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StartseiteSprechstundeGeringer Konsum verändert das Hirn von Teenagern22.01.2019

Studie zu CannabisGeringer Konsum verändert das Hirn von Teenagern

Hat es Auswirkungen, wenn 14-Jährige ein- bis zweimal Cannabis konsumieren? Forscher aus Vermont kommen zu dem Schluss: Schon ein geringer Konsum hat Folgen für das jugendliche Hirn. Vor allem kognitive Fähigkeiten seien betroffen, erläuterte die Neurologin und Psychiaterin Ursula Havemann-Reinecke im Dlf.

Ursula Havemann-Reinecke im Gespräch mit Carsten Schroeder

Ein Jugendlicher raucht einen Joint. (picture alliance/dpa/Bildagentur-online/Hermes)
Das jugendliche Gehirn ist besonders anfällig für toxische Schäden von Cannabis-Substanzen (picture alliance/dpa/Bildagentur-online/Hermes)
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Offenbar reichen schon ein bis zwei Joints, damit bei Jugendlichen in einigen Hirnarealen die graue Substanz an Volumen zunimmt. Das haben Forscher der University of Vermont, Burlington, nun im Fachblatt "Journal of Neuroscience" als Ergebnis einer neuen Studie veröffentlicht. Es sei schon vorher bekannt gewesen, dass besonders bei Jugendlichen das Hirn sehr anfällig ist für toxische Schäden von Cannabis-Substanzen, erklärt Prof. Dr. Ursula Havemann-Reinecke von der Universität Göttingen. "Dahinter stecken komplexe pathophysiologische Mechanismen."

Einschränkungen kognitiver Fähigkeiten

Bislang legten die durchgeführten Studien vor allem nahe, dass es bei langjährigem und intensivem Konsum zu einer Veränderungen im Gehirn käme. Jugendliche zeigten deutliche Einschränkungen in den kognitiven Fähigkeiten, so die Oberärztin für Neurologie und Psychiatrie weiter.

Nun haben die Forscher insgesamt 46 Jugendliche im Alter von 14 Jahren aus verschiedenen Ländern Europas ausgesucht, die selbst angaben, erst ein- oder zweimal Cannabis probiert zu haben. Bei ihnen hätte sich der "Perceptual Reasoning Index" verschlechtert, also die nichtverbale Wahrnehmung und Beurteilung räumlicher Wahrnehmung sowie motorische Fähigkeiten oder auch die Fähigkeit, neue Informationen aufzunehmen, so Prof. Dr. Ursula Havemann-Reinecke.

Hohes Risiko für bleibende Schäden

Ob diese Schäden dauerhaft sind, werde kontrovers diskutiert. "Man geht sowohl im individuellen Fall davon aus, dass die kognitiven Störungen bleiben. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass sie reversibel sind, so die Ärztin. "Je früher die Schädigungen eintreten, desto höher ist das Risiko, dass die Schäden nicht reversibel sind."

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