene Varianten identifiziert. Damit habe er Tiere infiziert und bewiesen, dass es ein Virus gibt, das sich isolieren und vermehren lässt. "Dieser Nachweis ist 1989 gelungen", so Winkelheide.

"Preis hochverdient"

Auch wenn die Forschung nun schon 30 Jahre zurückliege, sei der Preis jetzt hochverdient, bestätigt auch Dlf-Wissenschaftsjournalist Michael Lange - das Wartezimmer der potenziellen Forscherinnen und Forscher für den Nobelpreis sei mittlerweile sehr voll. Aus den 80er und 90er-Jahren gebe es ein Dutzend Kandidaten, die es hätten sein können, meint Lange. Klar sei jedenfalls, "dass diese Forschung Menschenleben gerettet hat und in Zukunft auch noch retten wird."

Was ist Hepatitis C?
Die Hepatitis C ist eine weltweit beim Menschen vorkommende, durch Hepatitis-C-Viren (HCV) ausgelöste Leberentzündung, die parenteral über-tragen wird. Ohne Therapie nimmt die Infektion in 50 bis 85 Prozent der Fälle einen chronischen Verlauf, der nach Jahrzehnten eine Leberzirrhose oder ein Leberzellkarzinom verursachen kann. Es existiert kein Impfstoff gegen Hepatitis C, jedoch eine effektive antivirale Therapie, die eine Infektion in den meisten Fällen heilen kann. Aufgrund des meist unbekannten Infektionszeitpunktes ist die Identifizierung von Übertragungswegen oft schwierig.
Quelle: Robert Koch-Institut

  (picture-alliance / dpa / Novartis) (picture-alliance / dpa / Novartis)"Wir können eine chronische Virusinfektion bei fast allen heilen"
Der deutsche Molekularvirologe Ralf Bartenschlager hatte sich zuletzt Auszeichnungen mit dem frisch gekürten Nobelpreisträger Charles Rice geteilt. In Stockholm, wo Rice für die Entdeckung des Hepatitis C-Virus geehrt wurde, ging er leer aus. Im Dlf beschrieb Bartenschlager seinen Konkurrenten als "absolut offen, ehrlich und immer fair".

Hintergründe zum Nobelpreis

Der Nobelpreis gilt international als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen. Zum Auftakt der Nobel-Woche wurden heute (05.10.2020) die Preisträger in der Kategorie Medizin/Physiologie bekannt gegeben. In der Regel wird der Preis an mehrere Wissenschaftler vergeben, die gemeinsam in einem Fachgebiet geforscht haben. Der Nobelpreis ist 2020 mit rund 950.000 Euro pro Kategorie dotiert. Wegen der Corona-Pandemie werden die Preisverleihungen in Stockholm und Oslo am 10. Dezember 2020 deutlich kleiner ausfallen als zuvor. Die Zeremonie im Konzerthaus von Stockholm wird durch eine TV-Preisvergabe im Rathaus der schwedischen Hauptstadt ersetzt.

Darstellung einer Nobelpreis-Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel schmückt die Tür des Nobelpreismuseums. (dpa / picture alliance) (dpa / picture alliance)Nobel-Woche - Wer und was steckt hinter den weltberühmten Preisen?
Am Montag beginnt wieder die "Nobelpreis-Woche". Nach und nach wird dann bekannt gegeben, wer die weltberühmten Preise erhält. Aber wer und was steckt eigentlich dahinter?

Die Bekanntgabe des Medizin-Nobelpreises 2020:

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