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StartseiteCorsoWenn Weiße Schwarze synchronisieren06.07.2020

Struktureller RassismusWenn Weiße Schwarze synchronisieren

Die Simpsons haben sich mitten in der aktuellen Rassismus-Debatte in der Gesellschaft dazu entschieden, schwarze Rollen auch nur noch von schwarzen Schauspielern sprechen zu lassen. Ein wichtiger Schritt, findet Dela Dabulamanzi im DLF.

Dela Dabulamanzi im Corsogespräch mit Mike Herbstreuth

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Die Schauspielerin Dela Dabulamanzi hockt mit schwarzem Pullover vor einer grauen Wand. (Malina Ebert)
Die deutsche Schauspielerin Dela Dabulamanzi synchronisert meistens Schwarze Rollen (Malina Ebert)
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Die Schauspielerin und Synchronsprecherin Dela Dabulamanzi wird in der Regel für schwarze Synchronisationsrollen gebucht erzählt sie. Nur ein einziges Mal hat sie eine weiße Figur gesprochen für einen Cartoon. Da sei aber auch die Regisseurin schwarz gewesen. Beklagt habe sich niemand, aber Dabulamanzi hat es überrascht. "Aber ich denke, dass alle alle sprechen können, wenn alle fair verschiedene Rollen sprechen können. Also im Sinne von: Weiße können Schwarze sprechen, wenn Schwarze Weiße sprechen können."

Sie meint, grundsätzlich seien genug Rollen da für alle. "Aber man braucht Unterstützung und man muss reinkommen in dieses System, das ziemlich klüngelhaft ist." Manche Studios buchen allerdings auch sehr bewusste schwarze Schauspieler und Schauspielerinnen.

Schwarz auf schwarz

"Man kann nicht sagen, es gibt die schwarze Stimme. Für mich bedeutet schwarze Stimme, Erfahrungswerte die mit eingebracht werden, und wie man etwas spricht. Man kann nicht sagen: 'Oh, sprich die Rolle mal schwärzer. Was bedeutet es, die Rolle schwärzer zu sprechen." Oft heiße es: quirliger, Gangster-mäßiger, witziger, das seien die Zuschreibungen.

Es gebe auch die Idee, dass jemand mit anderer Hautfarbe nicht perfekt Deutsch sprechen könne, erzählt sie. Beispielsweise wenn in einem französischen Film eine schwarze Schauspielerin Akzentfrei spricht, dann werde in Deutschland ein Akzent drüber gelegt mit der Begründung, die Zuschauer erwarten dies, erzählt sie.

Klischeehafte Akzente

Dela Dabulamanzi meint, wenn der Supermarktbesitzer bei den Simpsons mit einem bestimmten Akzent spricht "Alle denken, dass man einen gewissen Akzent so oder so spricht. Und das ist dann das, was wir auf der Straße passiert, dass mich Leute mit einem afrikanischen Akzent, den es nicht gibt, versuchen klischeehaft zu imitieren." Das sei ein Problem, weil es Vorurteile schüre.

Auf dem Weg zur Gleichberechtigung sei es wichtig, dass erstmal schwarze Menschen oder People of Color diese Rollen interpretieren. Erst dann findet sie, sei es in Ordnung und wünschenswert, dass Weiße und Schwarze alle Rollen sprechen.

Äußerungen unserer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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