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StartseiteCampus & KarriereGlukose – Belohnung fürs Hirn17.12.2018

Süßigkeiten im BüroGlukose – Belohnung fürs Hirn

Spekulatius, Dominosteine oder Schokolade – in vielen Büros gehören Süßigkeiten zum Alltag. Gerade in Stressphasen sind sie unter Kollegen beliebt. Ungesund sei das nicht unbedingt, sagen Wissenschaftler.

Von Astrid Wulf

Süßigkeiten, Kaffee und Kekse stehen am 17.01.2015 während eines Meetings in einem Büro in Berlin neben einem Laptop. Foto: Arno Burgi | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Süßigkeiten gehören zum Büroalltag. Bei Stress oder konzentriertem Arbeiten steigt der Bedarf des Gehirns nach Zucker. (dpa-Zentralbild)
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Bettina Hänsel arbeitet in der Grafik einer Online-Marketing-Agentur. Ihr Schreibtisch ist eine wahre Knabber- und Süßwarenabteilung:

"Ein paar Spekulatius, ein paar Kekse, ein paar Cashewkerne, und heute, weil Freitag ist, gibt es Rumkugeln."

Ohne ihren Zuckervorrat wäre sie völlig aufgeschmissen:

"Wenn ich arbeite, mich konzentriere, brauche ich immer was zu essen. Irgendwann hat es sich rumgesprochen, dass es hier Schokolade gibt."

"Aufputschen bevor es stressig wird"

Deswegen ist ihr Schreibtisch ein beliebter Treffpunkt in der Agentur. Die Gründe, warum die Kollegen hier zugreifen, sind ganz unterschiedlich: Anna Scholven nascht, bevor es stressig wird: 

"Bei mir ist es so: Wenn ich merke, jetzt wird etwas Anstrengendes kommen, dass ich dann eher zu etwas Süßem greife um mich aufzuputschen durch den Zucker. Wenn ich es geschafft habe danach, habe ich nicht so sehr das Verlangen."

Grafiker Tobias Schnoor belohnt sich eher damit:

"Nach besonders anstrengenden Telefonkonferenzen, um einmal runterzukommen – fünf Minuten vor die Tür gehen, eine Tafel Schokolade von den kleinen knacken, und wieder neue Energie zu tanken."

"Das Hirn liebt Glukose"

Hinter dem Verlangen nach Zucker steckt unser Gehirn, sagt Achim Peters, Diabetologe und Forscher an der Lübecker Uni. Es braucht den Zucker, um zu funktionieren – im Stress, oder, wenn wir uns länger konzentrieren, steigt der Bedarf. Dann kann der Heißhunger kommen: Zum Beispiel auf Brot, Bananen, Kuchen oder Schokokekse.

Das Hirn liebt Glukose. Und wenn man was Süßes isst, ist auf jeden Fall Glukose drin. Das Hirn bedankt sich auch dafür, wenn sein Bedarf gedeckt wird, indem es den Menschen mit einem guten Gefühl belohnt. Damit das Gehirn seine Energie bekommt, wirft es sozusagen die Köderangel aus, und sagt: Du kriegst eine schöne Belohnung, wenn du mich hier oben sattmachst.

Wer beim Naschen im Büro ein schlechtes Gewissen hat, kann sich entspannen, sagt der Diabetologe. Weil:

"Wer ein gutes Leben hat an diesem Arbeitsplatz, der ist davor geschützt, dick oder dünn zu werden. Das Hirn reguliert das sehr fein, und wenn man mal ein bisschen mehr isst, ist man 3-4 Stunden später zum Abendbrot weniger – oder zum Frühstück – irgendwo spart man es wieder ein."

Bei ständiger Überforderung oder Mobbing zum Beispiel allerdings gerät der Stoffwechsel Peters Forschungen zufolge aus dem Gleichgewicht. Das Hirn läuft dann permanent auf Hochtouren und verlangt ständig nach Zucker. Die einen können gar nicht gegenanessen und nehmen ab. Die anderen gewöhnen sich an die Dauerbelastung, stumpfen sozusagen ab – und werden dick. 

Wer sich und sein Gehirn hingegen für den ganz normalen, täglichen Bürowahnsinn wappnen will, sollte auch darauf achten, genug zu trinken, sagt Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale. Zudem helfen bestimmte Nahrungsmittel, sich zu konzentrieren und auch im Stress entspannt zu bleiben:

Nüsse und Trockenfrüchte als Alternative

"Als gesunde Alternative zu Plätzchen und Schokolade bieten sich zum Beispiel Nüsse und Trockenfrüchte an. Zwar haben sie ähnlich viele Kalorien und Zucker, sie liefern aber noch wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiß und ungesättigte Fettsäuren."

Auch Haferflocken sind ein wahres Brainfood. Das Getreide ist gut für die Nerven und macht auch das Gehirn satt. Egal, ob im Müsli, mit Joghurt oder mit Trockenfrüchten und Öl zu Energyballs, also zu kleinen Kugeln geformt. 

Nichtsdestotrotz sind Zucker- und Fettbomben in vielen Büros allgegenwärtig: Vom Geburtstagskuchen über die Pantryküche, wo immer Schokokekse rumliegen bis zur Kollegin, die immer Schokolade parat hat. Wollen Kollegen auf der Arbeit gemeinsam den Zuckerkonsum runterschrauben, kann es helfen, sich abzusprechen: 

"Dann kann man Regeln finden, dass man sagt: Gestern haben wir genascht, heute ist das Obst dran, und morgen vielleicht die Nüsse, und dann mal wieder die Kekse. Wenn alle mitziehen, fällt es in der Regel leichter, als wenn man das alleine durchziehen muss", so Köster.

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