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StartseiteKommentare und Themen der WocheKein Verständnis für den nächsten Chaos-Sommer 20.06.2019

Streiks der FlugbegleiterKein Verständnis für den nächsten Chaos-Sommer

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO und die Lufthansa haben interne Gründe, es auf einen Schlagabtausch ankommenzulassen, kommentiert Mischa Erhardt. Es drohe Streik. Die Kunden hätten aber kein Verständnis dafür, wenn nicht wenigstens versucht würde, einen Chaos-Sommer zu verhindern.

Von Mischa Ehrhardt

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15.01.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Eine blau leuchtende Anzeigentafel in Terminal 1 am Frankfurter Flughafen weist auf annullierte Flüge hin. (picture alliance / Silas Stein)
Flug gestrichen - im Sommer drohen Streiks bei Eurowings, Germanwings und Lufthansa (picture alliance / Silas Stein)
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Bei dieser Auseinandersetzung treffen sich bildlich gesprochen zwei hinkende Gestalten, die die Konfrontation suchen in dem Glauben, der jeweils andere sei stärker angeschlagen. Und Verlierer dabei könnten Dritte sein: die Kunden, die nun bangen müssen, ob der Flug in den Urlaub wie geplant starten wird.

Die Gewerkschaft UFO hat sich über die vergangenen Monate einen heftigen internen Führungsstreit geliefert. In dessen Verlauf mussten mehrere Vorstände und der Chef der Gewerkschaft ihren Hut nehmen. Da kommt ein Neustart in Form einer Auseinandersetzung mit den Lufthansa-Arbeitgebern nicht ungelegen: Um zu zeigen, dass die Gewerkschaft sich auch wieder um ihre eigentliche Aufgabe und ihre Klientel kümmern kann: bessere Arbeits- und Lohnbedingungen für die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter in den Kabinen zu erreichen.

Lufthansa kämpft mit Gegenwind

Andererseits kämpft aber auch die Lufthansa mit Gegenwind: Die Tochter Eurowings wird es dieses Jahr wohl wieder nicht in die Gewinnzone schaffen; die Lufthansa hat gerade ihre Prognose für die Geschäftszahlen im laufenden Jahr gekappt - und daraufhin rund eine Milliarde Euro an Börsenwert verloren. Hohe Kerosinpreise sind es unter anderem, die bei Fluggesellschaften aktuell an den Gewinnen knabbern. Doch vor allem sorgt die Konkurrenz durch Billigflieger wie Ryanair dafür, dass die Ticketpreise sinken - und damit die Gewinne und Margen kleiner ausfallen.

Deswegen ist es wohl kein Zufall, dass die Lufthansa die seit zwei Jahren mühsam ausgehandelten Tarifverträge nicht unterschreibt und im gleichen Atemzug bei der noch immer Verluste schreibenden Tochter Eurowings Sparmaßnahmen ankündigt. Kosten zu senken, gestaltet sich eben schwerer im Rahmen von Tarifverträgen.

Kurzum: Mit etwas Abstand sieht man, dass beide Seiten ein starkes Interesse haben, auf ihren Positionen zu beharren. Die Gewerkschaft droht mit Streiks, weil sie die Tarifverträge zur Unterschrift bringen und damit nach chaotischen Monaten im Inneren wieder Stärke nach außen zeigen will. Die Lufthansa dagegen beharrt darauf, dass man bei der Gewerkschaft nicht einmal mehr wisse, wer überhaupt unterschriftsberechtigt ist und man deswegen keinen Gesprächs- oder Verhandlungspartner habe.

Kunden müssen Konflikt ausbaden 

So nachvollziehbar die Positionen beider Seiten und ihr Schlagabtausch sind - Kunden und Urlauber dürfen deswegen aber nicht diejenigen sein, die die Probleme auf beiden Seiten ausbaden müssen. Die Lufthansa muss deswegen alles tun, um Streiks zu verhindern - im Zweifel auch einen Schritt auf die Gewerkschaft zugehen und ihre Gesprächsblockade aufgeben. Und die Gewerkschaft muss dann zeigen, dass sie wirklich ein zuverlässiger und konstruktiver Gesprächspartner ist.

Denn eines ist klar: Die Kunden werden sich im Zweifel über beide Seiten ärgern. Und natürlich von Buchungen in den nächsten Wochen Abstand nehmen. Sie werden kein Verständnis dafür haben, wenn die Kontrahenten sich nicht zumindest an einen Tisch setzen, um einen weiteren Chaos-Sommer auf ihre Kosten zu verhindern.

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

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