Montag, 09.12.2019
 
Seit 14:10 Uhr Deutschland heute

LesungStudio LCB

Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 522.10.2019 19:30 Uhr, Berlin
(Deutschlandradio)

Lesung: Simon Werle

Gesprächspartner: Walburga Hülk, Heinz Schlaffer

Moderation: Katharina Teutsch

Baudelaire gilt heute als Begründer der modernen Großstadtpoesie und als Prototyp des modernen Dichters. Während Flaubert von seinem Zensurprozess gegen Madame Bovary profitierte und bald in den höchsten Gesellschaftskreisen verkehrte, blieb Baudelaire wegen seines vermeintlichen "Immoralismus" ein Außenseiter. Der glühende Revolutionär gehörte zum poetischen Prekariat des Zweiten Kaiserreichs. Und er schrieb über prekäre Existenzen: über Trinker, Bettler, Huren und Tagelöhner. Simon Werle hat nach den ‚Fleur du Mal‘ nun auch Baudelaires zweite große Gedichtsammlung neu übersetzt. Der ‚Spleen de Paris‘ steht im Zentrum dieses Abends. Frankreich unter Napoléon III war zwischen restaurativen und modernisierenden Kräften gespalten. Unzählige Pariser hatten durch den Hausmannschen Kahlschlag ihr Zuhause verloren. Während die Monarchie sich in glanzvollem Retrochic präsentierte, hatte die Gesellschaft mit allen möglichen Modernisierungsschüben zu kämpfen. Neue Eisenbahnlinien zerschnitten das Land. Außerhalb Frankreichs nahm das koloniale Wettrüsten seinen Lauf. Die Börsenspekulation und der großstädtische Konsum, aber auch das Elend der Grubenarbeiter prägen die Jahrzehnte im zweiten Kaiserreich. Fortschritt, das hat Baudelaire geschrieben, sei die "Abnahme der Seele und die Zunahme der Materie".

Mit Simon Werle diskutieren die Literatur- und Kulturwissenschaftler Heinz Schlaffer und Walburga Hülk.

Sendungen:
26. Oktober 2019, 20.05 Uhr, Deutschlandfunk
27. Oktober 2019, 0.05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

Programmtipps

Der Pianist Lars Vogt sitzt an einem Flügel (Giorgia Bertazzi)
Lars Vogt spielt BrahmsMusizieren auf Vertrauensbasis
Musik-Panorama 09.12.2019 | 21:05 Uhr

Klavierkonzerte von Mozart oder Beethoven ohne Dirigent zu spielen, das funktioniert oft sehr gut. Wie sieht es aber mit den komplexen Klavierkonzerten von Johannes Brahms aus? Lars Vogt und die Royal Northern Sinfonia haben das Experiment gewagt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk