Montag, 27. Juni 2022

Schweres Erdbeben in Afghanistan
Taliban-Regierung bittet um internationale Hilfe

Nach dem verheerenden Erdbeben mit rund 1.000 Toten und etwa 1.500 Verletzten in Afghanistan hat Regierungschef Achund um internationale Hilfe gebeten. Deutschland hatte schon zuvor zugesichert, sich zu beteiligen.

22.06.2022

Afghanistan, Chost: Zwei Jungen sitzen in der Nähe ihres Hauses, das bei einem Erbeben zerstört wurde.
Nach dem Erdbeben in Afghanistan ist die internationale Hilfe angelaufen. (Uncredited/AP/dpa)
Der Taliban-Führer, der fast nie öffentlich auftritt, erklärte, er rufe die internationale Gemeinschaft und alle humanitären Organisationen auf, dem von dieser großen Tragödie betroffenen afghanischen Volk zu helfen und dabei keine Mühen zu scheuen.
Das Kinderhilfswerk Unicef entsandte mobile Gesundheits- und Ernährungsteams, um den Verletzten erste Hilfe zu leisten. Das volle Ausmaß sei aber noch nicht abzusehen, sagte ein Sprecher. Die Hilfsorganisation Care entsandte ebenfalls Ersthelfer. Es sei zu befürchten, dass Nachbeben und Erdrutsche weitere Schäden anrichten könnten. Die Johanniter Unfall Hilfe, die seit 20 Jahren in der Provinz Chost medizinische Versorgung leistet, begann umgehend mit der Hilfe.

Hubschrauber im Einsatz

Die afghanischen Behörden teilten mit, Hubschrauber seien im Einsatz, um Verletzte zu bergen und medizinische Güter und Lebensmittel in die abgelegene Bergregion zu bringen. Viele Häuser in den Provinzen Paktika und Chost seien zerstört worden. In Kabul wurde eine Krisensitzung im Präsidentenpalast einberufen, um die Hilfsmaßnahmen zu koordinieren.
Die Bundesregierung sicherte dem afghanischen Volk humanitäre Hilfe zu. Regierungssprecher Hebestreit sagte in Berlin, auch wenn Deutschland das Taliban-Regime in Kabul nicht anerkenne, werde man das Land dennoch weiter unterstützen.
Das Beben der Stärke 5,9 hatte in der vergangenen Nacht die afghanisch-pakistanische Grenzregion erschüttert. Demnach befand sich das Zentrum südwestlich der Stadt Chost nahe der Grenze zu Pakistan in rund zehn Kilometern Tiefe. Ob es auch in Pakistan Opfer gegeben hat, ist bislang unklar. Der Katastrophenschutz befürchtet, dass die Opferzahlen noch steigen werden.

Hilfseinsätze wegen Abzug von NGOs erschwert

Nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban im vergangenen Jahr haben sich internationale Organisationen weitgehend aus Afghanistan zurückgezogen. Dies dürfte Hilfseinsätze im Erdbebengebiet deutlich erschweren.
In Afghanistan hat es in der Vergangenheit mehrere Erdbeben mit hohen Opferzahlen gegeben. Im Jahr 2015 kamen über 400 Menschen in Afghanistan und Nordpakistan ums Leben. Bei einem Beben in Nordafghanistan starben 2002 etwa 1.000 Menschen.
Diese Nachricht wurde am 22.06.2022 im Programm Deutschlandfunk gesendet.