Montag, 26.08.2019
 
Seit 12:30 Uhr Nachrichten
StartseiteAus Religion und GesellschaftDie Welt als Karawanserei01.02.2017

Sufismus in SüdasienDie Welt als Karawanserei

Der mystische Islam gilt als Gegenentwurf zu extrem-orthodoxen Strömungen. Besonders die Sufis faszinieren: ihre Enthaltsamkeit, ihre Musik, ihre Tänze und poetischen Texte. Das zieht an - sowohl Muslime als auch Nicht-Muslime. Der indische Subkontinent ist besonders stark geprägt vom Sufismus. Es waren Sufis, die den Islam nach Indien gebracht haben.

Von Margarete Blümel

Ein pakistanischer Muslim beim Data Ganj Bakhsh Festival in Lahore, benannt nach einem Sufi aus dem 11. Jahrhundert (imago/ZUMA Press)
Ein pakistanischer Muslim beim Data Ganj Bakhsh Festival in Lahore, benannt nach einem Sufi aus dem 11. Jahrhundert (imago/ZUMA Press)
Mehr zum Thema

Der Sufismus Südasiens etwas anderer Islam

Islam und Musik Didgeridoos im Sufismus

Orientalische Längsflöte Der Klang der Sufis

Die singenden Sufis Ein Orden des mystischen Islams

Der Mystiker Rumi "Wo die Liebe ist, gibt es kein Ich"

Der persische Mystiker Rumi In Harmonie mit sich selbst und dem Universum

"Den falschen Sufi erkennt man daran, dass er an diesseitigen Gütern reich ist, nachdem er arm war, groß, nachdem er gering war, wohlbekannt, nachdem er verborgen war."

"Den ehrlichen Sufi erkennt man daran, dass er arm ist, nachdem er reich war, gering, nachdem er groß war, verborgen, nachdem er wohlbekannt war."

"Sufi ist, wer sein Leben für vogelfrei und sein Gut für herrenlos ansieht. Sufitum ist bei Gott sitzen - ohne jede Sorge."

Nordost-Pakistan, Lahore, die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Sonne versucht immer wieder, doch noch ein paar Strahlen durch die Smog-Decke zu schleusen. Aber an diesem Morgen soll es wohl nicht sein. Die beiden Sufi-Anhänger, die vor dem Schrein von Data Ganj Bakhsh übernachtet haben, schlingen ihre Wolldecken fester um ihre Schultern und ziehen ihre Haschisch-Vorräte aus den Hosentaschen. Kurz darauf glimmt eine Pfeife.

Sufi-Schreine besuchen, um Gott nahe zu sein

Ein älterer Mann in langen, weiten Beinkleidern schlurft mit einem Besen heran und beginnt, die Stufen zu fegen, die zum Eingang des Data-Ganj-Bakhsh-Schreins führen. Der Dichter, Theologe und Mystiker Data Ganj Bakhsh war vor 1.000 Jahren maßgeblich beteiligt an der Verbreitung des Islams in Südasien verantwortlich. Dann betritt ein zerlumpter Bettler die Szene. Er erkennt, dass hier nichts für ihn abfällt und nimmt die Krücken wieder auf, um sein Glück woanders zu versuchen.

(Jürgen Webermann)Sufi-Schrein im pakistanischen Lahore mit Gläubigen (Jürgen Webermann)
Es ist kurz nach acht Uhr, morgens. Zehn, vielleicht auch elf Stunden noch, bis aus den Lautsprechern Qawwali-Musik erschallt. Dann wird die Schlange derer immer länger, die ins Innere des Sufi-Grabmals wollen.

"Sehr viele Menschen besuchen die Schreine, weil sie überzeugt sind, dass die Sufis Gott nahe sind. Sie erhoffen sich Erleichterung und Hilfe bei allen möglichen Problemen: etwa im Beruf oder in der Familie."

Orthodoxe betrachten Sufis mit Argusaugen

Professor Raziuddin Aquil ist Historiker an der Universität von Neu-Delhi. Was er beschreibt, klingt nach Ermutigung und Seelsorge - auf jeden Fall harmlos. Doch immer wieder werden Mausoleen wie diese attackiert von islamischen Hardlinern, die ein Zeichen setzen wollen gegen den Heiligenkult. Sie lehnen die Sufis ab, weil sie und ihre Anhänger beten, wo und wann es sie danach verlangt, ohne auf die im Islam vorgeschriebenen fünf Gebetszeiten Rücksicht zu nehmen. Und sie werfen den islamischen Mystikern Ketzerei und Frevel vor, weil sie ihre Gottesliebe auch durch Musik und Tanz zum Ausdruck bringen. Orthodoxe Muslime betrachten die unkonventionelle Lebensweise der Sufis als Affront und sehen ihre Popularität mit Argusaugen.

"Für ihre Anhänger dagegen sind Sufis Mittler zwischen ihnen und Allah. Mithilfe der Sufis können sie zu Gott vordringen und Hilfe erlangen. Und warum auch immer - in vielen Fällen hilft es ihnen."

Viele Menschen in Indien, Bangladesch und Pakistan sind arm. Jeder dritte Pakistaner kämpft Tag für Tag aufs Neue ums Überleben.

Sufis, davon ist der pakistanische Kulturwissenschaftler Yasser Nomann überzeugt, werden daher auf dem indischen Subkontinent auch in Zukunft von Bedeutung sein.

"Die Leute suchen Sufis aber auch deshalb auf, weil sie sich in ihrer Gegenwart wohl fühlen. Und das nicht zuletzt, weil die Sufi-Heiligen toleranter sind als viele andere Muslime, sie haben nichts Fundamentalistisches an sich und sind nicht orthodox."

Karawane mit Frieden und Einheit

Der orthodoxe Islam wird von vielen Muslimen in Pakistan und Bangladesch nicht mehr als einendes Band wahrgenommen. Wo der Staat wegschaut, wo Gesetzeshüter nicht eingreifen, wenn sunnitische Fundamentalisten Schiiten und Angehörige kleinerer muslimischer Strömungen attackieren, da regieren Angst und Misstrauen. Wo Intoleranz waltet und es immer schwieriger wird, als "guter Muslim" durchzugehen, ist ein Glaube, der für alle Menschen offen sein will, besonders attraktiv. Und Botschaften wie die des im Jahr 1111 verstorbenen Gelehrten und Mystikers Al Ghazali treffen viele Menschen ins Herz.

"Diese irdische Welt ist eine Karawanserei auf dem Weg zu Gott und alle Menschen finden sich in ihr zu Reisegenossen zusammen. Da sie aber alle nach demselben Ziele wandern und gleichsam eine Karawane bilden, müssen sie Frieden und Eintracht miteinander halten, einander helfen und ein jeder die Rechte der anderen achten."

"Jeder halbwegs gebildete Mensch hier weiß: Es waren die Sufis, die den Islam hierher gebracht haben. Das war ein praktizierter Islam. Es ging weniger um Worte oder Theorien, sondern darum, was die Sufis taten und wie sie sich verhielten."

Gerade Reiche sind besonders ausgehungert

Nicht nur in Pakistan und Bangladesch, auch in Indien, wenden sich Verzweifelte, Lebenshungrige oder Todgeweihte mit ihren Anliegen an wandernde Derwische oder an einen Pir, einen spirituellen Meister. Der Pir kann der Gründer eines Sufi-Ordens sein oder der Nachfolger eines vor langer Zeit verstorbenen Heiligen. Was den Pir auszeichnet, analysiert Professor Mohammed Hussain Rahashuddin, Islamwissenschaftler in Dakha, der Hauptstadt Bangladeschs:

"Der Pir meditiert regelmäßig und erwirbt spirituelle Vollkommenheit. Er bezeichnet sich nicht einmal als Pir. Die Menschen kommen von ganz allein zu ihm, um von ihm zu lernen."

Der Data Durbar Schrein in Lahore am frühen Abend. (Jügen Webermann)Der Data Durbar Schrein in Lahore am frühen Abend. (Jügen Webermann)

Dem Pir wohnt die spirituelle Kraft seiner Vorgänger inne, die von einem auf den anderen weitergegeben wird. Der Sufi-Meister spendet Schutz und Segen. Er ist Lehrer und Seelsorger – egal ob in Pakistan oder am Nizamuddin-Schrein in Indiens Hauptstadt, so der Historiker Raziuddin Aquil:

"Nicht nur einfache Menschen kommen zum Schrein des Heiligen Nizamuddin, hier im Zentrum Delhis, sondern auch wohlhabende Leute. Und gerade diese Reichen sind oft besonders ausgehungert. Ich weiß nicht, welche Sünden sie begangen haben, um zu ihrem Vermögen zu kommen. Jedenfalls sind viele von ihnen ziemlich unglücklich. Sie suchen spirituelle Zufriedenheit und kommen in den Schrein, lauschen der mystischen Musik und saugen die Atmosphäre in sich auf."

Mit Haschisch wird das Zimmer zur Moschee

Andere Menschen besuchen die Schreine auch einfach nur, um in Gesellschaft Gleichgesinnter Gott näher zu kommen und Haschisch zu konsumieren.

"Nehme ich Haschisch, wird mein Zimmer zur Moschee.

Dichtete der Sufi al-Yanbu’i vor etwa sechshundert Jahren. Islamische Mystiker halten Haschisch für eine "Seelendroge" - ein Mittel, das Ekstase auslöst, das mystische Erfahrungen intensiviert und den Suchenden mit Gott verbindet.

In Afghanistan etwa, wo der Sufismus ebenfalls viele Anhänger hat, gibt es sogar einen Schutzheiligen der Haschischkonsumenten – den aus dem Norden des Landes stammenden Sufi Baba Qu-yi Mastan.

Seit mehr als siebenhundert Jahren bedienen sich islamische Asketen  unterschiedlicher Rauschmittel. Das Ziel ist die "Sprengung des Ichs", der Zustand des Außer-Sich-Seins. Drogen sollen dabei helfen, sich aus den Fallstricken der irdischen Welt zu befreien. Haschisch, Opium oder auch Wein werden als Sinnbild der rauschhaft-trunkenen Liebe des Sufis zu Gott angesehen und in der mystischen Literatur des Islams immer wieder gepriesen.

Wenig schlafen, wenig essen, wenig reden

Um sich vom Irdischen zu lösen meditieren Sufis regelmäßig. Andere tanzen, bis sie in Trance verfallen, oder sie setzen auf Schlafentzug und langwährendes Fasten. Um ihren Hunger zu bezwingen, knabbern manche der Asketen zwischendurch an hölzernen Nachbildungen von Brotfladen. Auf diese Weise stählte schon der Sufi-Meister Sahl at-Tustari seinen Willen, nur das Allernotwendigste zu sich zu nehmen. Seinen Beschluss, lebenslang streng zu fasten, verewigte der Mystiker in einem Merksatz:

"Überflüssig ist alles, was ein Drittel einer normalen Tagesration überschreitet. Wer mehr isst, isst seine guten Taten auf."

Sagt Kumkum Srivastha aus Neu-Delhi. Wie viele andere Hindus auch fühlt sich die Geschichtsdozentin zum Sufismus hingezogen. Sie sucht so selbstverständlich Sufi-Schreine der Umgebung auf, wie sie in den Tempel geht.

"Einige Sufis praktizieren über einen Zeitraum von vierzig Tagen hinweg ausgesprochen rigorose Übungen. Manche stehen tagelang auf einem Bein. Oder sie schlafen auf dem Boden und benutzen einen Stein als Kopfkissen. Andere trinken den ganzen Tag über nichts, sprechen nicht mit Frauen oder sie verstummen ganz - um vierzig Tage lang mit niemandem zu reden."

Um sich ununterbrochen ihren religiösen Übungen hingeben zu können, streuen sich einige Sufis, wenn sie übermüdet sind, Chilipulver in die Augen. Andere binden ihre Haare an der Decke fest, um nur nicht in den Schlaf zu sinken.

Wenig schlafen, wenig essen, wenig reden – drei der Maßgaben, die das Leben eines Sufis bestimmen und durchdringen.

Ein Sufi, betont Professor Mohammed Hussain Rahashuddin, müsse sich in jeder Hinsicht kontrollieren - damit am Ende "der Spiegel des Herzens vom Rost des Irdischen befreit sei". 

"Sie müssen ihren Sexualtrieb unter Kontrolle bekommen, ihren Zorn im Zaum halten und ihre Gier bezwingen - all diese schädlichen Instinkte müssen ihrer Kontrolle unterliegen. Erst dann kann der Mensch seine ganze spirituelle Kraft entwickeln!"

Wanderderwische verbreiten die Lehre

Etwa hundert Jahre nach dem Tod des Propheten Mohammed, im frühen achten Jahrhundert, trat der Sufismus in Afghanistan, Iran und Mittelasien erstmals in Erscheinung. Wanderderwische verbreiteten die neue Lehre. Mit ihrem Bekenntnis zur Gleichwertigkeit aller Menschen zogen sie schon bald viele Menschen in ihren Bann. Nicht lange und der Sufismus hatte auf dem indischen Subkontinent Fuß gefasst.

"Die strenge, eher konventionelle Seite des Islams hilft den Menschen kaum. Anders als der Sufismus, der mystische Aspekt des Islams! Inzwischen gehen wohl mehr Menschen in den Schrein als in die Moschee."

Als muslimische Eroberer später die südasiatische Bühne betraten, konnten sie vom religiösen Ruhm und Ansehen ihrer Vorreiter zehren. Oder sie bedienten sich der Sufis und ihrer Bruderschaften, die manchmal mit den Eroberern kooperierten. Nicht jeder Sufi war so konsequent wie Nizam ud-Din Auliya, der sich einem Sultan mit den Worten verweigerte:

"Mein Zimmer hat zwei Türen. Wenn der Sultan durch die eine Tür kommt, gehe ich zur anderen hinaus."

Der Mevlevi-Derwisch-Orden geht auf Dschalaluddin Rumi zurück. Hier eine Illustration mit tanzenden Derwischen aus dem 17. Jahrhundert. (Imago/United Archives International)Der Mevlevi-Derwisch-Orden geht auf Dschalaluddin Rumi zurück. Hier eine Illustration mit tanzenden Derwischen aus dem 17. Jahrhundert. (Imago/United Archives International)

Und nicht alle Sufis waren unpolitisch oder friedlich. Über die Jahrhunderte hinweg haben sich etwa die Bektashi-Derwische an türkischen Eroberungszügen beteiligt. Der Senussi-Orden stellte in Libyen einstmals den König. Sufis samt Gefolgschaft machten vor allem den westlichen Kolonialherren immer wieder das Leben schwer. Sie verstanden sich als kriegerische Heilige, richteten sich gegen eine vermeintliche Überfremdung durch die westliche Zivilisation oder hielten sich für Kämpfer, die  - von Gott beseelt - den "reinen", den "wahren" Islam zu retten suchten.

Qawwali-Musik – Mystik und Ekstase

Das ficht heute niemanden mehr an. Der Sufismus gilt als Gegenentwurf zum allseits grassierenden Fundamentalismus. Mystik als Allheilmittel, Enthaltsamkeit als Faszinosum.

"Ich bin der mystische Wanderer, den man Qalandar nennt; ich habe weder ein Herdfeuer noch einen Konvent. Am Tage wandere ich durch die Welt und in der Nacht schlafe ich mit einem Ziegelstein unter meinem Kopf."

"Die Sufis sind bei uns inzwischen so beliebt, dass ihre Schreine für ihre Anhänger zu wichtigen Begegnungsstätten geworden sind. Und dann ist da natürlich auch noch die Quawwali-Musik. Auch wenn es wegen der Terror-Gefahr nicht mehr so viele Konzerte in den Schreinen gibt - das Qawwali spielte und spielt eine große Rolle. Diese mystische Musik hilft dabei, islamisches Gedankengut und die Botschaft der Sufis zu verbreiten."

Bei Konzerten der Qawwali-Musiker wird getanzt. Zuhörer brechen in Tränen aus. Einige Tänzer lassen sich zu Boden fallen und wälzen sich im Takt des Qawwali hin und her. Entrückt-Sein - das wird als Gottesgnade erlebt. Ein Geschenk, das auch dem 1826 verstorbenen Mystiker und Dichter Sachal Sarmast zuteilwurde. Von ihm heißt es, er sei durch die Qawwali-Musik und seinen eigenen Gesang so in Ekstase geraten, dass sein langes Haar am Ende aufrecht stand."

Einige junge Männer beginnen, sich in Trance zu tanzen (ARD / Jürgen Webermann)Sich in Trance zu tanzen und Entrückt-Sein - wird als Gottesgnade erlebt. (ARD / Jürgen Webermann)

Auch werden der Qawwali-Musik immer wieder magische Fähigkeiten zugeschrieben. Geisteskranke und Besessene, die an einer Qawwali-Vorführung teilgenommen haben, sollen allein durch die Spiritualität dieser Musik geheilt worden sein.

Heute von Fundamentalisten verfolgt

Viele Sufi-Anhänger sehnen sich nach der Zeit zurück, als sufistische Musiker und Poeten noch nicht um ihr Leben bangen mussten, wenn sie ihre Gedichte einer großen Menschenmenge vortrugen. Als die Künstler unter Jubelrufen und rhythmischem Klatschen der Schreinbesucher den großen Sufi Rumi rezitierten: Verse, in denen Rumi alle Menschen dazu einlädt, ihr Sein und Sehnen Gott zu widmen.

"Komm', komm', wer immer du bist, Wanderer, Götzenanbeter.
Du, der du den Abschied liebst, es spielt keine Rolle.
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.
Komm', auch wenn du deinen Schwur tausendfach gebrochen hast.
Komm', komm', noch einmal – komm'."

Solche Worte sind für orthodoxe Muslime in Pakistan und Bangladesch ein Schlag ins Gesicht. Bei Twitter und in einschlägigen Foren schreiben sie, sie würden diesen "Aberglauben" am liebsten aus der Welt schaffen - und wenn schon nicht das, dann doch wenigstens den indischen Subkontinent von dieser Geißel befreien. Immer wieder werden Anschläge auf Sufi-Schreine verübt. Und immer wieder bezahlen auch Qawwali-Sänger mit dem Leben.

"Die Fundamentalisten bereiten den Sufi-Anhängern in Pakistan und Bangladesch große Probleme. Doch der Sufismus überlebt die Anschläge. Denn im Kern ist er geprägt von Frieden, Toleranz, Brüderlichkeit und Pluralismus - Werte, die die Gesellschaft dringend braucht."

Sufis werden bleiben

Der Mond hängt wie ein knöcherner Gong über Lahore. Schon vor Stunden hat sich die Nacht über die Stadt gesenkt und noch immer sind es Hunderte, die am Schrein des Sufi-Meisters Data Ganj Bakhsh Einlass begehren. Frauen, Kinder, vor allem aber Männer legen mit gesenktem Haupt, Gebetsformeln murmelnd, Rosenblätter vorm Grabmal des Mystikers nieder.

Rechts und links des Eingangs recken sich den Eintretenden Dutzende von Bettlerhänden entgegen. Ein Mann, der keine Arme und Beine hat, liegt rücklings in einer Schubkarre und wartet auf Gönner. Am Eingang des Schreines befestigt eine schwarzverhüllte Frau an einem Fensterkreuz eine von Hand gefertigte kleine Wiege. In stumme Zwiesprache mit ihrem Sufi-Heiligen versunken, bekräftigt sie das Anliegen, das sie hierhergeführt hat - den inständigen Wunsch nach einem Kind.

"Sufis sind wichtig für uns. Und sie werden es auch bleiben. Denn sie sind nun einmal der letzte Rückhalt für all die Menschen, die es schwer haben im Leben. Die Sufis sind ihre letzte Zuflucht. Sonst gibt`s nur noch die Kalaschnikow!"

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk