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StartseiteCampus & KarriereTag der Talente07.11.2006

Tag der Talente

Ministerin Schavan will Begabtenförderung weiter vorantreiben

Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat 200 Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren nach Berlin eingeladen. Eines ist den Gästen gemeinsam: Sie sind alle Preisträger verschiedener Schülerwettbewerbe wie etwa "Jugend forscht". Der so genannte Tag der Talente soll nach Auffassung der Ministerin in Zukunft noch viel mehr dabei helfen, die besonderen Begabungen gezielt zu fördern.

Von Philip Banse

Talente frühzeitig erkennen und fördern, fordert Ministerin Schavan.  (AP)
Talente frühzeitig erkennen und fördern, fordert Ministerin Schavan. (AP)

200 Talente zwischen 12 und 20 Jahren sitzen im E-Werk, einem ehemaligen Techno-Club in Berlin Mitte. Sie alle sind Gewinner und Finalisten der diversen Schüler- und Jugendwettbewerbe wie Bundeswettbewerb Informatik, Bundeswettbewerb Fremdsprachen oder Jugend forscht. Die jungen Talente beobachten den Auftritt der Schülerband "Resoluto", im vergangen Jahr Bundespreisträger des Wettbewerbs "Treffen junge Musikszene".

Zwei der Talente sind Marcel Schmidtpfuhl und Jörg Metzner.

"Wir haben ein Messgerät entwickelt, um den Druck in einem Klinikschlausystem zu messen, was eine höhere Hygienität bei verschiedenen medizinischen Anwendungen verspricht."

Marcel Schmidtpfuhl sich zudem mit der Simulation von Elektronen in einem Potential und der Lösung der Schrödinger-Gleichung befasst. Für ihre Arbeiten haben die beiden Sonderpreise des Bundespräsidenten und des Bundeskanzlers bekommen und sie haben Jugend forscht im Bereich "Arbeitsfeld" gewonnen. Diese Auzeichnungen bringen mehr als noch eine Urkunde fürs Ego, sagen Jörg Metzner und Marcel Schmidtpfuhl.

"Es hat uns sehr weit geholfen in dem Sinne, dass wir das Projekt danach weiter entwickeln konnten. Wir hatten die Möglichkeit mit einem Unternehmen zusammen zu arbeiten und das Projekt weiter zu entwickeln und sind momentan dabei es in den Anwendungsbereich zu überführen."

"Inhaltlich bringen solche Projekte immer sehr viel, weil man sehr viel über das jeweilige Gebiet lernt, aus dem das Projekt stammt. Das heißt, man hat jetz sehr viel über Kunststoffe beispielsweise gelernt und man kann das dann später im Studium auch anwenden, dadurch, dass sich bestimmte Themengebiete überschneiden, von denen man schon mal gehört hat. Das ist ganz nett."

sagt Marcel Schmidtpfuhl, der jetzt in Tübingen Physik studiert. Sein Freund Jörg Metzner studiert Engeneering, Economics and Management in Oxford. Beide wollen auch die nächste Stufe der deutschen Begabtenförderung nutzen. Jörg Metzner hat gestern ein Auswahlseminar bei der Stiftung der deutschen Wirtschaft gehabt.

"Ich verspreche mir davon, wieder ein Netzwerk zu haben, Freunde und Leute, mit denen ich mich verstehe und verständigen kann in Deutschland, weil ich nach dem Studium gerne wieder auch nach Deutschland zurückkehren möchte."

Marcel hofft auf ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Beide Talente fordern, dass Naturwissenschaftliche Begabungen gezielter gefördert werden.

"Und zwar unabhängig davon, ob sich dieser Mensch dann in der Kirche oder politisch oder sonst wie engagiert. Es interessiert im Nachhinein keinen mehr, ob sich jetzt ein Physiker aus dem 19. Jahrhundert in der Kirche engagiert hat oder ob der einen tollen Club mit sozialem Engagement gegründet hat, sondern es interessieren, die Formeln, die er herausgefunden hat und die ein paar Hundert Jahre gelten. Da sollte man Wert drauf legen, dass man die Naturwissenschaften auch inhaltlich fördert."

Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung (Deutschlandradio / Bettina Straub)Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung (Deutschlandradio / Bettina Straub)Schließlich seien naturwissenschaftliche Leistungen sozial genauso hilfreich, wie ein kirchliches Engagement. Bundesbildungsministerin Annette Schavan war lange Leiterin des Cusanuswerks, der bischöflichen Studienförderung. Die Ministerin ist vom Nutzen der Begabtenförderung durch Preise und Stipendien überzeugt und will das System ausbauen:

"Mir geht schon durch den Kopf, dass es noch den einen oder anderen Wettbewerb gibt, den man noch erfinden kann, das verrate ich aber heute noch nicht. Und zweitens haben wir ja gerade den Begabtenförderungswerken auch mehr finanzielle Möglichkeiten geben. Das heißt, wir fördern die Hochbegabten noch nicht genügend. Wir sind bei 0,7 ich will auf mindestens 1 Prozent in jedem Jahrgang, die auch in ihrem Studium eine wirkliche Chance haben, bewusst gefördert zu werden."

Eine wichtige Aufgabe ist es, Talente frühzeitig zu erkennen. Hier leisten die Bundesländer ihren Anteil an der Begabtenförderung, sagt Erich Thies, der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz. Seit Pisa lernten Lehrer verstärkt, begabte Schüler zu erkennen und zu fördern. Thies verwies darauf, dass Schüler bereits Universitäten besuchen können und die Leistungen beim Studium anerkannt werden. Verbessern ließe sich die Begabtenförderung, so der der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, durch den Ausbau von Spezialklassen.

"Da gab es am Anfang großen Widerstand so etwas zu machen, aber inzwischen gibt es auch hier Spezialklassen, in Mathematik etwa, in enger Kooperation zwischen bestimmten Schulen und den Mathematikern der Humboldtuniversität. Und ich denke, das könnte noch viel breiter erfolgen, als das im Augenblick der Fall ist. "

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