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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Einigung ist alternativlos27.12.2019

Streiks bei Germanwings Eine Einigung ist alternativlos

Auch wen diesmal nur die Lufthansatochter Germanwings betroffen ist, wird dieser Streik die Passagiere verärgern, kommentiert Mischa Ehrhardt. Eine Schlichtung ist nötiger denn je. Dafür müssen sich beide Seiten sich bewegen – und zwar rasch. Denn eine Alternative gibt es nicht.

Von Mischa Ehrhardt

n Airbus A320 der Fluggesellschaft germanwings fährt von der Landebahn zum Vorfeld über eine Brücke der Autobahn A14 am Flughafen Halle-Leipzig (Sachsen). (dpa / picture alliance / Bodo Schackow)
Die Warnstreiks im November hatten bereits deutlich gezeigt: UFO könne mobilisieren, schreibt Mischa Erhardt – "und das wirkt sich dann auch auf Flugpläne aus". (dpa / picture alliance / Bodo Schackow)
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Die Streiks über die Jahreswende bei Germanwings müssen Kunden verärgern. Denn wer den Rückflug aus den Feiertagen geplant hat, könnte nun zumindest kurzzeitig an Flughäfen stranden. Natürlich werden Lufthansa und deren Tochter Germanwings alles tun, um die Auswirkungen klein zu halten und den Arbeitskampf des Germanwings-Kabinenpersonals möglichst verpuffen zu lassen.

Doch die Warnstreiks im November hatten bereits deutlich gezeigt: UFO kann mobilisieren – und das wirkt sich dann eben auch auf Flugpläne aus. Immerhin aber setzt die Gewerkschaft ihren Streik mit Augenmaß an, indem sie nicht weiter Teile des Konzerns sondern nur eine Tochter bestreikt, die noch mit rund 30 Flugzeugen für Eurowings unterwegs ist.

Beide Seiten müssen sich bewegen

Dabei schien es in dem Konflikt eigentlich Fortschritte zu geben: Unter dem Verhandlungsgeschick der früheren Personalchefin Bettina Volkens waren beide Seiten an einen Tisch zurückgekehrt und hatten dem Weg in eine Schlichtung zugestimmt, kurz: Volkens hat mit ihrem moderaten Kurs gegenüber UFO einiges bewegt. Allerdings gab es schon kurz nach der vorläufigen Einigung Störfeuer aus dem Konzern. Und damit ist nach wie vor ungewiss, wie eine Schlichtung überhaupt aussehen könnte und welche Themen sie hätte.

Wenn das aber gelingen soll, müssen beide Seiten sich bewegen – und zwar rasch. Denn eine Alternative gibt es nicht. UFO hat gezeigt, dass die Gewerkschaft aus ihrer selbstverschuldeten Krise wieder herausgefunden hat. Der Vorwurf der Bereicherung von Vorständen, der Rücktritt einiger Gewerkschaftsfunktionäre hatte die Gewerkschaft in der Tat geschwächt. Doch reicht deren Stärke offensichtlich noch aus, um Arbeitskämpfe führen zu können. Das muss die Lufthansa einsehen.

Ein langer Arbeitskampf hilft niemanden

Auf der anderen Seite muss auch UFO damit klarkommen, dass es in Zukunft möglicherweise auch noch andere Gewerkschaften gibt, die für die Belange des Kabinenpersonals eintreten. Als UFO vor allem mit sich selbst beschäftigt war, ist Verdi einige Schritte in diese Richtung gegangen. Die kürzlich gegründete Cabin Union ist auch eine Folge der UFO-Krise, damit muss sie nun leben.

Ansonsten droht ein langer Konflikt. Das einzige Ergebnis werden unzufriedene Passagiere sein, weil deren Reisen ausfallen oder sich verschieben. Und in der Konsequenz werden Fluggäste dann ihre Tickets bei der Konkurrenz buchen. Vielleicht würden vermehrt Kunden – was innerdeutsche Reisen angeht – auf die Bahn umsteigen. Dann würde der Konflikt immerhin klimapolitisch positiv wirken. So oder so aber wird es schmerzlich für den Konzern sein – und letztendlich auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lufthansa. Beide Seiten sollten sich das vor Augen halten, wenn sie die Lösung des Konfliktes blockieren.

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

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