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StartseiteWirtschaft und GesellschaftRyanairs versteckte Drohung08.08.2018

TarifstreitRyanairs versteckte Drohung

Rund 42.000 Passagiere werden am Freitag vom Streik bei Ryanair betroffen sein. Ihre Tickets will die irische Fluggesellschaft erstatten, im Tarifstreit mit den Piloten aber gibt sie nicht nach. Wenn es zu weiteren langwierigen Streiks komme, schrecke man nicht davor zurück, Standorte zu schließen.

Von Brigitte Scholtes

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Kenny Jacobs (l), Marketingchef von Ryanair, und Peter Bellew (r), Betriebschef für den Flugverkehr, sitzen am 08.08.2018 bei einer Pressekonferenz von Ryanair in Frankfurt am Main auf dem Podium.  (dpa / Frank Rumpenhorst)
Marketingchef Kenny Jacobs (l) möchte am Ryanair-Geschäftsmodell festhalten, in dem es um niedrige Kosten gehe (dpa / Frank Rumpenhorst)
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Ryanair streicht wegen des anstehenden Streiks an diesem Freitag 250 Flüge von und nach Deutschland. Nur von Baden-Baden aus operiere man wie gewohnt, teilte die irische Fluggesellschaft heute mit. Davon dürften in Deutschland 42.000 Passagiere betroffen sein. Weil aber auch noch die Piloten in Irland, Belgien und Schweden dann streiken, werden europaweit etwa 400 Flüge ausfallen und insgesamt etwa 55.000 Fluggäste betroffen sein. Sie seien per SMS oder E-Mail informiert worden, sie können umbuchen oder sich den Ticketpreis erstatten lassen. 

Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte am Morgen den Ausstand angekündigt, der von Freitag früh 3.01 Uhr bis Samstagmorgen 2.59 Uhr dauern soll.

Martin Locher, Präsident der VC, der Vereinigung Cockpit, begründete den Ausstand so: "Lediglich die bestehenden Bedingungen ist Ryanair bereit festzuschreiben mit der Überschrift Tarifvertrag. Das ist für uns völlig inakzeptabel. Aus unserer Sicht wäre das ein Tarifdiktat. Dafür stehen wir nicht zur Verfügung."

"In unserem Geschäftsmodell geht es um niedrige Kosten"

Ryanair wiederum meint, man sei in den Verhandlungen gut vorangekommen. Marketing-Manager Kenny Jacobs monierte heute Mittag vor allem die kurze Ankündigungsfrist von 40 Stunden - in Irland seien sieben Tage üblich. So könne man sicherstellen, dass die Passagiere möglichst wenig vom Streik spürten. Man sei offen, versicherte Jacobs, zog aber auch Grenzen.

"Es ist uns sehr wichtig mit den Gewerkschaften hier Fortschritte zu erzielen, so wie schon anderswo in Europa. Aber wir wollen nicht unser Geschäftsmodell ändern, wir sind offen für Veränderungen, wir kommen in diesem neuen Feld voran. Aber in unserem Geschäftsmodell geht es um niedrige Kosten, Effizienz und Produktivität, und deshalb liegen die Ticketpreise im Schnitt bei 38 Euro in Europa, das wollen wir beibehalten."

Piloten wollen einen Manteltarifvertrag

Die deutschen Piloten aber möchten strukturelle Verbesserungen bei der Vergütung erzielen - die Flugzeugführer erhalten etwa die Hälfte als Fixgehalt, die andere Hälfte variabel. Das aber schwanke stark, erklärt Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik der Vereinigung Cockpit.

"Wir wollen nicht, dass es zu Einbußen durch Krankheit kommt oder bei saisonalen Schwankungen, dass wir hier plötzlich nicht mehr wissen, welches Gehalt ist denn eigentlich, in den Wintermonaten zum Beispiel oder wenn ich krank werde, dann noch übrig." 

Außerdem sollen Arbeitsbedingungen in einem Manteltarifvertrag geregelt werden. Peter Bellew, für das operative Geschäft bei Ryanair zuständig, zeigte sich zwar zuversichtlich, mit den konstruktiv orientierten deutschen Pilotengewerkschaft zu einem Kompromiss zu finden. Doch allzu lange dürfe der Ausstand nicht dauern.

"Wenn es zu weiteren langwierigen Streiks kommen sollte, dann würde das auch unser Geschäft in Deutschland beeinträchtigen. An einigen der Basen und Standorte hier in Deutschland sind die Margen sehr gering. Da erzielen wir kaum Gewinn. Wir wollen hier keine Standorte schließen, aber wenn das Geschäft sich hier verschlechtert, haben wir schriftlich festgehalten, dass es dazu am Ende kommen könnte." 

Das aber darf man dann wohl als versteckte Drohung an die Piloten verstehen.

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