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StartseiteForschung aktuell"32 Millionen olympische Schwimmbäder an Eis verloren"20.06.2019

Studie über Himalaya-Gletscher"32 Millionen olympische Schwimmbäder an Eis verloren"

Ein erschreckendes Ergebnis der neuen Studie zum rapiden Gletscherrückzug im Himalaya sei der direkte Zusammenhang zur Temperaturentwicklung, sagte der Klima-Geochemiker Jörg Schäfer im Dlf. Was wir der Erde an menschenverursachter Erwärmung zumuten würden, stelle alles in den Schatten.

Jörg Schäfer im Gespräch mit Lennart Pyritz

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Der Mount Everest, Nuptse, Nirekha, Kangchung (Ost). Vorne der Ngozumba-Gletscher.  (imago / blickwinkel )
Für die Studie wurden 2000 Himalaya-Kilometer untersucht: das Ergebnis zeigt, dass die gesamte Himalaya-Kette betroffen ist und nicht nur eine Region (imago / blickwinkel )
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Sie werden auch als dritter Pol bezeichnet – im Himalaya und den umliegenden Gebirgen lagern hunderte Milliarden Tonnen Eis. Doch mit der Erderwärmung schrumpfen die asiatischen Gletscher. Im Fachmagazin "Science Advances" legt ein Forschungsteam die bislang umfassendste Analyse zum Eisverlust im Himalaya vor – und warnt vor weitreichenden Folgen der immer stärkeren Schmelze. Die erste erschreckende Erkenntnis dieser neuen Studie sei, dass sich die Rate der Gletscher-Schmelze im Himalaya in den letzten 40 Jahren verdoppelt habe, so Jörg Schäfer, Klima-Geochemiker an der Columbia University in New York.

"Das ist deutlich höher, als wir erwartet haben. Und besorgniserregender." Dabei sei nicht nur eine Region im Himalaya betroffen, sondern die gesamte Himalaya-Kette. Das hätte sich bei den Untersuchungen von 2000 Kilometern gezeigt.

Es seien "32 Millionen olympische Schwimmbäder, die wir hier an Eis verloren haben." Das erschreckende sei dabei die rapide Zunahme der Schmelze, "die direkte Korrelation zur Temperaturentwicklung und die Homogenität dieses Signals".

Dominanz eines einzigen Faktors

Gletscher an sich seien extrem kompliziert und von viele Faktoren beeinflusst. "Was wir hier sehen ist die Dominanz eines einzigen Faktors - und das ist die Temperaturzunahme. Und das liegt an der extremen Erwärmung unseres Planetens und der zentralasiatischen Region, die diese Gletscher spüren. Was wir an Erwärmung - anthropogen - der Erde zumuten, ist so enorm, dass das wirklich alles andere in den Schatten stellt. Wir sehen nur noch die Temperatur als dominanten Driver dieser Gletscherrückzüge."

In die Daten für diese aktuelle Untersuchung sei auch ein großes Archiv eingeflossen, dass die CIA von Spionage-Satellitenbilder veröffentlicht hat. Es habe eine Zeit gebraucht, bis eine technische Möglichkeit gefunden wurde, diese Bilder zu analysieren und auszulesen.

Der Einfluss dieser Gletscherrückzüge auf den Wasserhaushalt der Region sei ebenfalls enorm, so Schäfer: "Diese Gletscher sind die einzige Wasserquelle außerhalb des Monsuns, typischerweise in dieser Region und wenn die sich so drastisch verändert, dann hat das natürlich katastrophale Einflüsse auf die Landwirtschaft und die gesamte alpine Ökologie. Wenn das so weitergeht, wenn wir nichts ändern, nicht eingreifen, in irgendeiner Form, dann wird diese Änderung auch die Hydrologie dieser enormen, riesigen Flüsse, wie im Brahmaputra und Ganges und anderen, die im Himalaya entspringen, beeinflussen. Und dann haben wir eine Katastrophe, die hunderte von Millionen Menschen, die von diese Flüssen abhängen, beeinträchtigen."

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