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StudieArmut wächst trotz Aufschwungs am Arbeitsmarkt

Gebäudereiniger laufen mit ihren Arbeitsmaterialien am Gürtel in ein Gebäude. (picture alliance / dpa-ZB / Ralf Hirschberger)
Trotz eines Vollzeitjobs sind viele Arbeitnehmer von Armut bedroht. (picture alliance / dpa-ZB / Ralf Hirschberger)

Mehr Jobs, aber nicht weniger Armut: Die Lage am Arbeitsmarkt in Europa hat sich spürbar gebessert. Mehr Menschen haben einen Arbeitsplatz. Doch die Zahl der Arbeitnehmer, die trotz eines Vollzeitjobs von Armut bedroht sind, ist gestiegen.

Nach einer am Montag vorgestellten Studie zur sozialen Gerechtigkeit stieg ihr Anteil im vergangenen Jahr auf 7,8 Prozent; 2013 lag er noch bei 7,2 Prozent. Auch wenn die EU-Staaten sich langsam von den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise erholten, komme der Aufschwung am Arbeitsmarkt nicht bei allen Menschen an, so die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh.

"Europa paradox"

"Wir waren überrascht, dass trotz steigender Beschäftigung in Europa das Armutsrisiko, auch in Deutschland, nicht geringer wird", sagt Studienautor Daniel Schraad-Tischler. Die Autoren sprechen von "Europa paradox". Noch immer sei mit 118 Millionen jeder vierte EU-Bürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, dabei sei der Negativtrend der vergangenen Jahre bei der Bewertung der sozialen Gerechtigkeit in den 28 Ländern der Europäischen Union gestoppt worden. Der Index, der 2014 mit 5,62 seinen Tiefpunkt erreicht hatte, stieg 2016 im EU-Schnitt auf 5,75; vor der Wirtschaftskrise 2008 lag er noch bei 6,60. Als armutsgefährdet gelten nach EU-Definition alle Personen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung auskommen müssen.

In allen 28 EU-Ländern sind die Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen noch immer deutlich schlechter ausgeprägt als vor der Krise. EU-weit sind 25,2 Millionen (26,9 Prozent) Kinder und Jugendliche von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In Griechenland, Italien, Spanien, Portugal gilt dies sogar für jedes dritte Kind (33,8 Prozent). Die Gründe sehen die Autoren der Studie im wachsenden Niedriglohnsektor. Dazu kämen vermehrt Jobs in Teilzeit, Leiharbeit sowie befristete Anstellungen.

Deutschland auf Rang sieben

Deutschland liegt in der Rangliste mit einem Index von 6,66 auf Platz sieben im EU-Vergleich. Den Spitzenplatz belegt Schweden mit 7,51, Schlusslicht bleibt Griechenland mit 3,66. Für die Studie werden jährlich anhand von 35 Kriterien sechs Bereiche beleuchtet, darunter Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Generationengerechtigkeit.

Problematisch sehen die Autoren in der Bundesrepublik neben dem hohen Armutsrisiko die Probleme bei der sozialen Durchlässigkeit im Bildungssystem. Der Anteil der von Armut bedrohten Vollzeitbeschäftigten ist in Deutschland von 5,1 Prozent (2009) auf 7,1 Prozent (2015) gestiegen. Eine leichte Verbesserung gegenüber 2014 (7,5 Prozent) deute auf erste Wirkungen nach Einführung des Mindestlohns im Jahre 2015 hin, heißt es in der Studie.

(fwa/tgs)

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