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StartseiteWirtschaft am MittagVorstände erhalten im Schnitt 3,4 Millionen Euro pro Jahr14.07.2020

Studie über Vorstandsvergütungen Vorstände erhalten im Schnitt 3,4 Millionen Euro pro Jahr

Vorstandsmitglieder von DAX und MDAX-Konzernen verdienen im Durchschnitt das 49-fache ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das geht aus einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hervor. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Vergütungen allerdings gesunken.

Von Brigitte Scholtes

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Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender Volkswagen AG und Ralf Brandstätter, Marken-COO Volkswagen vor der Eröffnung Internationale Automobil- Aussstellung IAA 2019 in Frankfurt (dpa / picture alliance / Malte Ossowski / SVEN SIMON)
VW-Chef Herbert Diess steht in Europa auf Platz fünf. Seine Vergütung liegt bei knapp 10 Millionen Euro. (dpa / picture alliance / Malte Ossowski / SVEN SIMON)
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Die Vorstände der Konzerne in DAX und MDax sind etwas bescheidener geworden, so scheint es beim ersten Blick auf deren Vergütung. Die Vorstandsgehälter der 30 DAX-Unternehmen etwa gingen im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge zurück. Der Grund: Die Gewinne der DAX-Unternehmen sanken. Das Minus bei den Vorstandsvergütungen fiel mit 0,3 Prozent jedoch nicht so groß aus wie für 2018, als es sogar 3,5 Prozent waren. Die Nominallöhne in Deutschland stiegen dagegen im Schnitt um 2,6 Prozent. Die Schere zwischen der Entwicklung der Bruttolöhne und den Vorstandsgehältern gehe leicht zu, hat Gunther Friedl festgestellt, er ist Professor der TU München, die in Zusammenarbeit mit der DSW, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, die Studie erstellt:

"Trotzdem ist der Unterschied zwischen den Gehältern von normalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einerseits und Vorstandsmitgliedern andererseits immer noch gewaltig. Im Schnitt verdienen Vorstände mit 3,4 Millionen Euro das 49-fache ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im Vorjahr war es sogar noch das 52-fache."

An der Spitze stand im vergangenen Jahr Volkswagen, das seinen Vorständen im Schnitt 5,7 Millionen Euro zahlte. Obwohl die Vergütung um 8 Prozent sank, lagen die Vorstandsgehälter bei den Wolfsburgern 86mal höher als die durchschnittlichen Bruttolöhne im Konzern. Mit 5,6 Millionen Euro im Schnitt folgt SAP auf Platz zwei.

"Nicht mehr diese extremen Zahlungen"

Wirklich darben mussten auch die Vorstandschefs nicht, auch wenn Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW, einen Trend feststellt:

"Was wir nicht mehr sehen, und das ist wirklich interessant, sind diese extremen Vergütungsexzesse mit 15, 14, 16 Millionen Euro. Der Höchstverdiener kriegt immer noch sehr viel Geld, knapp zehn Millionen, das ist Herr Diess von Volkswagen, aber wir haben nicht mehr diese extremen Zahlungen, die wir gesehen haben noch vor 2,3 Jahren. Da scheint also auch sich eingestellt zu haben, dass man darauf schaut, dass diese zehn Millionen, die irgendwie da eine Welt sind, dass das eine Hürde ist, über die man nicht gehen sollte, weil sonst ist das nicht mehr sozialverträglich."

VW-Chef Herbert Diess steht damit in Europa auf Platz fünf. Insgesamt sei die Vergütung der DAX-Vorstandschefs im europäischen Vergleich marktüblich, wenn auch in den USA weit mehr gezahlt wird. Beklagen müssen sich die Vorstände dennoch nicht. Denn in den Vergütungen sind Pensionszusagen nicht eingerechnet. Anders als bei normalen Mitarbeitern übernehmen die Firmen nämlich die Aufwendungen für die Altersvorsorge, und die kann wie im Fall von Heidelberg-Zement-Chef Bernd Scheifele bis zu 1,5 Millionen Euro pro Jahr betragen.

Symbolbild zum Thema Equal Pay Day / Gender Pay Gap / Entgeltgleichheit. Mann und Frau halten unterschiedlich grosse Glaeser gefuellt mit Geldscheinen in den Haenden. Berlin, 14.05.2013. Berlin Deutschland *** Symbol image on the subject of Equal Pay Day Gender Pay Gap Equal pay Men and women hold glasses of different sizes filled with banknotes in their hands Berlin 14 05 2013 Berlin Germany PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xUtexGrabowsky/photothek.netx (imago images │photothek) (imago images │photothek)Wirtschaftsstudien - Der Streit um die Vermögensschere
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Grundsätzlich funktioniere das System jedoch, dass Vorstände bei schlechten Geschäften auch schlechter verdienen, bei guten entsprechend besser, meint Tüngler:

"Aber was wir nicht haben, wenn wir mal ganz ehrlich sind, wir haben seit 20 Jahren diese Studie. Am Anfang hatten wir gar keine Information, das hat sich massiv verbessert. Jetzt haben wir aber einen Informationsoverkill. Wir haben zu viele Informationen, und ob das Taktik ist der Unternehmen wissen wir nicht, man kann es ahnen. Aber man soll gar nicht mehr genau durchschauen können. Man wird also mit so vielen Informationen überladen, dass man nachher vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht."

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