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StartseiteWirtschaft und GesellschaftTechniker Krankenkasse testet digitales Rezept31.01.2019

Tabletten per SmartphoneTechniker Krankenkasse testet digitales Rezept

QR-Code statt Zettel: Die Techniker Krankenkasse möchte Rezepte künftig digital ausstellen. In Hamburg können Patienten in einem Pilotversuch einen elektronischen Rezeptschlüssel aufs Smartphone bekommen. Damit ordern sie ihr Medikament in Zukunft online bei der Apotheke, was einige Vorteile hat.

Von Axel Schröder

Ein Apotheker steht hinter der Ladentheke und schaut in den Computer, hinter nimmt eine Pharmazeutische Assistentin ein Medikament aus dem Regal (picture alliance/ imageBROKER/ Jochen Tack)
Bei der Techniker Krankenkasse versicherte Patienten sollen mit einem digitalen Rezept ihre Medizin in der Apotheke abholen können (picture alliance/ imageBROKER/ Jochen Tack)
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Tim Steimle hält sein Smartphone in der Hand, macht ein paar Wischbewegungen auf dem Display. Dann erscheint das Bild eines Rezepts, wie die Patienten es kennen. Ein rosa Zettel mit dem Namen des Medikaments, dem Namen der Krankenkasse, dem Ausstellungsdatum. Darunter ist ein Code in kleinen schwarz-weißen Klötzchen zu sehen:

"Es wird ein QR-Code erzeugt. So wie wir das vom Fliegen oder von der Bahn kennen. Das ist der Rezeptschlüssel. Den bekomme ich dann auf mein Handy. Über eine sichere Verbindung bekomme ich diese Daten auf mein Handy. Das eigentliche Rezept verbleibt auf dem Rechner des Arztes."

Weniger Aufwand für Ärzte, Apotheker und Krankenkassen

Tim Steimle leitet den Fachbereich Arzneimittel bei der Techniker Krankenkasse. Und deren Versicherte können schon seit einem Jahr auf ihrem Smartphone die krankenkasseneigene App installieren und dort Arztberichte in passwortgeschützter und verschlüsselter Form speichern. Nun sollen Patienten mit dem digitalen Rezept auch ihre Medizin in der Apotheke abholen können. Ausgenommen sind Medikamente, die im Betäubungsmittelgesetz aufgelistet sind.

"Dort wird der QR-Code abgescannt. Und dann ist mit diesem Rezeptschlüssel, mit diesem alphanumerischen Code - das ist eine neunstellige Nummer - die Möglichkeit da, dass der Apotheker das Rezept von dem Rechner des Arztes abholt, diese elektronische Verordnung abholt - die darf ja nur einmal eingelöst werden, darf ja nicht noch jemand anderes einlösen - und dann darf der Apotheker dieses Rezept beliefern."

Grundlage für das elektronische Rezept ist das gestern vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachte "Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung". Das soll unter anderem auch das Fälschen von Rezepten erschweren. In einigen Jahren könnten die Kassen dann auch darauf verzichten, Millionen Rezepte in Papierform über die gesetzliche vorgeschriebene Dauer von zwei Jahren aufzubewahren. Für die Krankenkassen wie für Ärzte und Apotheker bedeutet die Neuerung einen drastisch reduzierten Aufwand. Holger Gnekow, Inhaber der Adler-Apotheke in Hamburg-Wandsbek, musste nicht lange überzeugt werden, um an der zunächst auf Wandsbek beschränkten Pilotphase teilzunehmen:

"Bei uns ist es ja so, dass die Papierrezepte von den Ärzten ausgestellt werden. Die werden dann von uns beliefert, müssen gescannt werden, bei der Krankenkasse eingereicht, werden dort nochmal gescannt. Und dieser ganze Vorgang ist sehr aufwändig und letztendlich fehlerbehaftet oder muss mehrfach kontrolliert werden, so dass wir mittlerweile mit elektronischen Mitteln über ein E-Rezept, das deutlich schlanker abbilden können."

Derzeit werden 450 Millionen Rezepte pro Jahr auf Papier ausgestellt

Die Patienten können mit dem elektronischen Rezept ihr Medikament in Zukunft bei der Apotheke online ordern. Falls es nicht vorrätig ist, wird es bestellt. Die Patienten müssen nicht zwei Mal kommen. Und natürlich kann das Papier für die derzeit rund 450 Millionen Rezepte pro Jahr eingespart werden, wenn die Technik einmal flächendeckend eingeführt ist. Tim Steimle von der Techniker Krankenkasse nennt noch einen weiteren Vorteil des E-Rezepts:

"Wenn ich ein Patient bin, der chronisch krank ist, dann ist der Vorteil gegeben, dass ich zum Beispiel, wenn der Arzt es nicht für erforderlich hält, mich zu sehen, dass ich dann in unserem Projekt auch das Rezept geschickt bekommen kann auf mein Handy. Das ist für viele Chroniker ein großer Vorteil."

So würden Patienten und Arztpraxen vom elektronischen Rezept profitieren. Am Ende sollen das im Aufbau befindliche System der elektronischen Patientenakte und das E-Rezept helfen, die Abläufe im Gesundheitswesen zu optimieren und Zeit und Geld zu sparen.

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