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StartseiteSport am WochenendeStörung im Programm18.07.2009

Störung im Programm

Warum der Streit um einen eigenen US-Olympiakanal die Bewerbung von Chicago gefährdet

Das amerikanische Olympische Komitee plant einen eigenen Fernsehkanal, um die schwache Medienpräsenz seiner Athleten zu verbessern und Sponsoren zu finden. Weil man mit dem Projekt die Kreise des mächtigen Senders NBC stört, steht auf einmal die Kandidatur von Chicago für die Sommerspiele 2016 auf dem Spiel.

Von Jürgen Kalwa

Kampf unter den Ringen: Das amerikanische NOK möchte einen eigenen Fernsehsender installieren - gegen den Willen des IOC und TV-Sender NBC. (AP)
Kampf unter den Ringen: Das amerikanische NOK möchte einen eigenen Fernsehsender installieren - gegen den Willen des IOC und TV-Sender NBC. (AP)

Der typische Fernsehkonsument in den USA ist Kunde von Kabelfirmen, die ihm für etwa 50 Dollar im Monat ein Programmangebot mit jeweils rund 200 Kanälen liefern. Zu den Sendepaketen gehört mittlerweile eine Unmenge von Sport. Neben dem Riesen der Branche ESPN, der seiner Konzernmutter Disney jährlich Gewinne von mehr als zwei Milliarden Dollar beschert, hat es die Konkurrenz allerdings ziemlich schwer. Es sei denn als konsequente Nischenprogramme. Der Golf Channel zum Beispiel bringt 24 Stunden am Tag nichts außer Golf. Nach dem gleichen Muster funktioniert der Tennis Channel. Die Basketball-Liga NBA hat ihren Sender. Ebenso wie die Football-Liga NFL.

In diesem bunten Garten der bewegten Bilder kommt eine ganze Dimension von Sport so gut wie gar nicht vor. Das sind Amerikas Olympioniken, die allenfalls kurz vor und während der Olympischen Sommer- und Winterspiele Beachtung finden. Gezeigt werden vom übertragenden Sender, dem Medienkonzern NBC Universal hauptsächlich patriotisch eingefärbte und emotional angeheizte Darbietungen. Live läuft so gut wie nichts, sondern fast wird so zurecht geschnitten, dass es in die Hauptsendezeit abends zwischen 20 und 23 Uhr passt. Wo selbst das nicht funktioniert, müssen die Sportler vor Ort notfalls morgens um zehn ihre Kämpfe um Medaillen austragen. Wie zuletzt in Peking, wo Schwimmer und Turner erstmals ihre Tagesabläufe umstellen mussten.

Die Vorarbeit zu solchen Eingriffen in die Dramaturgie des Geschehens leistet der mächtige NBC-Chef Dick Ebersol gerne bei Spaziergängen, wie 2001, als er dem neuen IOC-Präsidenten Jacques Rogge folgendes sagte:

""Ich glaube ganz stark, dass es schwer wird, ein amerikanisches Medienunternehmen dazu zu bringen, ein Maximum für die Rechte zu bezahlen, wenn man nicht den Zeitunterschied nutzt, um einige Wettbewerbe bei uns in Prime Time auszustrahlen.”"

Und so kam es.

Macht und Einfluss von NBC leiten sich aus einem einfachen Sachverhalt ab: Das Unternehmen ist der größte Financier des IOC. Für den Zeitabschnitt von 2000 bis 2012 überweist die Fernsehfirma insgesamt 5,7 Milliarden Dollar nach Lausanne.

Aufgrund dessen war das Lamento denn auch groß, als vor ein paar Tagen das nationale Olympische Komitee der USA und ein Kabelfernsehanbieter einen neuen Kanal ankündigten - das U.S. Olympic Network. Nicht nur regte sich Widerstand bei NBC, wo man verständlicherweise jedwede Konkurrenz ausschalten möchte, sondern auch beim IOC, das in solchen Situationen wohl lieber den Schulterschluss mit dem Geschäftspartner NBC sucht, als die Basisarbeit der Sportverantwortlichen in den USA zu unterstützen. Die Warnung war unmissverständlich: Das amerikanische NOK habe gar nicht das Recht auf die Verwendung der olympischen Ringe.

In einer Zeit, in der es für Sportverbände immer schwerer wird, neue Sponsoren zu finden und alte bei der Stange zu halten, wäre ein eigener Fernsehsender ein beachtlicher Pluspunkt. Mehr Medienpräsenz würde vor allem den Athleten zugute kommen. Und das nicht nur in den wenig beachteten Disziplinen wie Moderner Fünfkampf oder Skilanglauf. Im Erfolgsfall hätte es allerdings NBC nicht mehr so leicht, jene Werbespots zu verkaufen, die dem Sender in Peking Einnahmen von einer Milliarde Dollar einbrachten.

Der Krach erinnert viele an einen anderen Streit zwischen dem IOC und dem amerikanischen Olympischen Komitee. Da geht es um die Ausschüttung der enormen Einnahmen an die NOKs. Der existierende Verteilungsplan begünstigt die Amerikaner, die 20 Prozent aus dem Topf der Sponsoren und 12,7 Prozent der Fernseheinnahmen erhalten und von dem Geld am Hauptsitz in Colorado Springs hervorragende Trainingsanlagen gebaut haben. Warum die Bevorzugung? Es sind hauptsächlich Weltfirmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten, die mit ihrem Geld die Olympische Bewegung in Schwung halten. Kein Wunder, dass sich das US-NOK gegen eine Neuverteilung stemmt und Gespräche über eine Lösung vertagt werden mussten. Und zwar gleich ganz weit in die Zukunft - in das Jahr 2013.

Dies und der jüngste Streit um den Fernsehkanal könnten durchaus noch nachklingen, wenn im Oktober in Kopenhagen die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2016 entschieden wird. Bislang hatte der amerikanische Kandidat, die Millionenmetropole Chicago, gute Chancen. Erst recht nachdem der charismatische und in Chicago beheimatete Barack Obama zum neuen Präsidenten gewählt wurde und in der Außenpolitik neue Töne anschlug.

Dick Ebersol jedoch, sieht die Sache längst nicht mehr so positiv. "Was Chicago die Spiele kosten kann”, sagte er, "ist der andauernde Streit zwischen den beiden Seiten.”

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