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StartseiteDeutschland heutePolitologe: "Da liegen oft die Nerven schon blank"03.06.2021

Straßenpartys in der PandemiePolitologe: "Da liegen oft die Nerven schon blank"

Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Feiernden in Städten - im Laufe des Sommers sei mit mehr solcher Vorfälle zu rechnen, sagte der Politologe Rafael Behr. Mit dem Wegfall von Corona-Einschränkungen würden Regeln unterschiedlich interpretiert. Und die Polizei gerate in "die Rolle des Störenfrieds".

Rafael Behr im Gespräch mit Petra Ensminger

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Polizisten treiben am späten Abend Besucher aus dem Schanzenviertel. Nachdem sich zahlreiche Menschen in Parks und auf den Straßen versammelt hatten, hat die Polizei das Viertel am Abend geräumt und Geschäfte und Gastronomie eher schließen lassen. (picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt)
In Hamburg räumte die Polizei das Schanzenviertel (picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt)
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In Deutschland hat die Polizei in den vergangenen Tagen mehrere Straßenfeiern aufgelöst, bei denen sich die Beteiligten nicht an die Corona-Regeln gehalten hatten. In Hamburg etwa feierten rund 15.000 Menschen auf den Straßen. Die Polizei räumte das Schanzenviertel, dabei kam es zu Flaschenwürfen. In Stuttgart wurden fünf Polizisten bei Krawallen verletzt, eine Beamtin schwer. Wie der SWR berichtet, hatten sich rund 600 vorwiegend junge Menschen nicht an die Abstandsregeln und das geltende Alkoholverbot gehalten. Als die Polizei eingriff, soll es auch hier zu Flaschenwürfen gekommen sein.

Unterschiedliche Gefahren-Einschätzung

Das seien "keine politischen Aufstände", aber er erwarte im Laufe des Sommers mehr solcher "Ansammlungen, die dann auch entgleiten können", sagte der Politikwissenschaftler Rafael Behr von der Polizeiakademie Hamburg im Deutschlandfunk. Soziale Regeln würden jetzt wieder unterschiedlich interpretiert, gerade weil Lockerungen der Pandemie-Einschränkungen in einem unterschiedlichen Tempo stattfinden. "Das Einfrieren sozialer Aktivitäten war ordnungspolitisch gesehen für die Polizei leichter", so Behr. "Jetzt füllen sich die Straßen wieder." Und die Menschen schätzten die Gefahr durch das Coronavirus dabei sehr unterschiedlich ein.

"Gewisse Unduldsamkeit" in Reihen der Polizei 

Die Polizei spiele dabei "die Rolle des Störenfrieds", sagte Behr. Menschen kämen wieder zusammen - da sei auch Alkohol und Testosteron im Spiel - und die Polizei müsse junge Männer oft zur Einhaltung der Abstandsregeln ermahnen oder Ansammlungen auflösen. "Da liegen oft die Nerven schon blank. Und ich glaube, hier entlädt sich auch etwas, was sich lange Zeit aufgestaut hat", so der Wissenschaftler.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Die Polizei bekomme dabei als "Prellbock" Unmut gegen Staat, gegen die Regierung, gegen alles Mögliche an Einschränkungen ab. Und in den Reihen der Polizei sei eine "gewisse Unduldsamkeit" zu spüren, sagte Behr, gerade weil die Polizeibeamten immer die gleichen Ermahnungen aussprechen müssten.

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