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StartseiteDeutschland heuteZu Besuch beim Deutschen Wetterdienst09.01.2015

Sturm über DeutschlandZu Besuch beim Deutschen Wetterdienst

Extreme Unwetter, Überschwemmungen und an der Küste Windböen der Stärke elf: Wenn über Deutschland ein Sturmtief tobt, dann hat der Deutsche Wetterdienst alle Hände voll zu tun. Denn dann klingelt das Telefon ununterbrochen. Doch nicht nur TV- und Radiostationen wollen wissen, wie sich das Wetter in den nächsten Stunden und Tagen entwickelt.

Von Axel Schröder

Passanten trotzen am 09.01.2015 in Dagebüll (Schleswig-Holstein) am Nordseedeich dem Sturm. Gleich zwei Orkanausläufer werden an diesem Wochenende den Norden streifen. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)
DWD: Wetterlage ist nicht dramatisch, aber besonders. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)
Weiterführende Information

Sturmschäden - Ohne Haftpflicht droht das Existenz-Aus
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 09.01.2015)

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(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 19.12.2014)

Dicke Regentropfen rinnen die Fensterscheiben herunter, draußen verschwimmt die Silhouette der Hamburger Landungsbrücken, des Hafens unter schweren, grauen Regenwolken. In der Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes am Elbhang herrscht routinierter Alltagsbetrieb. Acht Meteorologen sind versammelt, pünktlich um 8.30 Uhr beginnt die tägliche Telefonkonferenz aller sieben Standorte:

"Schönen guten Morgen aus der Zentralen Vorhersage in Offenbach. Jens Winninghof am Telefon. Wen darf ich in Hamburg begrüßen?" – "Hier ist Robert Scholz. Guten Morgen zusammen!" – "Grüß dich! Dann Potsdam? "

Zusammengeschaltet sind die sechs Regionalzentralen Hamburg, Leipzig, Essen, München, Stuttgart und Potsdam mit dem Hauptsitz des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Alle Standorte gleichen ihre Vorhersagen miteinander ab. Auf den Computermonitoren ist die Nordseeküste rot markiert, der Brocken sogar violett. An diesen Orten werden schwere Sturm- und Orkanböen erwartet:

"Und zwar haben wir es aktuell mit einer Sturmtiefentwicklung nördlich von Schottland zu tun. Dieses Tief kann sich im Tagesverlauf anfangs noch ein bisschen vertiefen."

Nicht dramatisch, aber besonders

Eine halbe Stunde lang tauschen sich die Experten aus. Alle sind sich einig: Die derzeitige Wetterlage ist nicht dramatisch, aber besonders, so Wolfgang Seifert, der Leiter des DWDs in Hamburg:

"Die Dauer dieser Sturmlage, also bis zum Sonntag, über drei Tage, das ist relativ selten. Das haben wir nicht jedes Jahr. Das passiert vielleicht alle fünf bis sechs Jahre mal. Das ist schon selten."

Und wegen der Heftigkeit der Sturmböen hat der Wetterdienst für die kommenden Tage seine Unwetterwarnungen herausgegeben:

"Wir haben eine rausgegeben. Und zwar für die nordfriesische und ostfriesische Küste und auch für die Ostseeküste. Weil wir dort mit Böen elf rechnen, der Stärke Beaufort elf. Und das ist für uns das untere Kriterium für Unwetter."

Nur die Mitte Deutschlands bleibt verschont

Die Mitte Deutschlands bleibt von den Unwettern verschont. Der Süden, das Alpenvorland und das östliche Baden-Württemberg sind aber den Karten der Meteorologen aber rot bis violett markiert: Unwetter, teilweise extreme Unwetter können dort auftreten.

Auf Waldspaziergänge sollte man in diesen Gebieten deshalb verzichten. Baustellengerüste könnten umgeweht, alte Dachpfannen weggerissen werden, so Wolfgang Seifert. Sein Kollege Robert Scholz behält die vielen Monitore im Blick. Abgebildet wird die Zugbahn des Sturmtiefs, die Niederschlagsmengen, Gewittergebiete und Blitzschläge. Robert Scholz leitet die heutige Schicht, steht bereit für die vielen Telefonanrufe aus der ganzen Republik:

"Wir haben ja zwei Telefone da drüben. Und gestern war es so, dass das eine schon klingelte, während ich noch auf dem anderen gesprochen habe. Und dann muss man zusehen. Denn meistens rufen Feuerwehren an, Katastrophenstäbe, die beraten werden wollen.
Für die Feuerwehren ist wichtig: Müssen wir ein paar Leute zurückhalten, weil, wenn wir die am Wochenende nach Hause schicken, dann können wir die nicht wieder so schnell reaktivieren. Und deshalb ist es wichtig, dass man sich schon ein, zwei Tage vorher rauf vorbereitet und dann wollen natürlich alle im Detail wissen: Wie schaut's aus, wann kommt der Höhepunkt, wann kommt der stärkste Strom und wann nimmt es wieder ein bisschen ab?"

"Da muss man auch demütig sein"

Derzeit wütet Sturmtief "Elon", morgen folgt ihm "Felix". Von Sonnabend auf Sonntag werden Wasserstände von zwei Meter über dem mittleren Hochwasser erwartet. Die Halligen werden dann wieder Land unter melden.
Bedrohlicher als die Sturmflut sind aber dieses Mal die Windgeschwindigkeiten und der Dauerregen, vor allem im Harz, erklärt Wolfgang Seifert vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg. Erst am Montag beruhigt sich das Wetter wieder. Bis dahin bleiben in Meteorologen wachsam und warnen im Zweifel lieber ein bisschen eindringlicher als nötig:

"Ich sage immer: Da muss man auch demütig sein. Mit der Natur ist nicht zu spaßen. Da gibt es kein Pillepalle. Alles kann viel böser werden als wir im Moment sehen. Es könnte noch irgendein ozeanografischer Effekt reinkommen. Nein, nein: Diese Situationen sind kritisch. Auch wenn wir glauben, dass wir sie im Griff haben. Aber wir müssen jetzt schon hübsch aufpassen."

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