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StartseiteKultur heuteRuhe für die Companie?14.11.2018

Tanztheater Wuppertal: Neues FührungsduoRuhe für die Companie?

Nach turbulenten Monaten bekommt das Tanztheater in Wuppertal eine neue Leitung: die Tanzmanagerin Bettina Wagner-Bergelt und den Betriebswirt Roger Christmann. Sie sollen die Weichen für die Zukunft stellen. Was bisher schief gelaufen ist, muss trotzdem konsequent aufgearbeitet werden, findet Dlf-Tanzkritikerin Elisabeth Nehring.

Von Elisabeth Nehring

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24.10.2018, Berlin: Bettina Wagner-Bergelt, Künstlerische Leiterin Bauhaus100, bei einer Pressekonferenz zum Bauhaus-Jubiläum. (Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)
Bettina Wagner-Bergelt (Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)
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Nur zu gerne würde man der neuen Leitung alles Gute wünschen. Bettina Wagner-Bergelt und Roger Christmann sollen nun als neues, gleichberechtigtes Führungsteam das Tanztheater Wuppertal in ruhigere Fahrwasser führen. Er ist ein ausgewiesener Experte in Entwicklung, Leitung und Finanzierung von Kulturprojekten, sie eine exponierte und erfahrene Tanzfachfrau. 27 Jahre lang war Bettina Wagner-Bergelt im Leitungsteam des Bayerischen Staatsballetts, hat dort als Dramaturgin und vor allem stellvertretende künstlerische Leiterin neben dem klassischen ein zeitgenössisches Repertoire aufgebaut. Damit hat sie die Münchner zu einem Fixstern unter den Ballettensembles des Landes gemacht – und zu einer der wenigen, exklusiven Companien, die neben dem Tanztheater Wuppertal eine Produktion von Pina Bausch in ihr Programm übernehmen durfte. Sie kennt die besondere Kultur dieser außergewöhnlichen Truppe, die so lange um ein einziges künstlerisches Kraftzentrum kreiste und dann neun Jahre nach dem Tode Pina Bauschs verirrt im All des nur noch verwalteten Repertoires herumtrudelte.

Künstlerische und käufmannische Leitung sind nun gleichgestellt

Sicher wird Bettina Wagner-Bergelt sehr genau beobachtete haben, wie es ihrer Vorgängerin Adolphe Binder ergangen ist, für die sich interne Auseinandersetzungen mit der Geschäftsführung zu einem Desaster bislang ungekannten Ausmaßes auswuchsen, das im zurückliegenden Sommer in einer fristlosen Kündigung mündete – ausgesprochen vom Beirat des Tanztheaters, in dem die Stadt Wuppertal eine maßgebliche Anzahl Verantwortlicher zu sitzen hat.

Anders als Adolphe Binder, die in einer ungewöhnlichen und toxischen Konstruktion als Intendantin der Geschäftsführung, namentlich Dirk Hesse, unterstellt war, sind Bettina Wagner-Bergelt und Roger Christmann als künstlerische und kaufmännische Leitung gleichgestellt. Prima, da wurde schon mal nachgebessert. Und nun ist alles in Ordnung, endlich Ruhe eingekehrt?

Es bleibt: ein völlig ungeklärter Rechtsstreit

Ein Stachel im Fleisch zu sein, der die Wunden immer wieder aufreißt, ist keine angenehme Rolle, vor allem nicht in dieser Geschichte, in der es bislang nur Beschädigte und Verletzte gegeben hat. Aber es muss doch daran erinnert werden, dass es da noch einen völlig ungeklärten Rechtstreit mit der ehemaligen Intendantin Adolphe Binder gibt, die vor dem Arbeitsgericht nicht nur ihre gute Reputation wiederherstellen, sondern auch ihren Arbeitsplatz zurückerkämpfen möchte.

Und dass darüber hinaus der Eindruck nagt, die Entscheidung für so eine renommierte Expertin wie Bettina Wagner-Bergelt solle nicht nur all die von der Stadt gemachten Fehler im vorangegangenen Intendantenstreit möglichst schnell vergessen lassen, sondern auch facts on the ground schaffen. Tatsachen, hinter die man nicht mehr zurück kann. Was aber passiert, sollte das Gericht Adolphe Binder Recht geben, die Gründe für ihre fristlose Kündigung nicht anerkennen und sie damit aufheben?

Konsequente Aufarbeitung ist unumgänglich

Natürlich ist dem Tanztheater Wuppertal nach dem Trauma der letzten Monate Ruhe und die von Wagner-Bergelt beschworene "Freude und Kreativität" zu wünschen. Kulturpolitisch jetzt zum business-as-usual zurückzukehren, erscheint aber angesichts des ganzen dubiosen Vorgangs mitsamt gescheiterten Mediationsversuchen, Durchstechereien von Interna und vor allem einer gewagten Intransparenz mehr als fragwürdig.

Für das kulturpolitische, künstlerische und menschliche Klima, vor allem aber angesichts der großen Pläne, die in Wuppertal für das zukünftige Pina-Bausch-Zentrum derzeit entwickelt werden, ist eine konsequente Aufarbeitung dessen, was und warum alles schief gelaufen ist, unumgänglich.

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