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StartseiteMikrokosmos - Die KulturreportageAmateure am Braukessel05.04.2019

Szenetreffen der HobbybierbrauerAmateure am Braukessel

Alles ist möglich in der Welt der Hobbybrauer: Vom Chili-Bier bis hin zu Bieren mit Salbei oder Rosmarin. Mehr als 300 Heimbrauer aus ganz Deutschland haben sich ein Wochenende lang getroffen, um Rezepte auszutauschen und mehr über Malz, Hopfen und der Hygiene von Schankanlagen zu erfahren.

Von Marius Elfering

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Das Bild zeigt Bier mit Schaum. (imago)
Bierbrauen in Eigenregie wird immer beliebter (imago)
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Auf Schloss Romrod in Hessen mit dabei ist auch das Ehepaar Melcher, das seit einigen Jahren in ihrer Wohnung in Hamburg selbst Bier braut. Wiebke und Andreas Melcher kamen durch einen Volkshochschulkurs zum Brauen: "Wir haben dort gelernt, wie man zu Hause mit haushaltsüblichen Gegenständen brauen kann", erzählt Wiebke Melcher.

In einem Malzseminar wollen die beiden dazu lernen, wie sie Malz am besten lagern und welche Sorten für welchen Geschmack sorgen. Wiebke Melcher ist eine der wenigen Brauerinnen, die an dem Treffen der Hobbybierbrauer teilnehmen. Doch sie beobachtet einen Wandel in der Szene. Immer mehr Frauen würden in diese Männer-Domäne vorstoßen und ihr selbst gebrautes Bier präsentieren: "Ich glaube es ist auch eine Generationenfrage", meint sie.

Die Auswahl der Malzsorte bestimmt den späteren Geschmack des Bieres - von fruchtig-sauer bis Karamell-süß (deutschlandradio/Marius Elfering)Die Auswahl der Malzsorte bestimmt den späteren Geschmack des Bieres - von fruchtig-sauer bis Karamell-süß (deutschlandradio/Marius Elfering)

Fernsehsendung gab den Startschuss

Ruthard Wolf ist in der Szene bekannt. Schon seit 1982 steht er am Kessel und braut alles von India Pale Ale, über Weizen bis hin zum Pils. Er kam durch eine Fernsehsendung zum Selberbrauen. Damals war die Verbreitung von Rezepten zum Brauen in Deutschland noch verboten, doch das änderte sich in den Folgejahren, wodurch das Hobbybrauen auch in Deutschland Verbreitung fand.

Wer macht das beste Bier?

An diesem Wochenende werden auch die besten selbst gebrauten Biere gekürt. In einem Saal im Schloss, diskutieren die Jurymitglieder das ganze Wochenende lang über die zum Wettbewerb eingereichten Biere. Es sind teilweise schwierige Entscheidungen: Ist das Pils zu bitter? Hat das India Pale Ale die richtige Farbe? Was den Juroren hingegen egal ist, ist die Einhaltung des Reinheitsgebots. Viele der Hobbybrauer halten nicht viel von dem Gebot, welches vorschreibt, nur die Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe fürs Biermachen zu verwenden.

Welches Bier wohl das Beste ist? Jurymitglieder der Hobbybrauer auf Schloss Romrod (deutschlandradio/Marius Elfering)Welches Bier wohl das Beste ist? Jurymitglieder der Hobbybrauer auf Schloss Romrod (deutschlandradio/Marius Elfering)

Das Reinheitsgebot ist überholt

Auch Sylvia Kopp hält das Reinheitsgebot für ein Relikt vergangener Tage. Es würde kreative Brauer und Brauerinnen einschränken, meint die Bier-Sommelière, die seit Jahren bei internationalen Bier-Wettbewerben in den Jurys sitzt. Das Reinheitsgebot hält sie für eine "richtig gelungene Marketingkampagne". Sie bewundere Brauer, die nach dem Reinheitsgebot tolle Biere kreierten, von einer dogmatischen Verpflichtung darauf hält sie aber nichts.

In dem stark gestiegenen Interesse an "handgemachtem" Bier, dem Craft Beer, sieht Kopp auch einen Zeitgeist. Menschen möchten wissen, was in dem Bier steckt, das sie trinken und von wem es gemacht sei. Es ginge darum, die Intention des Brauers zu verstehen. Denn individuelle Biere transportierten Sinnlichkeit: "Das ist ein großer Wert dieser Craft-Beer-Bewegung", meint sie. Industriebiere könnten dieses Gefühl kaum erzeugen.

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