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StartseiteEuropa heuteStreit ums Salz29.08.2013

Streit ums Salz

Beim russisch-weißrussischen Kali-Krieg geht es um Milliarden

Wer diesen russisch-weißrussischen Kali-Krieg begonnen hat, ist schwer zu beurteilen. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, ohne Rücksprache in der gemeinsamen Vermarktungsgesellschaft Kali auf dem Weltmarkt anzubieten. Aus den Partnern wurden erbitterte Konkurrenten, die achtjährige Zusammenarbeit ist zu Ende.

Von Sabine Adler

Weißrussland gehört zu den größten Kali-Produzenten der Welt. (picture alliance / dpa / RIA Nowost)
Weißrussland gehört zu den größten Kali-Produzenten der Welt. (picture alliance / dpa / RIA Nowost)
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Minsk beschuldigt die russische Firma Ural-Kali, das Salz auf eigene Faust verkauft zu haben, Ural-Kali behauptet, Minsk schließe eigene Verträge ab. Ural-Kali jedenfalls trat aus der gemeinsamen Verwertungsgesellschaft aus. Dessen Generaldirektor Wladyslaw Baumgertner, der zugleich Aufsichtsratschef der Vermarktungsgesellschaft war, die Ural-Kali zur Hälfte gehörte, Baumgertner wurde jetzt kaltgestellt. Auf seinem Rücken wird der Wirtschaftskrieg ausgetragen. Pawel Traulko, weißrussischer Ermittler:

"Dem weißrussischen Staat und der Republik Weißrussland wurde großer Schaden zugefügt, ebenso der weißrussischen Kali-Gesellschaft. Die Höchststrafe gemäß Artikel 424 sieht zehn Jahre Freiheitsentzug und die Konfiszierung des Eigentums vor."

Der Russe Wladyslaw Baugertner wurde Anfang der Woche auf dem Minsker Flughafen festgenommen, unmittelbar nach einem Treffen mit dem weißrussischen Premierminister Michail Mjasnikowitsch, auf dessen Einladung er nach Minsk gekommen war.

Ein Vorgang, der an KGB-Methoden erinnert. Und tatsächlich war hier der weißrussische Geheimdienst aktiv, der sich noch heute KGB nennt.

Suleiman Kerimov der Haupteigner von Ural-Kali, der Chef des Aufsichtsrates Aleksandr Woloschin, ehemals Präsident Jelzins graue Eminenz im Kreml, und ein russischer Vize-Premierminister Arkadi Dworkowitsch waren gleichfalls eingeladen worden, hatten jedoch abgesagt. Nicht ausgeschlossen, dass den Dreien eine ähnliche Behandlung zuteilgeworden wäre. Nach eigenen Angaben befassen sich die weißrussischen Ermittler bereits mit Kerimow:

"Wir studieren das Material über die Tätigkeit eines der Hauptaktionäre von Ural-Kali, Suleiman Kerimow."

Für Moskau ist der Vorgang unerhört, der weißrussische Botschafter wurde einbestellt, mit weitreichenden Folgen für das bilaterale Verhältnis gedroht.
Die Weißrussen beschuldigen die Kali-Manager aus Russland, sich nicht nur die Kunden unter den Nagel gerissen, sondern auch die Computer und Unterlagen der gemeinsamen Vermarktungsgesellschaft gestohlen zu haben.

Weißrusslands Wirtschafts- und Finanzlage ist prekär. Eine neue Krise zieht herauf.

Jeder Kunde ist wichtig, da der Export um 30 Prozent zurückging, mit der EU sogar fast um 50 Prozent. Beträgt 1,7 Millionen Dollar. Obwohl Weißrussland immer mehr produziert, stehen Traktoren und Lkw sowie Landmaschinen auf Halde, denn Hauptabnehmer Russland kauft viel weniger als noch vor einem Jahr.

Kalichlorid, aus dem Düngemittel hergestellt werden, das man zum Härten von Metall braucht, in Lebensmitteln als Geschmacksverstärker einsetzt oder im Winter als Streusalz verwendet, Kaliumchlorid bringt in Weißrussland vor allem Valuta ins Staatssäckel. Die Valuta-Reserven betragen acht Milliarden Dollar, die Hälfte kommt aus den Kali-Verkäufen.

Oleg Duschin, russischer Wirtschaftsanalyst, erklärte im russischen Auslandssender Rossija 24, warum Weißrussland zu derart drastischen Mitteln greift, einen russischen Spitzenmanager festzuhalten:

"Weißrussland ist der drittgrößte Kaliproduzent der Welt. Für Weißrussland ist Kali, was für Russland das Erdöl und Erdgas sind. Wegen der Abwertung des weißrussischen Rubels ist die Valuta-Reserve viel weniger wert, Minsk verfügt praktisch über keine Reserve mehr."

Die Staatsverschuldung steigt rasant, längst wird überlegt, ob der Internationale Währungsfonds beziehungsweise Kreditgeber in China, Indien oder wie in der Vergangenheit Russland angepumpt werden. Doch in Moskau dürfte die Hilfsbereitschaft nach der Verhaftung nicht gewachsen sein.

Bleibt die einfachste, für die Bürger aber schmerzhafteste Lösung: die Abwertung des weißrussischen Rubels, die letzte ist keine zwei Jahre her.

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