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StartseiteVerbrauchertippSerienauswahl überzeugt, Filmrepertoire nicht06.01.2020

StreamingdiensteSerienauswahl überzeugt, Filmrepertoire nicht

Mit Eigenproduktionen gewinnen Streaminganbieter immer mehr bedeutende Filmpreise - aber bei einem systematischen Vergleich der Stiftung Warentest schnitt keiner der Dienste gut ab. Vor allem bei der Filmauswahl scheint Masse statt Klasse zu gelten.

Von Dieter Nürnberger

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Symbolfoto: Eine Frau schaut auf ihrem Smartphone die App von NETFLIX an. Berlin, 03.01.2020. Berlin Deutschland *** Symbolfoto A woman is looking at the NETFLIX app on her smartphone Berlin, 03 01 2020 Berlin Germany PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xThomasxTrutschel/photothek.dex (imago / photothek.de / Thomas Trutschel)
Streaming bringt das Fernsehen überallhin - aber man ist eingeschränkt durch die Vorauswahl der Anbieter. Im Bild die App des Testsiegers in der Kategorie "Abo". (imago / photothek.de / Thomas Trutschel)
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Eine stabile und leistungsstarke Internetverbindung ist Voraussetzung für Videostreaming. Das Endgerät ist eher zweitrangig - wer will, kann unterwegs auf dem Tablet die Lieblingsserie schauen oder eben auch zu Hause vor dem gewohnten Fernsehbildschirm. Nutzer können kaufen oder leihen, wobei für die Stiftung Warentest in dieser Untersuchung der Verleih im Vordergrund stand. Denn so nutzen die Meisten die Streaming-Dienste, so Warentester Martin Gobbin.

"Das eine ist das Abo, da zahle ich eine monatliche Flatrate, die kostet so etwa 10 bis 12 Euro. Da kann ich so viel gucken, wie ich will. Das ist bei 'Netflix' so oder auch bei 'Amazon Prime Video'. Es gibt aber auch den Einzelabruf, da bezahle ich für jeden Titel separat. Das ist dann beispielsweise bei 'Maxdome' möglich, aber auch in einem anderen Angebot von 'Amazon'. Diese beiden Modelle - Abo und Einzelabruf - gibt es auf dem Markt."

Serienauswahl gut, Filmrepertoire mäßig

Elf in Deutschland populäre Videostreaming-Dienste wurden untersucht. Bei der Bild- oder Tonqualität waren alle gut oder sehr gut, natürlich abhängig von einer entsprechenden Internetverbindung. Beim Repertoire sah es allerdings anders aus. Zwar würden Serienfans auf jeden Fall bei "ihrem" Anbieter gut bedient, doch darüber hinaus sehe es oft mau aus. Ein Grund dafür, aktuell laufende Blockbuster dürfen Streaming-Dienste erst einige Monate nach Kinostart zeigen:

"Wir haben nach insgesamt 200 populären Titeln gesucht. Und der beste Anbieter hatte davon nur 58 - also nicht einmal annähernd die Hälfte. Und deshalb schneidet auch keiner bei uns im Test mit 'gut' ab."

Stromverbrauch und CO2-Emissionen hoch

Einen Streaming-Dienst für alles Sehenswerte gebe es leider nicht, so Martin Gobbin. Für die Warentester ging es in dieser Untersuchung auch um den hohen Stromverbrauch der Streaming-Dienste. Die wenigsten Nutzer würden wissen, dass die hiermit verbundenen CO2-Emissionen inzwischen sogar rund die Hälfte des zivilen Luftverkehrs ausmachen. Es gibt allerdings auch für Nutzer einige Möglichkeiten, sich sparsamer zu verhalten, so die Stiftung Warentest.

"Zum Beispiel, dass man die sogenannte Auto-Play-Funktion ausmacht. Auto-Play heißt, dass ich eine App starte und die Videos dann von alleine starten. Das kann ich stoppen. Zwei weitere Tipps: Man braucht nicht immer die allerhöchste Auflösung - gerade auf dem Handy reicht auch eine geringere Auflösung als 4K. Und wer gerne Musik hört - beispielsweise über YouTube - der kann sich überlegen, es besser über Spotify oder andere Musikstreaming-Dienste zu machen. Denn bei YouTube läuft eben ein Video zur Musik. Das verbraucht sehr viel Strom."

Mängel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen

Bei vielen Anbietern wurden auch Mängel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen registriert. Viele Streaming-Dienste sind den USA registriert, europäisches Recht werde leider nicht immer umgesetzt. Kein Anbieter bekam am Ende ein gutes Gesamtergebnis. Warentester Martin Gobbin:

"Bei uns liegt bei den Abos 'Netflix' vorn. Beim Einzelabruf teilen sich drei Anbieter den ersten Platz: 'Amazon', 'Maxdome' und die 'Telekom'. Wenn man relativ wenig Geld ausgeben will, dann ist das Abo die bessere Wahl. Gerade für Serienfans."

Lieber Abo statt Einzelabruf

Lieber Abo statt Einzelabruf bei den Videostreaming-Diensten - so das Fazit der Stiftung Warentest. Und noch ein Hinweis zum Kauf: Hier gebe es zwar ein deutlich größeres Angebot als beim Verleih, doch eben auch mehr Einschränkungen für die Nutzer.

"Man denkt dann ja, wenn ich es gekauft habe, kann ich damit machen, was ich will. Nein, da gibt es starke Restriktionen. Beispielsweise kann man sich den Kauftitel nicht auf den PC ziehen, sondern nur auf das Tablet. Und dass man ihn auch nicht auf eine DVD brennen kann."

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