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StartseiteKultur heuteGroßer Andrang, schlechte Jobaussichten20.05.2019

Studie zum Opernnachwuchs in DeutschlandGroßer Andrang, schlechte Jobaussichten

Wer sich heute in Deutschland zum Opernsänger ausbilden lässt, hat schlechte Chancen auf einen Job. Laut einer Studie stehen einem sinkenden Bedarf stark wachsende Studierenden-Zahlen gegenüber. Opernexperte Jörn Florian Fuchs fordert im Dlf, das Spektrum des Gesangsstudiums zu verbreitern.

Jörn Florian Fuchs im Gespräch mit Mascha Drost

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Auf der Bühne ist ein Ball zusehen, bei dem ein Paar glücklich seine gefassten Hände nach oben reißt. (Met Opera / Marty Sohl)
Diana Damrau und Juan Diego Flórez in "La Traviata" an der Met Opera 2018 (Met Opera / Marty Sohl)
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Die Studie des Berliner Instituts für Kultur und Medienwissenschaft ist 200 Seiten dick und voller Details. Von den zahlreichen Sängerinnen und Sängern, die gebeten wurden, einen Fragebogen auszufüllen, antworteten zwar weniger als zehn Prozent. Die Studie sei also nicht wirklich repräsentativ, erklärt Jörn Florian Fuchs. Trotzdem sei der Trend klar erkennbar, und die Studie liefere erschreckende Zahlen.

So seien die Stellen für Solistinnen und Solisten an einem der achtzig Opernensembles in Deutschland zwischen 2001 und 2016 um ein Fünftel weniger geworden. Gleichzeitig hätten die 24 Musikhochschulen 63 Prozent mehr Gesangsstudentinnen und -studenten verzeichnet.

Ensemblekultur wird weniger gepflegt

Den Grund für den Rückgang an festen Stellen sieht Fuchs im Spardruck, unter dem die Opernhäuser stehen. Außerdem wollten die Opern flexibel bleiben und arbeiteten oft mit Gästen oder freien Kräften. Die Ensemblekultur werde folglich deutlich weniger gepflegt als früher.

Eine Lösung könnte sein, dass China, wo derzeit viele neue Opernhäuser entstehen, deutsche Sängerinnen und Sänger "importierten". Außerdem hält Jörn Florian Fuchs Veränderungen in der Gesangsausbildung der Hochschulen für nötig. So müsse das Spektrum des Studiums erweitert werden, indem auch Akzente bei der Neuen Musik, Performance oder Crossover gesetzt werden.

Insgesamt würden zu viele Frauen für "leichten Sopran" ausgebildet. Gefragt seien dagegen eher die schwereren Stimmen. Hier gehe die Ausbildung an der Nachfrage vorbei. 

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