Mittwoch, 02.12.2020
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteForschung aktuellStromboli auf dem Prüfstand25.05.2007

Stromboli auf dem Prüfstand

Wenn der Vulkan spuckt, wird Kalabrien nass

Geophysik. – Vesuv und Ätna, das sind die beiden bekannten Vulkane Italiens. Doch sie sind nicht allein, denn die kleine Insel Stromboli vor den Küsten Siziliens und Kalabriens ist ebenfalls ein Vulkan – und der hat es in sich. Ozeanographen aus Bari haben modelliert, was ein Ausbruch dieses Vulkans an den gegenüberliegenden Küsten anrichten würde.

Von Thomas Migge

Vergleichsweise häufig bietet der Stromboli dem Betrachter ein feuriges Schauspiel. (USGS)
Vergleichsweise häufig bietet der Stromboli dem Betrachter ein feuriges Schauspiel. (USGS)

Ob es sich so anhören wird ist unklar. Wie und mit welchen Geräuschen der Stromboli in Süditalien ausbrechen wird, weiß niemand genau. Der Vulkanberg, der fast die gesamte Insel ausmacht, könnte an einer seiner Seiten ausbrechen oder aber in der Mitte explodieren. Wenn der Stromboli, und diese Gefahr besteht, an jener Seite ausbricht, die der Küste Kalabriens zugewandt ist, dann muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Die Küste ist weniger als 100 Kilometer entfernt und so flach, dass ein Tsunami in Folge des Ausbruchs verheerende Schäden anrichten würde. Ein Horrorszenarium, dem Wissenschaftler in Bari, in der süditalienischen Region Apulien, auf die Spur kommen wollten. An der wasseringenieurwissenschaftlichen Fakultät der Universität testet Professor Antonio Felice Petrillo die Auswirkungen möglicher Tsunamis auf die italienische Küste:

"Die Kraft, die von so einem Vulkanausbruch ausgeht, interessierte uns. Wenn durch einen Ausbruch ein Teil des Vulkankegels ins Wasser stürzt, werden Wellen verursacht. Welche Auswirkungen haben sie auf das nahe Küstengebiet und was bedeutet das für den Zivilschutz? Wie schnell müssen Sicherheitssysteme reagieren? Wir suchten Antworten auf diese Fragen."

Antonio Felice Petrillo und sein Mitarbeiterteam testen die Auswirkungen von Tsunamis, die durch Vulkanausbrüche im italienischen Mittelmeer provoziert werden könnten, an einem Modell in ihrer Hochschule. In einer im Durchmesser 30 Meter großen und drei Meter tiefen Testwanne. In dieser Wanne erhebt sich ein drei Meter hoher und achteckiger Kegel, der in etwa die Form des Stromboli hat. Nur ein Viertel dieses virtuellen Vulkans erhebt sich oberhalb der Wasserfläche. Die Seiten des Kegels aus Kunststoff sind verschiebbar. Mit einer Fernsteuerung können sie in Bewegung gesetzt werden. Petrillo:

"Man muss sich natürlich klar darüber sein, dass es sich hier um ein Modell handelt, aber wenn die Seitenteile des achteckigen Kegels ins Meer sausen, per Knopfdruck, dann führt das zu Wellen, die denen in der Realität sehr ähneln. Das Vulkanmodell im Maßstab 1:1000 provoziert Miniwellen, die in der Wirklichkeit meterhoch sein können."

Sobald ein Seitenteil des Kegels in das Wasser des Testbeckens saust, erfasst ein System von 46 Sensoren und 24 digitalen Fotokameras die einzelnen Bewegungen der dabei entstehenden Wellen. Den Forschern in Bari geht es auch um die Erforschung von Wellen, die durch Seebeben ausgelöst werden, zu denen es ebenfalls im Fall von Vulkanausbrüchen kommen kann. Untersucht werden die Höhe und die Frequenz, also die Fortpflanzungsgeschwindigkeit, vor allem von zwei Wellentypen: die ebenen Wellen, die parallel zueinander verlaufen, und die Bordwellen, die sich in Küstennähe aufbäumen, und, wie bei dem katastrophalen Tsunamiunglück in Asien, besonders schlimme Zerstörungen anrichten. Die Untersuchungen im Testbecken in Bari weisen nach, dass es im Fall eines Seebebens oder auch eines Abrutschens von Gesteinsmassen am Kegel des Stromboli zu Bordwellen mit einer Höhe von bis zu fünf Metern kommen könnte. Die von den Sensoren und den digitalen Kameras ermittelten Daten werden, erklärt Antonio Felice Petrillo, in mathematische Modelle umgewandelt:

"Die Beobachtung unserer Tests liefert uns mathematische Modelle, die Auskunft darüber geben, wie gefährlich Bordwellen werden können. Diese Modelle werden mit den vor Ort, am Kegel eines Vulkans, ermittelten Daten in Relation gesetzt und geben so Hinweise auf mögliche Gefahren."

Geplant ist die Installation eines Sensorennetzes am Vulkankegel des Stromboli - oberhalb und unterhalt der Wasseroberfläche. Es handelt sich um bereits bei anderen Vulkanen bewährte Messstationen, die Auskunft darüber geben, ob es zu einem Ausbruch kommen könnte und mit welcher ungefähren Stärke. Die in Bari ermittelten Testdaten werden bald schon mit den am Kegel des Stromboli ermittelten Informationen Prognosen zu den zu erwartenden Bordwellen liefern. Prognosen, die auch darüber informieren, zu welchen Zerstörungen es an der Küste kommen würde. Je schneller in nächster Zukunft diese Informationen vorliegen, umso schneller kann die Küstenbevölkerung über das wahre Ausmaß einer drohenden Katastrophe benachrichtigt und in Sicherheit gebracht werden.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk