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StartseiteKommentare und Themen der WocheWirtschaftsminister Altmaier packt an14.08.2018

Stromnetz-AusbauWirtschaftsminister Altmaier packt an

Veraltete Stromnetze behindern die schnelle Umsetzung der Energiewende - und das seit Jahren. Dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Ausbau beschleunigen will, sei richtig, kommentiert Georg Ehring. Doch ebenso wichtig wäre es, die alten fossilen Energiequellen schneller vom Netz zu nehmen.

Von Georg Ehring

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Starkstrommasten in Bayern (Karl-Josef Hildenbrand, dpa picture-alliance)
Erneuerbare Energie soll besser über schnellere Strometze verteilt werden (Karl-Josef Hildenbrand, dpa picture-alliance)
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Erneuerbare Energien Altmaier stellt sich gegen Kommission

Energiewende Habeck: Stromnetzausbau ist nötig - und erklärungsbedürftig

Der Macher, der Hindernisse aus dem Weg räumt, der aus gegensätzlichen Interessen einen gemeinsamen Kurs macht und Probleme löst. Dieses Image pflegt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und für die Umsetzung der Energiewende wären das beste Voraussetzungen. Doch es gibt auch eine Kehrseite: Peter Altmaier, der Bremser, der die beschlossene Ausschreibung neuer Wind- und Solarkraftwerke beim Übergang zu einer sauberen Energiezukunft nicht mitmachen will.

Sein Argument: Der dort erzeugte Strom könne häufig nicht zum Verbraucher gelangen, weil der Ausbau der Stromleitungen von Nord nach Süddeutschland zu langsam vorankommt. Über 7.700 Kilometer neue Stromtrassen werden gebraucht, nicht einmal 1.000 davon sind fertig gestellt - das ist in der Tat keine überzeugende Bilanz.

Netzausbau jetzt Chefsache

Deshalb ist es erstmal eine gute Nachricht, dass Altmaier den Netzausbau jetzt zur Chefsache erklärt hat. Die Planung soll erleichtert werden, neue Techniken sollen dafür sorgen, dass bestehende Stromleitungen mehr Elektrizität transportieren können und flexibler eingesetzt werden. Und nicht zuletzt: Gespräche mit Kritikern und mit betroffenen Bürgern entlang der geplanten Trassen, Gespräche mit den Fachministern in den Bundesländern, um die Sache voran zu bringen. Alles gute Ideen und auch der Auftritt in der Bundesnetzagentur heute in Bonn setzt auch für sich genommen ein Zeichen: Das Thema ist ihm zu wichtig, um es in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Doch vom Bremser zum Macher wird Altmaier damit trotzdem nicht. Denn den dicksten Brocken, den lässt der Minister einfach liegen. Die vorhandenen Stromnetze werden nämlich zu einem guten Teil durch Kohlestrom verstopft, den die Energiekonzerne immer mehr für den Export erzeugen. Deutschland hat in den vergangenen Jahren zwar die erneuerbaren Energien in beeindruckendem Maße ausgebaut, dabei aber die Abschaltung alter Kraftwerke unterlassen, die mit besonders klimaschädlicher Braunkohle laufen. Ihre Erzeugung ist schwer zu regulieren, es dauert lange, bis sie herauf- oder heruntergefahren sind. Zur stark schwankenden Stromerzeugung aus Wind und Sonne passen sie nicht, doch ihre Energie benötigt die gleichen Netze. Die Kohlelobby wehrt sich heftig gegen ihre Abschaltung und sie trifft im Bundeswirtschaftsministerium traditionell auf offene Ohren. Die Konzerne würden die Kraftwerke am liebsten bis weit nach 2030 laufen lassen und damit Geld verdienen. Doch das schadet nicht nur Umwelt und Klima, es behindert auch für die Erneuerung des Energiesystems in Deutschland.

Fossile Energie schneller vom Netz

Saubere Energie aus Wind und Sonne steht bereit, den Kohlestrom zu ersetzen. Die technischen Anforderungen, aus schwankender Einspeisung eine stabile Stromversorgung zu machen, sind lösbar - mit mehr Leitungen auch im internationalen Stromverbund, der Zwischenspeicherung überschüssiger Elektrizität in Batterien und in der Übergangsphase mit Erdgas. Was fehlt, ist einerseits der Netzausbau - gut, dass Altmaier ihn jetzt anpacken will. Doch ebenso wichtig wäre es, Platz zu schaffen und die alten fossilen Energiequellen schneller vom Netz zu nehmen.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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