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StartseiteKommentare und Themen der WocheMit der kühlen Nadel der Vernunft gestrickt04.01.2019

Tarifeinigung zwischen Deutscher Bahn und GDLMit der kühlen Nadel der Vernunft gestrickt

Die Deutsche Bahn hat sich mit der Lokführergewerkschaft auf einen neuen Tarifvertrag mit höheren Gehältern geeinigt. Die Bahn könne sich nun auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren, kommentiert Mischa Erhardt. Sie brauche qualifizierte Mitarbeiter -und die locke man nur mit guten Gehältern und Arbeitsbedingungen.

Von Mischa Erhardt

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Ein ICE vor einem Werbeplakat am Hauptbahnhof Frankfurt am Main (dpa / Andreas Arnold)
Bahn und Lokführer haben sich auf einen Tarifvertrag geeinigt (dpa / Andreas Arnold)
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Dieser Tarifvertrag ist aus mehreren Gründen mit der kühlen Nadel der Vernunft gestrickt. Zuallererst: Eine weitere Eskalation, daraufhin Schlichtung, möglicherweise Streiks, jedenfalls aber eine verlängerte Periode der Ungewissheit, die hätte niemandem geholfen aber viel Schaden angerichtet. Und vermutlich keine substantiellen Veränderungen gebracht. Die Bahn und ihre Mitarbeiter können sich nun, statt sich vor einem handfesten längeren Konflikt fürchten zu müssen, auf ihre wesentlichen Aufgaben konzentrieren: für mehr Pünktlichkeit zu sorgen und die manchmal chaotischen Zustände in Zügen und Bahnhöfen abzuschaffen. Die anstehenden großen Aufgaben verlangen sogar noch mehr Konzentration: Zukunftsträchtige Investitionen an den richtigen Stellen und die weitere Digitalisierung des Bahnbetriebes.

Nun wird manch einer einwenden: Gerade um die nötigen Investitionen finanzieren zu können, ist ein Abschluss von gut sechs Prozent reichlich unbescheiden. Das ist er aus mindestens zwei Gründen nicht. Zum einen gleichen solche hoch erscheinenden Abschlüsse Jahre aus, in denen mit dem Argument einer schleppenden Konjunktur die Gehälter der Beschäftigten wenig oder gar nicht gestiegen sind. In Folge von Inflation leert sich die Lohntüte in solchen Zeiten sogar schleichend. Wann, wenn nicht in konjunkturellen Hochzeiten, können die Beschäftigten sonst vom allgemeinen Wirtschaftswachstum profitieren?

Die Bahn attraktiver machen

Zweitens aber fehlt es der Bahn in vielen Bereichen - und gerade bei den Lokführern - an Personal. Schon jetzt fehlen rund 1000 Lockführer an den Spitzen der Züge. Ohne attraktive Gehälter wird schwer, diese Stellen zu besetzen. Deswegen ist ein weiterer Vernünftiger Baustein des Tarifvertrages die Einigung darauf, eine Image-Kampagne für den Bahnberuf zu starten.

Und schließlich ist auch die vergleichsweise lange Laufzeit des Tarifvertrages vor allem aus Sicht von Bahnreisenden zu begrüßen: Für rund 2,5 Jahre herrscht nun Ruhe an der Tariffront. Bahnkunden müssen sich vor keinen Streiks mehr fürchten, Management und Fahrpersonal können sich konzentriert der Aufgabe widmen, den Service für die Reisenden zu verbessern und so die Bahn attraktiver zu machen. Das übrigens ist auch mit Sicht auf das globale Klima geboten. Denn nur wenn mehr Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen, wird es mit dem Klimaschutz gelingen. Deswegen gibt es auch das politische Ziel, dass die Bahn bis 2030 die doppelte Anzahl an Passagieren befördert. Aufgaben warten viele. Leicht sind sie nicht. Deswegen braucht die Bahn qualifizierte und motivierte Mitarbeiter. Und die lockt man - ja- durch attraktive Gehälter und gute Arbeitsbedingungen.

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

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