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StartseiteUmwelt und VerbraucherDeutsche sehen Plastikmüll als größtes Umweltproblem06.07.2018

Studie zu NaturbewusstseinDeutsche sehen Plastikmüll als größtes Umweltproblem

Der Verlust von Tier- und Pflanzenarten, Verschmutzung durch Erdöl und allen voran: Plastikmüll - das sind die drängendsten Probleme, die die Deutschen laut einer Studie zum Naturbewusstsein sehen. Dabei gibt es große Unterschiede je nach Alter und Gesellschaftsschicht.

Von Dieter Nürnberger

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Auf dem Foto ist der Strand der unbewohnten Henderson-Insel zu sehen - verschmutzt durch angeschwemmten Plastikmüll. (dpa/picture alliance/ Jennifer Lavers)
Bilder von Stränden, die aussehen wie Mülldeponien, sind zum Symbolbild für den schlechten Zustand der Meere geworden, sagt Umweltministerin Svenja Schulze (dpa/picture alliance/ Jennifer Lavers)
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Die Naturbewusstseinsstudie wird seit 2009 alle zwei Jahre veröffentlicht. Und sie setzt auch stets Schwerpunkte: In der soeben in Berlin vorgestellten Studie steht diesmal der Meeresschutz und Fragen der Agrogentechnik im Vordergrund.

Beginnen wir mit den Einstellungen der Deutschen zum Schutz der Meere und auch der biologischen Vielfalt in den Ozeanen: Da sind schon die Meinungen unter den mehr als 2.000 Befragten, die per Zufallsprinzip ausgewählt wurden, recht eindeutig: Der Verlust von Tier- und Pflanzenarten in den Meeren wird von rund zwei Dritteln der Befragten als großes Problem angesehen, über 70 Prozent betonen die Gefahr der Verschmutzungen durch Erdöl und den höchsten Wert in dieser Kategorie hat inzwischen das Umweltproblem Plastikmüll. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD):

"Jeder von Ihnen kennt inzwischen die schrecklichen Bilder von Plastikstrudeln im Meer. Von kilometerlangen Stränden, die inzwischen aussehen wie eine Mülldeponie. Oder auch die Fotos von Vögeln, die verenden, weil sie Plastikteile gefressen haben. Das ist inzwischen wirklich ein Symbolbild für den schlechten Zustand unserer Meere geworden. So wie das früher vielleicht mal der schwarzverklebten Seevogel war beim Öl."  

Unterschiede in den gesellschaftlichen Gruppen

Präsentiert wurde die statistische Erhebung vom Umweltministerium und auch vom Bundesamt für Naturschutz. Hier sieht man die hohen Werte beim Naturschutzbewusstsein natürlich erst einmal positiv, auch als Ansporn für die eigene politische Arbeit. Doch grundsätzlich zeigt die Studie eben auch einige Unterschiede auf. Beispielsweise zwischen den Altersklassen: Bei den 18 bis 29-Jährigen gibt es deutlich schwächere Werte und Naturschutzüberzeugungen. Und solche Tendenzen gibt es auch innerhalb unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, so Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz:

"Beispielsweise sehen sich nur knapp 40 Prozent der Menschen in sozial schlechter gestellten Verhältnissen persönlich für den Schutz der biologischen Vielfalt verantwortlich. Bei Menschen mit hohem Bildungsgrad und hohem Einkommen sind es 61 Prozent, die ein ausgeprägtes Naturbewusstsein aufweisen. Das ist ein deutlicher Unterschied." 

Der zweite Schwerpunkt der Studie betrifft den Bereich Agrogentechnik. Die Mehrheit spricht sich hier gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft aus. Knapp 80 Prozent sind für ein Verbot. Und weit über 90 Prozent fordern, dass mögliche Auswirkungen auf die Natur stets auch untersucht werden müssten. Bundesumweltministerin Schulze über diese Erwartungen und die derzeitige Umsetzung in der Politik.

Kennzeichnung im Handel befürworten 93 Prozent

"Tatsächlich werden in Deutschland seit 2012 keine gentechnisch veränderten Pflanzen mehr angebaut. Als Bundesumweltministerin setze ich mich dafür ein, dass das auch in Zukunft so bleibt. Die Europäische Union räumt den Mitgliedsstaaten das Recht ein, nationale Anbauverbote oder Anbaubeschränkungen von gentechnisch veränderten Organismen zu erlassen. Selbst wenn die also auf der EU-Ebene zugelassen sind. Diese EU-Richtlinie ist in Deutschland noch nicht in nationales Recht umgesetzt worden. Der Gesetzentwurf hierzu ist in der vergangenen Legislaturperiode gescheitert."  

Im jüngsten Koalitionsvertrag zwischen der Union und der SPD ist festgeschrieben, ein solches Anbauverbot bundesweit einheitlich zu regeln. Und hier ist nun das federführende Bundeslandwirtschaftsministerium erst einmal gefordert. Dass es aber innerhalb der Bundesregierung bei diesem Punkt auch unterschiedliche Standpunkte geben kann, ist bekannt. Da muss der Gesetzentwurf abgewartet werden. Bundesumweltministerin Svenja Schulze legte sich heute zumindest politisch fest, dass für sie die Kennzeichnung im Bereich Agrogentechnik klar - und für die Verbraucher verständlich und transparent - sein muss.

Und eine solche Kennzeichnung im Handel würden dann auch von 93 Prozent der Befragten befürworten. Auch das ist ein Ergebnis der Naturbewusstseinsstudie.    

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