Reisebeschränkungen für SüdafrikaEin gefährliches Signal

Nach der Entdeckung der Omikron-Variante in Südafrika, zeige der Westen einmal mehr, dass eine Partnerschaft auf Augenhöhe nur eine Worthülse sei, kommentiert Deutsche Welle-Korrespondent Adrian Kriesch. Die Reiserestriktionen sendeten zudem das Signal, dass sich Transparenz nicht lohne.

Ein Kommentar von Adrian Kriesch | 04.12.2021

Coronatest-Kontrollen am Flughafen
Für viele Südafrikaner ein Dé­jà-vu - wie schon beid er Beta-Variante werden nun wieder Reisebeschränkungen gegen das Land verhängt. (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
Wer solidarisch handelt und transparent ist, hat das Nachsehen! Für viele Südafrikaner war die vergangene Woche wie ein Deja Vu. Vor einem Jahr hatten südafrikanische Wissenschaftler die Beta-Variante entdeckt – es folgten massive Restriktionen: Südafrikaner durften in viele Länder nicht mehr einreisen – und die Zahl der Touristen in Südafrika ging rapide zurück. Jetzt entdecken Wissenschaftler Omikron – und die Welt reagiert mit denselben Reflexen. Trotz Impfstoffen. Trotz einem Bruchteil der Inzidenz im Vergleich zu Deutschland.

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Und natürlich fragen sich viele in Südafrika zu Recht: hätten diese Länder genauso schnell, entschlossen und hart reagiert, wenn europäische oder amerikanische Wissenschaftler die Variante entdeckt hätten? Unwahrscheinlich. Sehr unwahrscheinlich.
„Die Welt sollte uns jetzt unterstützen, statt uns auszugrenzen“, warnen Forscher in Südafrika. Und Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa kann zu Recht nicht verstehen, warum sich so viele Länder nicht an die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation halten – und in kürzester Zeit erneut Chaos auslösen.
Der Tankwart mit Mütze trägt eine rote Jacke und stellt den Schaukasten gearde auf. im Hintergrund eine weitere Person.
Vor Omikron war endlich wieder wieder etwas Normalität eingekehrt in Südafrika (Denis Farrell/AP/dpa)

Dé­jà-vu vor Beginn der Hauptreisezeit

Ein Chaos, das jetzt zehntausende Südafrikaner ausbaden müssen – wie vor einem Jahr bei der Beta-Entdeckung. Der Tourismussektor bricht zusammen – genau zum Beginn des Sommers, der Hauptreisezeit. Dabei war in den vergangenen zwei Monaten gerade erst wieder etwas Normalität eingekehrt – etwa in Kapstadt bei niedrigen Inzidenzen. Hotels und Restaurants füllten sich wieder, Touristen strömten ins Land. Und nun – alle Hoffnung dahin. 
Die schon jetzt gruselige Arbeitslosenquote von 35 Prozent wird bald noch schlimmer aussehen. Und im Vergleich zu Deutschland kann sich der südafrikanische Staat keine großen Hilfspakete mehr leisten. Job weg bedeutet für viele hier nicht automatisch Arbeitslosengeld – sondern eher Hunger und Perspektivlosigkeit.
Die lobenden Worte aus dem Westen über die gute Arbeit der südafrikanischen Wissenschaftler ändern daran auch nichts. Dass Südafrika eine führende Nation in der Virenforschung ist – nicht zuletzt wegen der Erfahrung der HIV Pandemie – das ist schon lange klar. Die Wissenschaftler beklagen unterdessen, dass es wegen der reduzierten Flügen immer schwieriger wird, wichtige Chemikalien und Arbeitsmaterial ins Land zu bekommen.

Auch Südafrika hat Fehler gemacht

Selbstverständlich können auch hier viele nachvollziehen, dass Deutschland und andere Pandemie-geplagte Länder bei der aktuellen Lage im Norden vorsichtig sein wollen, kein Risiko eingehen wollen. Und selbstverständlich muss sich Südafrika auch an die eigene Nase fassen – auch hier wurden und werden bei der Corona-Strategie Fehler gemacht. Am Anfang der Pandemie war es Südafrika, das selbst monatelang die Grenzen zumachte. Und während der Rest des Kontinents noch immer viel zu wenig Impfdosen hat, ist das in Südafrika anders. Es gibt mittlerweile genug Impfstoff – aber kaum Nachfrage. Nur jeder vierte Südafrikaner ist bisher vollständig geimpft.
Trotzdem: Die Restriktionen sind ungerecht – und nicht effektiv. Das beweist die weltweite Omikron-Ausbreitung. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe – mal wieder zeigt die westliche Politik, dass das nur eine Worthülse ist, wenn es wirklich darauf ankommt. Dabei hätte es andere Möglichkeiten gegeben: Testpflicht vor dem Flug – auch für Geimpfte. Oder zumindest vorerst zeitlich begrenzte Restriktionen – die nicht für unbegrenzte Zeit für Unsicherheit und Massenstornierungen in der Touristikbranche sorgen.
Und natürlich müssen sich alle Verantwortlichen auch fragen: wie gehen sie zukünftig mit Mutationen um? Klar ist: Länder, die sie entdecken, dürfen nicht bestraft werden – genau das ist im Fall von Südafrika passiert. Und das ist ein gefährliches Signal an andere Länder, ein Signal das zeigt: Transparenz lohnt sich nicht.