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StartseiteCorsoDer 8. Mai 1945 und die Popmusik08.05.2020

Tag der BefreiungDer 8. Mai 1945 und die Popmusik

Der Tag der Befreiung veränderte die Art der Musik, die Deutschland über die Radios der Alliierten empfing. Nach dem Krieg trug auch diese angloamerikanische Popmusik zur Entnazifizierung bei - und beeinflusste die deutsche.

Von Klaus Walter

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Die Bluesmusiker Leadbelly, Josh White und Nicholas Ray (l-r) in New York 1940.  (imago stock&people)
Der Musiker Leadbelly hat "We´re gonna tear Hitler down“ gesungen. (imago stock&people)
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"Wir, die hier Unterzeichneten, die wir im Namen des Deutschen Oberkommandos handeln, erklären die bedingungslose Kapitulation aller unserer Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft", so verkündete Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation Deutschland. Von Befreiung ist nicht die Rede.

Viele Deutsche erleben das Kriegsende "in einer Weltuntergangsstimmung", schreibt der Historiker Volker Ullrich in seinem aktuellen Buch "Acht Tage im Mai". Und viele Deutsche warten noch immer auf das Wunder, von dem Zarah Leander 1942 im Film "Die große Liebe" so unermüdlich sang.

Radio als Propaganda-Instrument

Für die Nationalsozialisten ist das Radio ein bedeutendes Propaganda-Instrument. Gesendet wird Marschmusik, seichte Unterhaltung, Berichte von der Front und in den letzten Kriegsjahren vor allem Durchhalteparolen. Auch die Alliierten nutzen den Rundfunk für psychologische Kriegsführung.

Aus seinem kalifornischen Exil wendet sich Thomas Mann regelmäßig an seine Landsleute. Für die BBC nimmt der renommierte Schriftsteller während des Krieges insgesamt 55 Radioansprachen auf. Am Tag nach der Kapitulation wendet sich Thomas Mann wieder an seine deutschen Hörerinnen und Hörer. Er spricht nicht von Befreiung, sondern darüber, wie bitter es ist, "wenn der Jubel der Welt der Niederlage, der tiefsten Demütigung des eigenen Landes gilt! Wie zeigt sich darin noch einmal schrecklich der Abgrund, der sich zwischen Deutschland, dem Land unserer Väter und Meister, und der gesitteten Welt aufgetan hatte."

Jazz wurde von den Nazis diffamiert

Diese gesittete Welt mobilisiert nicht nur mit Radioansprachen gegen Nazideutschland, sondern auch mit ihrer Musik. Im Blues wird der Sturz des Führers herbeigesungen, zum Beispiel von Leadbelly. 

Blues, Swing, Calypso, Jaz, angloamerikanischer Pop - in Nazi-Deutschland ist das die Musik des Feindes. Der Frankfurter Jazz-Pionier Emil Mangelsdorff erinnert daran, dass "unter den Nazis der Jazz nicht gelitten war. Es gab diese große von Goebbels wahrscheinlich inszenierte Bewegung gegen sogenannte entartete Kunst, und so wurde auch der Jazz diffamiert als Niggermusik, als Judenmusik."

Wer Jazz hört, gehört zu einer Geheimgesellschaft der Außenseiter, zur sogenannten Swingjugend. Einer dieser Außenseiter ist Horst Lippmann, nach dem Krieg erfolgreich mit der Konzertagentur Lippmann & Rau. Er gießt ein bisschen Wasser in den Wein.

"Ich hab mir natürlich vorgestellt: wenn jetzt die Amerikaner kommen, gut - Rassengleichheit, Freiheit, Schwarze, Weiße, Juden, alles gleich und alle vereint im Jazz, unglaublich toll! Und dann kamen die und dann hab ich auf einmal festgestellt, dass das mit der Gleichheit und Freiheit gar nicht so doll ist, dass da auch Grenzen waren zwischen Schwarz und Weiß. Und dass bei den Amerikanern ein paar ungeheuerliche Querköpfe waren. Die hätten auch nach Deutschland gepasst. Für die war das halt auch Negermusik und die wollten mit dem Kram nicht unbedingt viel zu tun haben."

Popmusik trägt zur Entnazifizierung bei

Mit dem Sieg über Nazideutschland ist die Mission der Alliierten noch nicht beendet. Der US-amerikanische Country-Sänger Texas Jim Robertson schreibt in einem Song Hitlers Buch "Mein Kampf" zu Ende.

Nach dem Krieg trägt auch die angloamerikanische Popmusik zur Entnazifizierung bei. Es ist die Musik aus dem britischen und amerikanischen Radio, die den deutschen Soldatenkörper aus dem Drill befreit.

Nach dem Siegeszug der angloamerikanischen Popmusik in den 50er und 60er Jahren setzt um die Jahrtausendwende eine Renationalisierung ein. In den deutschen Charts dominiert deutsche Musik, von Schlager bis Gangsta-Rap. Die Erinnerung an die heilsamen Kräfte des Jazz bei der Befreiung der Deutschen ist ein Fall für Gedenktage.

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