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StartseiteSternzeitDie Venus und ihre rasende Atmosphäre03.08.2020

Superrotation der VenushülleDie Venus und ihre rasende Atmosphäre

Unter allen Planeten im Sonnensystem rotiert die Venus am langsamsten: Radarmessungen aus den frühen 1960er-Jahren zeigten erstmals, dass Venus für eine Umdrehung fast zweieinhalb Wochen länger braucht als für einen Umlauf um die Sonne.

Von Hermann-Michael Hahn

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Die Wolkenschichten der Venusatmosphäre wirbeln innerhalb von vier Tagen einmal um den Planeten (NASA) (NASA)
Die Wolkenschichten der Venusatmosphäre wirbeln innerhalb von vier Tagen einmal um den Planeten (NASA)

Umso verblüffter waren die Planetenforscher wenige Jahre später, als Daten der sowjetischen Venera-8-Mission auf eine wesentlich schnellere Rotation der Venusatmosphäre schließen ließen: Danach werden die Venuswolken innerhalb von nur vier Tagen um den ganzen Planeten herumgewirbelt.

Die Ursache für eine solche Superrotation der Venusatmosphäre blieb lange im Dunkeln. Erst jetzt leiteten japanische Wissenschaftler aus den Daten des Venussatelliten Akatsuki eine plausible Erklärung ab.

Diese Grafik erklärt die Entstehung der Superrotation innerhalb der oberen Venusatmosphäre, die durch die Temperaturunterschiede zwischen Tag- und Nachtseite der Venus ausgelöst wird (PCPT) (PCPT)Diese Grafik erklärt die Entstehung der Superrotation innerhalb der oberen Venusatmosphäre, die durch die Temperaturunterschiede zwischen Tag- und Nachtseite der Venus ausgelöst wird (PCPT)

Danach gibt es zwei senkrecht zueinander verlaufende Windsysteme in der Venusatmosphäre: das eine mit vergleichsweise geringen Windgeschwindigkeiten sorgt zu beiden Seiten des Äquators für einen weitgehenden Temperaturausgleich zwischen der Äquatorregion und den beiden Polargebieten.

Diese Winde würden die rasche Ost-West-Rotation der Atmosphäre abbremsen. Doch durch die Temperaturdifferenz zwischen der Tag- und Nachtseite werden Winde ausgelöst, die die extrem schnelle Rotation der gesamten Atmosphäre aufrecht erhalten.

Womöglich, so hoffen die japanischen Forscher, lassen sich diese Erkenntnisse von der Venus auf manche Exoplaneten übertragen. Da gibt es etliche, die ihrem Zentralstern stets dieselbe Seite zuwenden. In der Atmosphäre könnten dann ganz ähnliche Prozesse ablaufen wie auf der Venus.

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