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StartseiteCampus & KarriereStudierengebühren als Abschreckung28.07.2006

Studierengebühren als Abschreckung

Immer weniger Studenten aus sozial schwachen Schichten an britischen Unis

Mittlerweile jeder Sechste bricht in Großbritannien sein Studium vorzeitig ab - weil er die hohen Studiengebühren nicht mehr aufbringen kann, oder einfach aus Angst, sich zu verschulden. Die hohe Abbruchquote soll durch neue Stipendien für die einkommensschwachsten Studenten verringert werden. Ob dies gelingen wird, ist allerdings fraglich.

Von Ruth Rach

Studenten sitzen am 25. Januar 2005 während einer Vorlesung in einem Hörsaal der Technischen Universität in München (AP)
Studenten sitzen am 25. Januar 2005 während einer Vorlesung in einem Hörsaal der Technischen Universität in München (AP)

Jason ist erleichtert. Sein Examen ist vorbei. Jetzt ist er frischgebackener Betriebswirt. Jason ist 24 - relativ alt für einen Studenten in Großbritannien. Zweimal hat Jason sein Studium unterbrochen:

"Die Leute brechen ab, weil die Uni anders ist als erwartet. Manche erleben einen regelrechten Kulturschock. Viele geraten unter finanziellen Druck, wenn sie von daheim ausziehen und sich unabhängig machen."

In Jasons Familie war noch nie jemand an der Universität. Jason ist afrokaribischer Herkunft, in einem sozialen Brennpunkt aufgewachsen. LauStatistik haben Jugendliche mit seinem Hintergrund in Großbritannien die schlechtesten Karten:

"Ich studierte zwei Hauptfächer, und hatte von Anfang an Schwierigkeiten, das unter einen Hut zu bekommen. Niemand hat mich beraten, ich hatte wenig Kontakt zu den anderen Studenten, weil ich in jeder freien Minute arbeiten ging. Das Geld war knapp. Während der Woche schob ich Nachtschichten im Supermarkt. Das wuchs mir über den Kopf."

Jason hatte Angst davor, sich immer tiefer zu verschulden. Zweimal setzte er aus, um voll zu arbeiten. Sein Leben neu zu überdenken, und genug Geld zu sparen, um das Studium letztlich doch durchzuziehen.

Vor knapp 10 Jahren führten englische Universitäten Studiengebühren ein: 1175 Pfund, Umgerechnet 1700 Euro pro Jahr. Bis dahin hatte der Staat die Kosten übernommen. Es war eine umstrittene Entscheidung. Denn die Labour Partei brach damit ihr eigenes Wahlversprechen.

Ab Herbst müssen Studenten noch tiefer in die Tasche greifen: die Gebühren werden auf 3000 Pfund pro Jahr erhöht, das sind 4500 Euro. Gleichzeitig bekräftigte Premierminister Tony Blair sein Ziel, die Hälfte aller 18- bis 30-Jährigen an Hochschulen zu bringen.

"Das ist doch ein Widerspruch", sagt Jamila, 21, die vor kurzem ihren Abschluss machte. Jamilia wohnte während ihres Studiums zuhause und arbeitete Teilzeit. Wären die Gebühren damals schon so hoch gewesen, hätte Jamilia - so sagt sie - wahrscheinlich überhaupt nicht studiert.

Tatsächlich ist die Zahl der Studienbewerber aus einkommensschwachen Schichten gefallen, sagt Gemma Tumelty vom nationalen Studentenverband "NUS". Sie selbst habe nach einem vierjährigen Studium in Liverpool Schulden von umgerechnet 27.000 Euro:

Studiengebühren sind eine echte Abschreckung. Junge Leute haben Angst, sich zu verschulden. Sobald Hochschulabsolventen mehr als 15.000 Pfund im Jahr verdienen, rund 1800 Euro im Monat, müssen sie anfangen, das Geld zurückzuzahlen. Das hat finanzielle und soziale Langzeitwirkungen: sie können zum Beispiel nicht in die Pensionskasse einzahlen. Und Universitäten bleiben weiterhin die Domäne der Mittel- und Oberschicht.

Laut jüngsten Erhebungen bricht jeder sechste Student in Großbritannien sein Studium vorzeitig ab. An den neuen Universitäten, die vor allem von Studierenden aus benachteiligten Schichten besucht wird, liegt die Quote deutlich höher.

Dessen ungeachtet blickt der für höhere Bildung zuständige Minister Bill Rammell optimistisch in die Zukunft:

"Ab Herbst werden neue Stipendien für die allerbedürftigsten Studenten eingeführt. Das wird sich positiv auf Bewerberzahlen auswirken. Ausserdem besteht kein Grund zur Panik: Im Vergleich mit anderen Industrieländern, hat Großbritannien immer noch eine ausgesprochen niedrige Abbruchsrate."

Kritiker bezweifeln, dass es der britischen Regierung gelingen wird, 50 Prozent der unter 30-Jährigen an Hochschulen zu bringen. Bislang bleibt die Quote härtnäckig bei rund 40 Prozent stecken, Studenten aus einkommensstarken Familien sind überproportional vertreten. Daran hat sich in der Labour-Ära nichts geändert - trotz anders lautender Beteuerungen.

Lediglich in Schottland ist die Zahl der Bewerber gestiegen. Dort herrschen andere Bestimmungen. Schottische Studenten sind - bislang jedenfalls - von den Studiengebühren befreit.

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