Sport Aktuell 22.10.2019

Strukturreform im HandballGebühr für Basis ist vom TischVon Matthis Jungblut

Beitrag hören Zu sehen ist das Logo des Deutschen Handballbunds. (imago images / Hartenfelser)Der Deutsche Handballbund plant eine Strukturreform. Über die Finanzierung soll im März gesprochen werden. (imago images / Hartenfelser)

Der Deutsche Handballbund (DHB) hat wichtige Schritte Richtung Strukturreform gemacht. Der DHB-Bundesrat, also das Gremium aller Landesverbände, hat sich in einem Grundsatzbeschluss für die Reform ausgesprochen. Eine geplante Lizenzgebühr ist offenbar vom Tisch.

Am Ende war es eine klare Angelegenheit: Die Vertreter der Landesverbände haben sich auf dem DHB-Bundesrat am Wochenende im Hamburg durchgesetzt. Der Finanzierungsansatz über eine Lizenzgebühr wird nicht mehr verfolgt, heißt es im Protokoll.

"Viele unserer Mitglieder und viele Vereine haben diese Lizenzgebühr nicht verstanden und nicht akzeptiert, weil eigentlich zu dem Zeitpunkt keinerlei Gegenleistung erkennbar war. Daher war es uns wichtig, dass wir uns entsprechend einsetzen, dass dieses Thema vom Tisch kommt." Das sagt Ulf Meyhöfer. Er ist Präsident des pfälzischen Handballverbandes – einer der kleineren Handballverbände in Deutschland. Sein Verband hätte besonders unter einer Lizenzgebühr für Amateurspieler gelitten.

Der Handball droht zur Nischensportart zu werden

Seit längerem plant der Deutsche Handballbund eine Strukturreform und will den Handball damit zukunftsfähig zu machen. Die Nationalmannschaft soll wieder in die Weltspitze – als Zugpferd der Sportart. Denn nach zuletzt ausbleibenden Erfolgen und stagnierenden Mitgliederzahlen droht der Handball Nischensportart zu werden. Nun sollen professionellere Strukturen, mehr Trainer und hauptamtliche Mitarbeiter in den Verbänden die "Zukunft der Sportart sichern" – wie es von DHB-Seite heißt. Vor allem der Spitzensport solle gefördert werden.

Ulf Meyhöfer ist Präsident des Pfälzer Handball-Verbandes. (Deutschlandradio / Ulf Meyhöfer )Ulf Meyhöfer ist Präsident des Pfälzer Handball-Verbandes (Deutschlandradio / Ulf Meyhöfer )

Darin sind sich im deutschen Handball alle einig, nur die Finanzierung ist umstritten. Der Plan des DHB war: Jeder Handballspieler in Deutschland solle mit einer Gebühr die Reform bezahlen. Doch diese Idee stieß auf massiven Widerstand an der Basis.

"Wenn sie für Spielberechtigungen 12 Euro zusätzlich zahlen müssen, dann ist das für Familien, die in der Regel Handball praktizieren, dann schon ein signifikanter zusätzlicher Beitrag und dann stellt sich auch erst einmal die Frage: Was ist denn die Gegenleistung?", fragt Meyhöfer. Diese Gegenleistung sei nicht erkennbar gewesen. So habe sich für die Basis der Eindruck gefestigt: Wir zahlen für den Erfolg im Spitzenhandball.

Schon jetzt kommen auf Handballer hohe Kosten zu

Der Präsident des Pfälzer Handballverbandes hat von Anfang an kritisiert, dass die Kosten der Strukturreform auf die Basis umgelegt werden sollten. Er macht auf grundsätzliche Probleme im Handball aufmerksam: "Dass die Mannschaftszahlen rückläufig sind und der Aufwand für einen aktiven Spieler eigentlich höher wird, weil der Fahraufwand sich höher gestaltet. Ohnehin muss ein Handball etwas mehr für seinen Sport hinlegen, weil einfach schon in den unteren Spielklassen die Fahrten deutlich weiter sind als man das im Fußball kennt."

Handball ist eine Familiensportart, vor allem auf dem Land, wo er am häufigsten betrieben wird: In den Handball-Hochburgen Ostwestfalen, im Oberbergischen oder in Schleswig-Holstein müssen die Mannschaften schon in den jüngsten Spielklassen längere Auswärtsfahrten in Kauf nehmen. In den Ballungsgebieten sind es dagegen das Vereinssterben und die marode Hallen-Infrastruktur in den Großstädten, die den Handballern viel Zeit und Geld abverlangen. Die Strukturreform wird diese Probleme kaum lösen, da Sporthallen in kommunaler oder städtischer Hand sind.

Meyhöfer hält die Strukturreform grundsätzlich für richtig

Trotzdem ist sich Meyhöfer mit vielen anderen Landesverbänden einig: Die Strukturreform geht viele wichtige Probleme an. Woher das Geld kommen wird, soll nun in einer Arbeitsgruppe bis März diskutiert werden.

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