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StartseiteVerbrauchertippWann darf ich zu spät kommen?27.12.2018

Straßenglätte, Streik und StauWann darf ich zu spät kommen?

Die öffentlichen Verkehrsmittel werden unpünktlicher, die Staus auf den Straßen nehmen zu. Die Gefahr, zu spät bei der Arbeit anzukommen, steigt. Wann Unpünktlichkeit am Arbeitsplatz entschuldbar ist und was der Arbeitgeber machen darf, wenn Arbeitnehmer notorisch zu spät kommen.

Von Peggy Fiebig

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Leere Bahnsteige in Frankfurt am Main (Andreas Arnold/dpa)
Sind Streiks bei den örtlichen Verkehrsbetrieben oder bei der Bahn angekündigt, müssen die Arbeitnehmer einen anderen Weg finden, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen (Andreas Arnold/dpa)
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Noch schnell die Kaffeetasse geleert und vielleicht das halbe Brötchen noch mit auf den Weg. Bloß nicht zu spät kommen zur Arbeit. Für die meisten Menschen ist das mehr oder weniger die alltägliche morgendliche Routine. Und der Zeitdruck steigt noch bei den etwa 20 Millionen, die täglich zwischen ihrem Zuhause und ihrem Arbeitsplatz pendeln – sei es mit dem eigenen Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Was aber, wenn die Zeit doch nicht gereicht hat und man eigentlich schon vor fünf oder zehn Minuten oder gar vor einer halben Stunde hätte im Büro sein müssen.

Madeleine F. kennt das Gehetze am Morgen. Sie pendelt montags bis freitags aus dem Berliner Umland in die Hauptstadt:

"Wenn alles planmäßig läuft, bin ich 55 Minuten unterwegs – von der Haustür bis zu Arbeit.  Und wenn es nicht gut läuft, ja, dann kann es zwei Stunden dauern. Oft ist es dann doch die S-Bahn, die dann Probleme einem bereitet. Sei es eine Signalstörung oder aufgrund eines Polizeieinsatzes. Ist schon manchmal knirschig, das muss ich schon sagen."

Das sogenannte Wegerisiko liegt beim Arbeitnehmer

Rechtlich ist der Fall klar: Wenn der Arbeitgeber den Arbeitsbeginn auf beispielsweise neun Uhr festgelegt hat, dann hat der Mitarbeiter eben auch um neun Uhr am Arbeitsplatz zu sein, erläutert Rechtsanwalt Nils Kummert:

"Wenn ich einen festen Arbeitszeitbeginn habe, dann ist auch schon eine Minute zu spät."
 
Das sogenannte Wegerisiko liegt nämlich beim Arbeitnehmer. Das heißt, er hat dafür zu sorgen, dass er pünktlich an seinem Arbeitsplatz ist. Die Ausrede, Verschlafen zu haben, greift allenfalls bei einem sehr nachsichtigen Chef. Das Arbeitsrecht dagegen ist unerbittlich. Und auch schlechtes Wetter zählt nicht als Entschuldigung, sagt Nils Kummert:

"Prinzipiell muss ich meine Anfahrtszeit schon auch den Witterungen entsprechend einrichten, also wenn ich am Abend vorher aus dem Wetterbericht erfahre, nächsten Tag gibt’s Blitzeis oder es gibt Schneefall oder Ähnliches, und ich weiß, Mensch jetzt hier zum Beispiel in Berlin sind dann meine Anfahrtszeiten deutlich länger als normal, muss ich mich darauf einrichten."

Auch die Dieselfahrverbote sind kein Grund

Gleiches gilt auch für streikbedingte Verspätungen. Sind beispielsweise Streiks bei den örtlichen Verkehrsbetrieben oder bei der Bahn angekündigt, müssen die Arbeitnehmer einen anderen Weg finden, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Und auch die Dieselfahrverbote, die in einigen Städten drohen, werden kein akzeptabler Grund sein, nicht pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Noch einmal Rechtsanwalt Kummert:

"Wenn ich weiß, es kommt dieses Fahrverbot oder es betrifft meine Fahrtstrecke, dann werde ich mich darauf einrichten müssen und muss mir dann eine Alternative überlegen. Und dann muss ich so rechtzeitig losfahren, dass ich rechtzeitig ankomme."

Nur mit außergewöhnlichen Umständen, die so nicht vorhersehbar waren, muss man nicht rechnen. Mit einem plötzlichen Schneeeinbruch beispielsweise oder einem Spontanstreik bei Bus und Bahn.

"Dann in der Tat ist es, wenn man so will, untechnisch gesprochen höhere Gewalt. Und dann trifft mich auch kein Verschulden. Und dann kann ich nicht abgemahnt werden und dann auch im Wiederholungsfall oder bei mehreren Wiederholungsfällen dann entsprechend wegen dieses Vorfalls nicht gekündigt werden."

Arbeitgeber muss die verpasste Zeit nicht vergüten

Grundsätzlich kann also abgemahnt werden, wer häufiger selbst verschuldet zu spät kommt. Ob das letztlich bis hin zu einer Kündigung führen kann, dürfte auch davon abhängen, ob es sich jeweils nur um wenige Minuten oder um deutlich mehr handelt. Auf jeden Fall aber muss der Arbeitgeber die verpasste Zeit nicht vergüten. Eine Möglichkeit zum Nacharbeiten kann er, muss er aber nicht geben.

"Es kann gut sein, dass der Arbeitgeber mir anbietet, die Zeit nachzuarbeiten, dann kriege ich ja auch meinen vollen Lohn oder mein volles Entgelt für diesen Zeitraum. Das nützt mir dann als Beschäftigter auch. Aber eine Rechtspflicht des Arbeitgebers, mich nacharbeiten zu lassen, besteht nicht und eine Rechtspflicht, nacharbeiten zu müssen besteht in der Regel auch nicht."

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