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StartseiteKommentare und Themen der WocheBulldozer Boris walzt alles nieder04.09.2019

Streit um No Deal BrexitBulldozer Boris walzt alles nieder

Auf seinem Weg zum No-Deal-Brexit hinterlasse Johnson als Hasardeur nur Totalschaden, kommentiert Jens-Peter Marquardt. Sein Brexit-Traum werde zum Albtraum.

Von Jens-Peter Marquardt

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Großbritannien, London: Boris Johnson (r), Premierminister von Großbritannien, spricht während einer Fragerunde im britischen Parlament (House Of Commons/PA Wire/dpa)
Der britische Premierminister Johnson im Parlament (House Of Commons/PA Wire/dpa)
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Hatten wir es nicht geahnt? Wenn Boris Johnson erst einmal Premierminister ist, dann wird alles noch schlimmer. So ist es gekommen. Johnson treibt das Land in den Ruin. Wirtschaftlich und politisch. Auf seinem Weg in den No-Deal-Brexit hinterlässt er nur Totalschaden: Die älteste Demokratie der Welt, die Queen, die Konservative Partei, das Vertrauen der Briten in ihre Politiker – der Bulldozer Boris walzt alles nieder. Besessen davon, seinen Brexit-Traum am 31. Oktober wahr werden zu lassen, der sich schnell als Albtraum heraus stellen wird. 

Es ist noch nicht lange her, da haben die Torys gelacht

Seine Sprache verrät den wahren Charakter Johnsons: No Surrender, ruft er der Opposition und den Europäern auf dem Kontinent zu. Wir werden uns nicht ergeben. Der letzte Premierminister, der so im Unterhaus gesprochen hat, war Winston Churchill. Als die Briten vor der Frage standen, sich der Übermacht der Hitler-Truppen zu ergeben oder mit geringen Aussichten auf Erfolg zu kämpfen. Damals war das Land im Krieg. Jetzt gibt es nur Boris Johnson, der gegen alles, was sich ihm in den Weg stellt, in den Krieg zieht. Johnson möchte so gern als Churchill des 21. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. Und wirft Churchills Enkel aus der konservativen Fraktion raus. 

Es ist noch nicht lange her, da durfte Johnson auf konservativen Parteitagen regelmäßig den Clown geben. Die Torys haben gelacht, aber wären damals nie auf die Idee gekommen, diesen Clown zu ihrem Vorsitzenden und zum Premierminister zu machen. Das Brexit-Referendum hat auch das geändert. Jetzt sieht die Mehrheit der Torys in ihm den Heilsbringer und lässt es zu, dass er dabei ist, alles zu zerstören, was dieses Land einmal ausgezeichnet hat. 

Lügner und Schwindler

Boris Johnson hat schon immer gelogen, dass sich die Balken bogen. Die "Times" hat ihn deshalb einst als Brüssel-Korrespondent entlassen. Jetzt schwindelt er sich als Regierungschef durch: Er finde eine Zwangspause für das Parlament nicht attraktiv. Das hat er auch dann noch gesagt, als er schon längst alle Vorbereitungen dafür getroffen hatte, die Queen dazu zu zwingen, das Parlament still zu legen.

Er mache Fortschritte bei den Verhandlungen mit der EU über ein neues Austrittsabkommen, verkündet er vollmundig. Dabei gibt es überhaupt keine Verhandlungen. Er wolle keine Neuwahlen, sagt er - und bietet im gleichen Atemzug der Opposition die vorgezogene Wahl des Unterhauses an. Die Opposition tut gut daran, nicht leichtsinnig in diese Falle zu tappen. Ist das Parlament erst einmal stillgelegt, kann der Premierminister allein über den Wahltermin entscheiden und ihn auch nach Belieben verschieben – auf einen Zeitpunkt nach dem No-Deal-Brexit.

Wohin dieses Land inzwischen abgedriftet ist, zeigt sich auch daran, wie sehr der Labour-Oppositionsführer an politischer Statur gewonnen hat. Jeremy Corbyn galt vor wenigen Wochen noch als linker Spinner. Jetzt wirkt er neben dem Hasardeur Johnson wie ein Staatsmann.   

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