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StartseiteKommentare und Themen der WocheSicherheitsbedenken sind nicht der wahre Grund12.03.2019

Streit mit USA wegen HuaweiSicherheitsbedenken sind nicht der wahre Grund

Wenn die USA jetzt massiv vor dem Einsatz von chinesischer Mobilfunk-Technik in Deutschland warnten, dann habe das nur am Rande mit tatsächlichen Sicherheitsbedenken zu tun, meint Stefan Römermann. Grund sei wohl vor allem der Handelsstreit der USA mit China. Trotzdem könne die Debatte nützlich sein.

Von Stefan Römermann

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Mobilfunkmasten bei Füssen im Allgäu (imago stock&people)
Netzwerkausbau: Mit oder ohne Huawei? (imago stock&people)

Die Vorstellung klingt bedrohlich: Der chinesische Hersteller Huawei könnte in Komponenten für Mobilfunk-Masten und die entsprechenden Netze versteckte Hintertürchen eingebaut haben. Über die könnten chinesische Geheimdienste Datenverkehr und Telefonate abhören, oder die Netze im Krisenfall sabotieren. Immer wieder haben Politiker und Sicherheitsexperten in den vergangenen Monaten vor dieser Gefahr gewarnt.

Möglich ist ein Geheimdienst-Angriff nach diesem Muster durchaus. Trotzdem ist es eher unwahrscheinlich, dass auf diesem Weg in Europa zukünftig massenhaft Daten ausspioniert werden. Denn wenn irgendwelche Geräte anfangen, im größeren Stil Daten abzufangen und nach Peking schicken - dann könnten Mobilfunkbetreiber wie Telekom oder Vodafone vergleichsweise einfach den zusätzlichen Datenverkehr erkennen und abstellen. Und bisher gibt es keine Beweise, dass in Huawei-Technik jemals bewusst Schwachstellen und Hintertürchen eingebaut worden sind.

Druck auf China ist der wahre Grund

Dass die USA jetzt massiv vor dem Einsatz von chinesischer Mobilfunk-Technik in Deutschland warnen, hat deshalb wohl nur am Rande mit tatsächlichen Sicherheitsbedenken zu tun. Schließlich stecken die USA mitten in einem erbitterten Handelsstreit mit China. Für das Regime in Peking ist die Internet- und Mobilfunk-Technik ein Aushängeschild und ein Exportschlager, der Milliardenbeträge ins Land bringt. Im Handelsstreit sind Technologie-Konzerne wie Huawei deshalb ein guter Hebel um die Regierung in Peking unter Druck zu setzen und zu ärgern. Dafür greift US-Präsident Donald Trump dann sogar die eher leise geäußerten Warnungen der US-Geheimdienste auf – auch wenn er die Meinung seine Sicherheitsbehörden ansonsten gerne ignoriert und sie als inkompetent hinstellt.

Eine Debatte, die notwendig ist

Trotzdem ist es gut, dass in Deutschland und weltweit endlich über die Sicherheit von IT-Systemen und Netzwerk-Komponenten diskutiert wird. Und es ist gut, dass die Geräte von Huawei vorab genau untersucht werden – sowohl von den Mobilfunkanbietern selbst als auch vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Das gleiche sollte aber auch mit den Produkten von allen anderen Herstellern passieren. Und zwar egal ob sie aus China kommen, aus Schweden oder aus den USA. Denn verborgene Sicherheitslücken stecken in vielen Computerchips und im Code der meisten Computerprogramme. Für Wirbel gesorgt hatte vor gut einem Jahr beispielsweise die Sicherheitslücken in Millionen von Prozessoren der Hersteller Intel und AMD – beides übrigens US-amerikanische Unternehmen. Ziel muss es sein, möglichst viele solcher Schwachstellen möglichst früh zu entdecken und zu stopfen. Damit würde man allerdings nicht nur den chinesischen Geheimdiensten das Leben schwer machen – sondern auch den amerikanischen oder deutschen. Denn auch die setzen beim Ausspähen von Verdächtigen auf Sicherheitslücken in den verschiedensten Programmen und Geräten.

Stefan RömermannStefan RömermannStefan Römermann arbeitet seit 2003 vor allem für den ARD-Hörfunk und den Deutschlandfunk. Seine Themenschwerpunkte sind Computer, Medien und Technik. Beim Deutschlandfunk moderiert er unter anderem die Sendungen "Umwelt und Verbraucher" und "Marktplatz".

  

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