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StartseiteKommentare und Themen der WocheAssad schickt Truppen an die türkische Grenze14.10.2019

Syrien-KonfliktAssad schickt Truppen an die türkische Grenze

Indem er Recep Tayyip Erdogan "grünes Licht" zum Einmarsch der Türkei in Syrien gab, hat US-Präsident Donald Trump eine der dümmsten Entscheidungen seiner Amtszeit gefällt, kommentiert Björn Blaschke.

Von Björn Blaschke

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Juli 2018 Nato-Gipfel in Brüssel: US-Präsident Donald Trump (l.) spricht mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (r.) während eines Arbeitsessens in Brüssel (AFP / Benoit Doppagne)
US-Präsident Trump (l.) hatte vor einer Woche überraschend mitgeteilt, US-Soldaten aus Syrien abzuziehen. (AFP / Benoit Doppagne)
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[*] In einem Telefonat gab Donald Trump seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan "grünes Licht" für die Invasion in Nordsyrien. "Grünes Licht" für den Kampf gegen die "Syrischen Demokratischen Kräfte", kurz SDF. In denen will Erdogan nichts anderes sehen als einen verlängerten Arm der als terroristisch verbotenen PKK. In dem Telefonat fällte Trump eine der dümmsten Entscheidungen seiner Amtszeit als US-Präsident. Vielleicht die dümmste Entscheidung überhaupt.

Die verheerenden Konsequenzen belegen es: 200.000 Menschen sind auf der Flucht - vor den Türken und ihren bewaffneten Helfern. Bluthunde! Dutzende Zivilisten kamen durch das türkische Bombardement um oder wurden ermordet. 800 IS-Leute konnten aus einem Gefangenenlager ausbrechen. Was aus den anderen annähend 100.000 IS-Gefangenen der SDF wird, wird sich zeigen. Fest steht: Der IS kann sich in der völlig unübersichtlichen Situation in Nord-Syrien neu formieren. Und ein Wiedererstarken des IS ist eine Gefahr für jeden auf der Welt – für Syrer, Iraker, Deutsche, Amerikaner.

Nein, die Kurden sind beileibe keine Heiligen

Dummheit gepaart mit Verrat: Die SDF haben tausende Männer und Frauen im Kampf gegen den IS verloren. Nach eigenen Angaben 11.000. Sie haben sich für den Rest der Welt die Hände schmutzig gemacht; Auge in Auge gegen die Terroristen gekämpft. Klar, das war nicht uneigennützig. Der IS ist ein Feind der atheistischen kurdischen Politiker, die hinter den SDF stehen. Und diese Politiker haben in Nord- und Nordost-Syrien - unabhängig von der Regierung in Damaskus - eine eigenwillige Selbstverwaltung geschaffen: ein Projekt, in dem neben Kurden auch andere Minderheiten wie Christen, Araber und Jesiden leben konnten. Nein, die Kurden sind beileibe keine Heiligen. Aber Trump hat die SDF in einem Telefonat an Erdogan einfach ausgeliefert; hingehängt.

In dieser Situation war es nur konsequent, dass die kurdischen Führer von der Regierung in Damaskus Hilfe erbaten; von jenem Regime, das sie prinzipiell ablehnen. Präsident Bashar al-Assad dürfte sich ins Fäustchen lachen. Er hat mehrfach geschworen, wieder über ganz Syrien herrschen zu wollen. Jetzt haben ihn die politischen Führer der Kurden dazu eingeladen. Nicht nur der IS wird angesichts der tumben Trump'schen Politik wieder erstarken, auch Assad profitiert. Und seine Verbündeten - Iraner und Russen – wahrscheinlich auch. Das Selbstverwaltungsprojekt der kurdischen Politiker dürfte jedenfalls am Ende sein.

Die Dummheit ist ein Meister aus Washington. Immerhin kann man aber Trump nicht vorwerfen, nichts zu tun. Dieser Vorwurf trifft allein die europäischen Politiker, die irgendwelche sinnlosen Statements abgeben.


[*] Anm. d. Red.: Wir haben die in der ersten Fassung missverständliche Überschrift geändert

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