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StartseiteDeutschland heuteEin bundesdeutsches Geschichtswrack im Hangar17.10.2018

Streit um die "Landshut"Ein bundesdeutsches Geschichtswrack im Hangar

Die Entführung der Lufthansa-Boeing "Landshut" im Oktober 1977 wurde verfilmt und journalistisch umfassend beschrieben und diskutiert. Nun soll das Flugzeug selbst zum Museumsobjekt werden. Doch es gibt Streit um die Kosten.

Von Thomas Wagner

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Das Wrack der "Landshut" wird in Friedrichtshafen in den Hangar gebracht. (imago stock&people)
Das Wrack der "Landshut" wird in Friedrichtshafen in den Hangar gebracht. (imago stock&people)
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18. Oktober 1977: 
"0.38 Uhr. Hier ist der Deutschlandfunk mit einer wichtigen Nachricht. Die von Terroristen in einer Lufthansa-Boeing entführten 86 Geiseln sind alle glücklich befreit worden." ... "Beim Sturm auf die Maschine durch eine deutsche Spezialeinheit…"

Die Bilder, die die befreiten Geiseln zeigten, ging damals um die Welt. Vorausgegangen war ein fünftägiges Martyrium: Vier palästinensische Terroristen hatten die Lufthansa-Boeing "Landshut" entführt, um in Deutschland einsitzende RAF-Terroristen freizupressen – einer der Höhepunkte des deutschen Terrorherbstes 1977. 23. September 2017, also vor etwas über einem Jahr:

"9.20 Uhr: An Bord einer russischen Antonov-Frachtmaschine kehrt die 'Landshut' nach Deutschland zurück: Großer Empfang in Friedrichshafen…"

Am Bodensee soll an die "Landshut" erinnert werden

Dorthin wurde das Wrack, das zuvor jahrelang auf einem brasilianischen Flugzeugfriedhof vor sich hindümpelte, nicht ohne Grund gebracht – und der hat zu tun mit der Luftfahrtradition der Industriestadt am Bodensee: Dort waren einst die Dornier-Flugzeugwerke beheimatet. Und genau daran erinnert das von einer privaten Familienstiftung getragene Dornier-Museum für Luft- und Raumfahrt. Nicht zuletzt auf Initiative von Museums-Chef David Dornier kam die "Landshut" in Zusammenarbeit mit dem Bundesaußenministerium an den Bodensee. In Ergänzung zum Museum soll die "Landshut" im Mittelpunkt einer Ausstellung stehen, die an den deutschen Terror-Herbst 1977 erinnert. Doch seit über einem Jahr modert die "Landshut" nun schon in einem Flugzeughangar vor sich hin. Passiert ist seit der Überführung nicht viel, was unter anderem mit der Stimmungslage in Friedrichshafen zum "Landshut"-Projekt zu tun hat.

"Also die Begeisterung in der Stadt Friedrichshafen ist gleich Null. Und ich persönlich frage mich immer wieder: Was hat die 'Landshut' mit Friedrichshafen oder mit Zeppelin oder mit der Stiftung zu tun? Überhaupt nichts. Null", so Manfred Sauter, ehemaliger Vorsitzender des Freundeskreises Zeppelin-Museum und als solcher Kenner der Luftfahrt-Geschichte. Und mit seiner Meinung ist er nicht allein: "Also eine direkte Verbindung zwischen der Landshut und Friedrichshafen sehe ich gar nicht", sagt Eberhard Ortlieb, Fraktionschef der Freien Wähler im Gemeinderat. Ähnliches hört man auch von FDP, Grünen und der Stadtverwaltung selbst, einzig die CDU hält sich bedeckt. Die ablehnende Haltung in der Stadt ist vor allem wegen der Finanzierung bedeutsam. Zwar betont David Dornier, Direktor des privaten Dornier-Museums: "Die Finanzierung des Projektes? Das ist komplett durchfinanziert. Das kann ich heute sagen. Das sind alles Bundesmittel."

Kosten für den laufenden Betrieb bleiben ungeklärt

Tatsächlich stellt die Bundesregierung rund zehn Millionen Euro bereit, zum Bau einer Halle, zur Umsetzung eines Museumskonzeptes, bei dem die "Landshut" im Mittelpunkt stehen soll. Wenn es allerdings um den laufenden Betrieb geht, stößt die Spendierfreudigkeit der Bundesregierung an ihre Grenzen.

"Eine Beteiligung des Bundes an den späteren Betriebskosten ist nicht vorgesehen. Eine Beteiligung weiterer Partner am Ausstellungsprojekt 'Landshut' ist insbesondere für den dauerhaften Betrieb wünschenswert. In vergleichbaren Fällen ist dies neben dem Sitzland häufig auch die Kommune, der ein Museum oder eine Ausstellung eingerichtet werden",  heißt es in einer schriftlichen Mitteilung aus dem Berliner Staatsministerium für Kultur und Medien. Doch in der angesprochenen Kommune, also in der Stadt Friedrichshafen, weisen fast alle die Option einer finanziellen Beteiligung weit von sich. Eberhard Ortlieb von der Freien Wähler-Fraktion: "Eigentlich ist das nicht Aufgabe der Stadt. Sondern eigentlich müsste das derjenige, der das veranlasst hat, sprich die Familie Dornier für die Kosten aufkommen. Das ist das alte schwäbische Sprichwort: Wer bestellt, bezahlt."

Und so wird zunehmend die Befürchtung laut, dass das Wrack der "Landshut" mangels ausreichender Finanzierung noch lange einsam und verlassen im Flugzeughangar bleiben könnte. Schon hat ein Mitglied des für das Projekt gegründeten wissenschaftlichen Beirates Kritik daran geäußert, das bisher noch nichts geschehen sei – Kritik, die David Dornier vom gleichnamigen Museum zurückweist. Er hat immerhin kürzlich zwei wissenschaftliche Mitarbeiter eingestellt, die ein Ausstellungskonzept für das "Landshut"-Projekt erarbeiten sollen: "Man kann das nicht einfach so in eineinhalb Jahren hinklatschen. Man muss sich das erst erarbeiten. Wo sind denn die Inhalte? Nur das Flugzeug zu lackieren, das ist nicht der Auftrag gewesen."

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