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StartseiteWirtschaft am Mittag"Den Forderungen nachzugeben, ist völlig irrational"23.11.2016

Tarifstreit bei der Lufthansa"Den Forderungen nachzugeben, ist völlig irrational"

22 Prozent mehr Lohn für einen Zeitraum von fünf Jahren: Diese Forderung der Pilotenvereinigung Cockpit bezeichnet Lufthansa-Chef Carsten Spohr als "nicht machbar". Das Gegenangebot von 2,5 Prozent hält die Pilotengewerkschaft jedoch für "unseriös" und nicht verhandlungsfähig. Vor einer Woche hatte Cockpit die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt.

Von Brigitte Scholtes

Zwei Piloten sitzen in Hamburg im Cockpit eines Lufthansa-Airbus A380. (picture-alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
Die Piloten der Vereinigung Cockpit verweigern bisher eine Schlichtung, weil sie das Lufthansa-Angebot als nicht verhandlungsfähig bezeichnen. (picture-alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
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Man merkt der Lufthansa die Streikroutine an: Offenbar hat sie ihre Kunden so rundum informiert, dass in der Schalterhalle am Frankfurt Flughafen keine gestrandeten Passagiere zu sehen sind. Nur die Anzeigentafel zeigt zahlreiche Annullierungen. Schließlich musste die Kern-Lufthansa knapp die Hälfte ihrer Flüge streichen. Etwa 100.000 Passagiere sind heute betroffen. Wie viele es morgen sein werden, das wird ein Sonderflugplan zeigen, der in den nächsten Stunden veröffentlicht werden soll.

Gestern kurz vor Mitternacht hatten die Pilotenvereinigung Cockpit die Ausdehnung des Ausstands auch auf morgen angekündigt. Sie darf streiken, das hatte gegen Mitternacht auch das Landesarbeitsgericht Hessen entschieden und damit eine Klage der Lufthansa dagegen abgelehnt.  Wie viel Geld ein Streiktag die Lufthansa kostet, das hatte deren Chef Carsten Spohr gestern nochmals vorgerechnet:

"Wir haben in Vergangenheit meist mit einstelligen Millionenbeträgen rechnen müssen, das hängt ein bisschen von der Zeit im Jahr ab, von der Auslastung, vom Wochentag. Aber wir sind immer wieder im oberen einstelligen Millionenbereich pro Tag. Viel Geld, aber den Forderungen nachzugeben mit 22 Prozent Lohnforderung, ist natürlich völlig irrational und für uns nicht machbar."

"Das ist ein Nullsummenspiel"

Für irrational hält das Jörg Handwerg, Vorstandsmitglied der Pilotenvereinigung, aber nicht. Er begründete die Forderung, die insgesamt für einen Zeitraum von fünf Jahren erhoben wird, heute Morgen im ZDF:

"Wir halten es durchaus für legitim angesichts der fünf Milliarden Gewinne und auch der Vorstand, der sich ja letztes Jahr erst die Gehälter um knapp 30 Prozent erhöht hat und der Aufsichtsrat, der sein Gehalt noch viel stärker erhöht hat in den letzten Jahren, sieht das ja offensichtlich so, dass es der Lufthansa gut geht."

Lufthansa aber bietet den Piloten bisher nur 2,5 Prozent an – für einen Zeitraum von sechs Jahren und acht Monaten. Das aber sei nicht verhandlungsfähig, sagt Handwerg:

"Die Forderung der Lufthansa steht ja immer unter dem Vorzeichen der Kompensation, das heißt, alles, was man uns hier anbietet - die 2,5 Prozent - bekommen wir dann auf die Vergütung drauf, wenn wir es an anderer Stelle abknapsen. Das ist rechte Tasche, linke Tasche, das  ist also ein Nullsummenspiel. Das ist aus unserer Sicht kein seriöses Angebot. Und solange das nicht da ist ... Wenn wir das bekommen, sind wir jederzeit bereit, wir können auch die Streiks abbrechen, aber es muss Bewegung aufseiten der Lufthansa erfolgen."

Piloten verweigern bisher eine Schlichtung

Doch ob es zu einer neuen Offerte kommt? Lufthansa-Chef Spohr gibt sich kämpferisch: 

"Jeder Streiktag, und wir haben ja nicht den ersten, ist einer zu viel. Aber Verlust von Zukunftsfähigkeit, von Wettbewerbsfähigkeit durch einen teuren Kompromiss wäre noch viel schmerzhafter. Oder, wie ich es gerne sage: Lieber einige Tage ohne Lufthansa als irgendwann ganz ohne Lufthansa. Das gilt sowohl aus Kundensicht wie auch aus Mitarbeitersicht, zumindest der 115.000 Nicht-Streikenden, das gilt sicherlich aus Aktionärssicht."

Eine Schlichtung verweigern die Piloten bisher, weil das Lufthansa-Angebot nicht verhandlungsfähig sei. Diesen Wunsch der Lufthansa, das hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gestern zu erkennen gegeben, könne er nachvollziehen:

"Ich halte das für den richtigen Weg. Man kann zu Recht die Frage stellen: Wie oft kann die Partnerseite den Schlichtungswunsch verweigern?" 

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