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StartseiteCampus & Karriere"Von Turnhallen sind wir zum Glück entfernt"16.10.2017

Studentisches Wohnen im Ruhrgebiet"Von Turnhallen sind wir zum Glück entfernt"

Wer jetzt kein Zimmer hat, kriegt auch keins mehr? Studierende sollten die Zimmersuche auch nach Semesterbeginn fortsetzen, rät Marian Thöne vom Bochumer Studentenwerk im Dlf. Bochum gehört laut einer Studie zu den wenigen Unis, wo Studis kaum auf Wohnraum warten müssen.

Marian Thöne im Gespräch mit Michael Böddeker

Saniertes Studentenwohnheim in Berlin (Foto: NOSHE)
Schön, wenn man eins gefunden hat: Studentenwohnheim. In Städten wie Berlin ist das nicht einfach. Für Bochum spricht eine aktuelle Studie hingegen von 100 Prozent Versorgung (Foto: NOSHE)
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Michael Böddeker: In Berlin und München ist es für Studierende also schwierig, wie wir jetzt eben gehört haben, und auch generell wird ja vor allem über die Wohnungsnot bei Studierenden berichtet, aber die Lage ist nicht überall so angespannt. In Bochum zum Beispiel sieht's schon wieder etwas anders aus: Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln ist der Wohnungsbedarf von Studierenden dort zu 100 Prozent gedeckt. Darüber sprechen wir mit Marian Thöne vom zuständigen Studentenwerk, dem Akademischen Förderungswerk in Bochum. Guten Tag!

Marian Thöne: Hallo, hallo!

Böddeker: Bedarf vollständig gedeckt, sagt die Studie, das klingt ja nach paradiesischen Zuständen in Bochum – ist das so?

Thöne: Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Sie haben völlig recht, es gibt Orte in Nordrhein-Westfalen und in ganz Deutschland, wo es deutlich düsterer aussieht als bei uns. Trotzdem, jetzt zum Semesterstart sind bei uns auch die Wohnheime voll, und wir müssen da leider auch hin und wieder Studierende auf eine Warteliste setzen. Und je nachdem, welche Wünsche sie äußern, kann das dann auch mal ein paar Monate dauern, bis man was kriegt. Aber es ist auf jeden Fall so, dass wir verhältnismäßig gute Verhältnisse haben, und solange dann Studierende auch eine gewisse Flexibilität mitbringen bei der Bewerbung um ein Wohnheim, können wir da auch normalerweise zeitnah eine Lösung bieten.

Zwischen einem und neun Monaten Wartezeit

Böddeker: Und wie lange muss man so ungefähr warten, und was zahlt man dann als Student in Bochum?

Thöne: Das kommt eben ganz drauf an. Es ist bei uns so Credo, wer bereit ist, ein paar Kompromisse zu machen und es muss eben nicht die eine bestimmte Form Zimmer in der ganz bestimmten Lage sein, sondern man hat eben vielleicht ein paar Wohnheime, mit denen man sich anfreunden könnte oder ein paar verschiedene Wohnformen, ist flexibel, was die Wahl zwischen Einzelzimmer und WG meinetwegen angeht, da können wir in der Regel recht schnell Abhilfe schaffen, und das sollte so innerhalb von ein bis zwei Monaten möglich sein. Wenn es jetzt eben eine ganz bestimmte Form Zimmer in einer ganz bestimmten Lage sein soll, dann kann das auch mal bis zu sechs oder neun Monaten dauern, weil wir da natürlich dann nur ein deutlich begrenzteres Angebot haben.

Böddeker: Und was zahlt man da?

Thöne: Preislich bewegen wir uns in aller Regel so in einem Rahmen zwischen 230 und 270 Euro, wo dann aber auch wirklich schon alles inklusive ist. Also da sind dann keine Nebenkosten mehr, da ist auch schon Internet, Telefon mit dabei, ich denke, da sind wir durchaus günstig, kann man sagen.

"Es ist generell im Ruhrgebiet relativ entspannt"

Böddeker: Auf jeden Fall im Vergleich mit Städten wie München zum Beispiel. Ist das jetzt in Bochum ein Sonderfall, oder ist das generell im Ruhrgebiet etwas entspannter, die Lage?

Thöne: Es ist generell im Ruhrgebiet relativ entspannt. Es ist andersrum so, dass wir sogar in Bochum für Ruhrgebietsverhältnisse noch einen relativ hitzigen Wohnungsmarkt haben. Das klingt jetzt im Vergleich zu München zum Beispiel ein bisschen lachhaft, aber wir haben sogar noch relativ viele Studierende hier in Bochum. Also wenn man sich jetzt die nördlicheren Regionen anguckt wie Recklinghausen oder Gelsenkirchen, wo wir auch zuständig sind, da ist es sogar noch entspannter, da sind unsere Zimmer auch noch günstiger. Aber es ist allgemein so, dass das Ruhrgebiet verglichen mit anderen Ballungsräumen in Deutschland noch einen relativ entspannten und humanen Wohnungsmarkt bereithält.

Böddeker: Wie kommt das?

Thöne: Das ist eine gute Frage. Es liegt sicherlich historisch begründet in den strukturellen Voraussetzungen. Es gab eben durch den Strukturwandel im Ruhrgebiet sicherlich einiges an Wegzug, wodurch Leerstand entstanden ist. Es ist so, dass sie Universitäten relativ jung sind, das heißt, es sind nicht traditionelle Studierendenstädte wie jetzt meinetwegen Münster, wo dadurch einfach auch schon immer eine große Nachfrage durch Studierende herrscht. Das sind wahrscheinlich so die Gründe, und so ist dann einfach eine gewisse … Es gibt einfach hier und da noch einiges an Leerstand, und dadurch sinken dann natürlich auch die Preise, das ist ja ganz logisch.

"Von Turnhallen sind wir zum Glück noch entfernt"

Böddeker: Und liegt es vielleicht auch an der Infrastruktur? Also, ich könnte mir vorstellen, dass man im Ruhrgebiet auch noch ganz gut von der einen Stadt in die nächste kommt, also pendeln auch viele Studierende?

Thöne: Das kommt sicherlich auch dazu, ja, völlig richtig. Wir stellen immer wieder fest, dass wir durchaus … also werden auch manchmal als Pendleruni bezeichnet, kann man sich ja vorstellen, Bochum liegt einfach auch zentral im Ruhrgebiet, es sind viele Städte drumherum, und die günstigste Wohnform ist eben immer noch, bei den Eltern zu bleiben. Da haben wir auch relativ viele von der Sorte, und das wirkt sich natürlich dann auch entspannend auf den Wohnungsmarkt aus.

Böddeker: Gerade zum Semesterbeginn richten manche Städte so was wie Notunterkünfte ein für Studierende oder Zeltlager. Gab es das bei Ihnen auch schon mal oder gibt es das sogar?

Thöne: Zum Glück ist es so weit noch nicht gekommen, wollen wir natürlich auch schwer hoffen, dass das nicht nötig sein wird. Trotzdem, wie gesagt, jeder Studi, dem wir sagen müssen, momentan haben wir leider noch nichts, ist einer zu viel. Also wir wollen die Situation jetzt auch nicht bagatellisieren, auch wir müssen manchmal feststellen, dass die Zimmer eben nicht reichen, aber von Turnhallen, wo wir irgendwie Hunderte Studierende unterbringen müssen oder Ähnlichem, sind wir zum Glück noch entfernt.

Ganzjährig bewerben, nicht nur zu Semesterbeginn

Böddeker: Trotzdem gibt es ja mit Sicherheit auch jetzt noch Studierende, die noch keine Unterkunft haben. Haben Sie Tipps, was könnten diejenigen jetzt machen, wenn sie noch dringend eine Wohnung suchen?

Thöne: Also einmal ist es so, dass viele Studierende nicht auf dem Schirm haben, dass sie sich bei uns ganzjährig um ein Zimmer bewerben können. Das heißt, oftmals glauben die Menschen, wenn sie zum Semesterstart nichts bekommen haben, dann ist der Zug sozusagen abgefahren und dann können sie es auch erst zum nächsten Semester wieder versuchen. Das ist definitiv nicht der Fall, Studierende können sich bei uns jederzeit für ein Zimmer bewerben, und oft stellen wir auch fest, dass es dann, wenn das Semester mal angefangen hat, so Richtung November, Dezember auch wieder ein bisschen entspannter wird und die Chancen eben steigen, dass man auch ein schönes Zimmer bekommt. Außerdem, natürlich gibt es auch private Träger, die in Bochum Zimmer bieten, da ist es immer möglich, sich zu bewerben, und wie wir es eben schon erwähnt haben, auch der private Wohnungsmarkt ist jetzt nicht so überhitzt oder schwierig, dass es unmöglich wäre, da auch fündig zu werden.

Böddeker: Sagt Marian Thöne vom Akademischen Förderungswerk in Bochum. Wir haben über den Wohnungsmarkt für Studierende gesprochen, und der ist in Bochum etwas entspannter als in vielen anderen deutschen Städten. Vielen Dank für das Gespräch!

Thöne: Sehr herzlichen Dank auch!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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