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Suizid eines AsylbewerbersPolitiker fordern Entlassung Seehofers

Risa Risjai (M), ein 40jähriger Asylbewerber aus Afghanistan, kommt am 13.09.2017 mit einem Abschiebeflug aus Düsseldorf in Kabul, Afghanistan, an, nachdem sein Asylantrag in Deutschland abgelehnt worden ist. (picture alliance / dpa / Mohammad Jawad)
Abgeschobene Asylbewerber aus Deutschland bei ihrer Ankunft am afghanischen Flughafen in Kabul (picture alliance / dpa / Mohammad Jawad)

Nach dem Suizid eines abgeschobenen Asylbewerbers in Afghanistan werden Forderungen nach einem Rücktritt von Bundesinnenminister Seehofer laut. Grund ist die Zufriedenheit, die der CSU-Politiker gestern darüber geäußert hat, dass an seinem 69. Geburtstag 69 Afghanen nach Kabul zurückgeflogen wurden.

Juso-Chef Kühnert nannte Seehofer auf Twitter einen "erbärmlichen Zyniker", der seinem Amt charakterlich nicht gewachsen sei. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Jelpke bezeichnete Seehofers öffentlich geäußerte Freude als widerwärtig. Seehofer habe ganz offenbar ein unheilbares Defizit an Mitmenschlichkeit. Bundeskanzlerin Merkel müsse den Bundesinnenminister schnellstmöglich entlassen. Zum Selbstmord des abgeschobenen Asylbewerbers sagte Jelpke, die Lage in Afghanistan werde immer schlimmer. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Abschiebungen aus Deutschland tödliche Folgen haben würden.

Auch der Grünen-Politiker Nouripour kritisierte den Innenminister scharf. Auf Twitter schrieb Nouripour unter dem Hashtag "SeehoferMussWeg": "Der Abgeschobene, der sich gestern in Kabul das Leben nahm, hieß übrigens Jamal Nasser Mahmoudi, hatte einen Namen und war ein Mensch."

Bereits zuvor hatte Thüringens Ministerpräsident Ramelow (Die Linke) im Deutschlandfunk gesagt, so wie Seehofer gehe man einfach mit Menschen nicht um.

Das Bundesinnenministerium nahm inzwischen Stellung zu dem Suizid eines abgeschobenen afghanischen Asylbewerbers. In einem Tweet des Ministeriums heißt es, dies sei ein zutiefst bedauerlicher Vorfall. Man stehe im engen Kontakt mit den afghanischen Behörden, um die näheren Umstände des Vorfalls zu ermitteln. Desweiteren habe man Kontakt mit der Hansestadt Hamburg aufgenommen, die für die Rückführung des Afghanen verantwortlich gewesen sei.

Bei dem 23-Jährigen soll es sich um einen verurteilten Straftäter handeln. Nach Angaben der Hilfsorganisation Pro Asyl hatte er acht Jahre lang in Deutschland gelebt, bevor er nach Afghanistan abgeschoben wurde.

Die Behörden in Hamburg haben bestätigt, dass er zuvor in der Hansestadt gelebt hat. Den Angaben zufolge wurde er rechtskräftig wegen Diebstahls, versuchter gefährlicher Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Es hätten noch weitere Strafanzeigen unter anderem wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung gegen den Mann vorgelegen, hieß es.

Diese Nachricht wurde am 11.07.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.