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StudieBerichterstattung über Flüchtlinge korrekt, aber unausgewogen

Afrikanische Flüchtlinge geben vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin eine Pressekonferenz. (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt )
Pressekonferenz afrikanischer Flüchtlinge. (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt )

Die Berichterstattung führender deutscher Medien über Flüchtlinge in den Jahren 2015 und 2016 ist einer Studie zufolge nicht ausgewogen gewesen.

Eine Studie der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz kommt zu dem Schluss, dass die untersuchten Medien die Faktenlage überwiegend korrekt dargestellt haben. So sei zum Beispiel in der Öffentlichkeit vor allem unterstellt worden, die Medien berichteten überproportional über Frauen und Kinder, während es sich bei den Zuwanderern tatsächlich bei Weitem überwiegend um Männer handele. Die Darstellung in den untersuchten Medien in Text und Bild entsprechen den Verteilungen jedoch den Forschern zufolge fast exakt - mit Ausnahme der ARD-"Tagesschau", die überwiegend den Eindruck vermittelt habe, es handele sich bei den Zuwanderern größtenteils um Frauen und Kinder.

Die Medienwissenschaftler haben insgesamt 5.000 Artikel und Fernsehbeiträge analysiert. Sie untersuchten die "Süddeutsche Zeitung", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Bild"-Zeitung sowie die Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF und RTL. Diese Berichte verglichen die Forscher mit Statistiken - zum Beispiel über Verbrechen.

Meldungen über Kriminalität von Zuwanderern waren unterrepräsentiert. Lediglich in der "Bild"-Zeitung hätten sich positive und negative Berichterstattung die Waage gehalten. Das änderte sich aber massiv nach der Kölner Silvesternacht. Im Anschluss daran wurden Straftaten von Migranten überproportional häufig thematisiert. Der positive Tonfall gegenüber Migranten, wenn man sie als Menschen porträtiere, sei konterkariert durch die Beschreibung von Migration als Ganzes. Sie werde eher als Risiko und Gefahr als als Chance wahrgenommen. Die Autoren der Studie sagen, Medienkritik sei angebracht, der Vorwurf der Lügenpresse aber nicht.

Eine bereits im Jahr 2017 veröffentlichte Studie der Otto-Brenner-Stiftung kam zu dem Schluss, dass große Teile der Journalisten ihre Berufsrolle verkannt und die aufklärerische Funktion ihrer Medien vernachlässigt hätten. Statt als neutrale Beobachter die Politik kritisch zu begleiten habe der Informationsjournalismus die Sicht der politischen Elite übernommen. Die Studie belege "die große Entfremdung, die zwischen dem etablierten Journalismus und Teilen der Bevölkerung entstanden" sei. Erst nach der Silvesternacht 2015/16 hätten die Medien "die reale Wirklichkeit hinter der wohlklingenden Willkommensrhetorik" entdeckt, heißt es weiter.