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"Talk im Hangar-7"Talkshow-Gäste lehnen TV-Einladung wegen Thilo Sarrazin ab

Der ehemalige Berliner Finanzsentor Thilo Sarrazin, aufgenommen 2016 in Berlin bei der Vorstellung des Buches "Deutschland gehört auf die Couch!" (dpa / Michael Kappeler)
Thilo Sarrazin, SPD-Politiker, ehemaliger Berliner Finanzsenator und Buchautor (dpa / Michael Kappeler)

Mehrere angefragte Talkshow-Gäste haben sich geweigert, an einer TV-Sendung mit Thilo Sarrazin teilzunehmen.

Der Buchautor Hasnain Kazim veröffentlichte seine Absage an den österreichischen Sender Servus-TV. Man gebe "Rechtsextremisten" keine Redezeit, schreibt er darin: "Und man lädt auch nicht Thilo Sarrazin in eine Talkshow ein." Nicht jede "Meinung" sei eine Meinung. Daher müsse er "leider absagen". Ähnlich äußerte sich die österreichische Grünen-Politikerin Berîvan Aslan. Sie habe nicht erwartet, dass sie am Holocaust-Gedenktag zu einer Talk-Show mit Sarrazin eingeladen werde. Auch sie sagte demnach für Sendung "Talk im Hangar-7" ab. Gleiches gilt für die Journalistin Sibel Schick. Sie kritisierte zudem, dass die Redaktion ihr gegenüber die Teilnahme Sarrazins nicht kommuniziert habe.

In der Vergangenheit gab es häufiger Absagen für Diskussionen mit Sarrazin. Manche machten dies ebenfalls öffentlich. So lehnte der Journalist Hans-Ulrich Jörges nach eigenen Angaben eine Einladung von Reinhold Beckmann zum Streit mit Sarrazin ab, "weil mich der mediale Hype um Autor und Buch angewidert hat." Auch in Fachkreisen außerhalb von TV-Sendungen wird die Auseinandersetzung mit Sarrazin bisweilen verweigert. Mehrere Referenten einer wissenschaftlichen Tagung sagten ihre Teilnahme ab. "Es wäre mir unerträglich, dabei mit zu tun, dass rassistische, also menschenfeindliche und dezidiert anti-aufklärerische Stimmen weitere Aufmerksamkeit erlangen", begründet zum Beispiel die Münchner Soziologin Paula-Irene Villa.

Die Landesschiedskommission der SPD hatte vergangene Woche bestätigt, dass Sarrazin wegen parteischädigenden Verhaltens ausgeschlossen werden darf. Hintergrund sind Thesen, die er in einem Buch zum Thema Islam und zur Zuwanderung vertritt. Der frührere Berliner Finanzsenator und Bundesbanker will den Parteiausschluss nicht akzeptieren. Er kündigte an, als nächstes das Bundesschiedsgericht der Sozialdemokraten anzurufen.