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StartseiteKommentare und Themen der WocheDeutschland braucht nicht irgendeine Zuwanderung12.02.2019

Studie zum FachkräftemangelDeutschland braucht nicht irgendeine Zuwanderung

Dass Deutschland für seinen Arbeitskräftebedarf in den nächsten 40 Jahren jährlich mindestens 260.000 Einwanderer benötige, sei alarmierend, kommentiert Klemens Kindermann. Um das Problem zu lösen, brauche es aber nicht irgendeine Zuwanderung, sondern eine Strategie. Diese lasse die Bundesregierung bisher vermissen.

Von Klemens Kindermann

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Drei junge Flüchtlinge arbeiten im Ausbildungszentrum der Siemens Professional Education in Leipzig an der Verdrahtung eines Schaltschranks.  (dpa / Monika Skolimowska)
Junge Flüchtlinge lernen die Grundlagen der Elektrotechnik in einer Siemens-Förderklasse (dpa / Monika Skolimowska)
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Eigentlich hätte die Bertelsmann-Stiftung ihre Studie ein paar Tage früher veröffentlichen müssen. Denn sie wäre ideal gewesen, um CDU und SPD vor ihren gerade vorgenommenen Neupositionierungen zu den Themen Migration und Sozialstaat den Spiegel vorzuhalten: Nicht der Blick in die Vergangenheit ist entscheidend, sondern der in die Zukunft. Nicht die Aufarbeitung der Flüchtlingskrise und auch nicht das Abarbeiten an Hartz IV helfen wirklich weiter, wenn es um die Zukunft des Standorts Deutschland geht.

Mangel in immer mehr Bereichen

Es ist die alternde Gesellschaft, die unsere Wirtschaft in eine Situation bringen könnte, gegen die die letzte Finanzkrise nur ein Spaziergang war. Dass das Angebot an Arbeitskräften ohne Migration bis zum Jahr 2060 um rund 16 Millionen Personen - also um fast ein Drittel – schrumpfen wird, ist alarmierend. Deutlich sichtbar sind die Effekte, die die Studie beschreibt, schon jetzt: Überall in den Unternehmen ist der Bedarf an Fachkräften mit Händen zu greifen.

Längst fehlen nicht nur die berühmten IT-Spezialisten, die Ärzte und Wissenschaftler. Der Mangel hat übergegriffen auf Pflege, Handwerk, Logistik und Verkehr: Bald werden auch die Brummifahrer knapp, die jetzt noch die Früchte des Wirtschaftsbooms über Deutschlands Straßen steuern. Auch in der Landwirtschaft zeichnet sich eine deutliche Überalterung ab. Ab 2025 wird es langsam kritisch: Dann gehen die Baby-Boomer in Rente. Das ist nicht mehr lange hin.

Einwanderungsgesetz reicht nicht

Richtig ist, dass die Bundesregierung ein Einwanderungsgesetz auf den Weg gebracht hat, das allerdings erst im Mai den Bundestag passiert haben wird. Lob dennoch dafür! Aber reicht es aus? Auf keinen Fall. Denn mit dem abklingenden Wirtschaftsaufschwung wird Deutschland für Zuwanderinnen und Zuwanderer auch weniger interessant werden. Deutsch ist keine einfache Sprache und andere Länder werben schon seit Jahren massiv gut Qualifizierte an.

Das muss Deutschland auch tun, und zwar offensiv. Dafür braucht es eine Strategie, die die Bundesregierung bisher vermissen lässt. Deutschland braucht nicht irgendeine Zuwanderung, sondern Techniker, Akademiker und Fachkräfte, deren im Ausland erworbene Qualifikationen keine Fantasieprodukte sind, sondern die mit denen in Deutschland vergleichbar sein müssen.

Kaum ein deutsches Unternehmen dürfte den jähen Umbruch, den die Digitalisierung fordert, ohne noch besser ausgebildete Beschäftigte überstehen. Hoffentlich kommt diese dringende Zukunfts-Botschaft bei CDU und SPD noch an – auch nach den Nabelschauen vom letzten Wochenende.

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

 

 

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