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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Passagiere sind die Dummen23.12.2019

Tarifstreit von Lufthansa und UFODie Passagiere sind die Dummen

Die Geduld der Flugpassagiere weiter zu strapazieren sei unklug, kommentiert Mischa Ehrhardt - weshalb die Tarifpartner von Ufo-Gewerkschaft und Lufthansa das Taktieren endlich aufgeben sollten. Denn andernfalls würde ihnen am Ende die Kundschaft abhanden kommen.

Von Mischa Ehrhardt

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Zwei Lufthansa Schilder im Flughafen Düsseldorf. (David Young/dpa)
Die Gewerkschaft wird streiken und die Lufthansa versuchen, diese Streiks als vollkommen unberechtigt darzustellen, kommentiert Mischa Ehrhardt im Dlf (David Young/dpa)
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Dass es nun doch noch kurz vor Jahresende zu Streiks bei der Lufthansa kommen kann, zeigt vor allem eines: wie tief das Zerwürfnis zwischen dem Konzern und der Spartengewerkschaft UFO nach wie vor ist. Schon der Weg in die Schlichtung war holprig und stand immer wieder infrage. Nun sind die ersten Versuche, den Konflikt zu schlichten, aus Sicht der Beschäftigtenvertreter kläglich gescheitert. Deswegen nun die Streikdrohung.

Auch an der Reaktion der Lufthansa lässt sich das Zerwürfnis ablesen. Eine eigentliche Reaktion auf die Streikdrohung gibt es nämlich nicht. In einer Mitteilung bedankt sich der Konzern nur bei allen Beteiligten für die wichtigen Gespräche am gestrigen vierten Advent. Und das kurze Statement schließt mit dem Satz: "Seitens der Schlichter wurde ein weiterer Gesprächstermin für Anfang Januar vorgeschlagen", Zitat Ende, Schreiben Ende.

Lufthansa mit Scheuklappen

Das ist ziemlich eindeutig: Die Fluggesellschaft will damit sagen, dass aus ihrer Sicht Streiks zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen illegitim sind. Damit versucht sie, den schwarzen Peter zur Kabinengewerkschaft rüberzuschieben.

Ganz so einfach ist das aber nicht. Denn UFO kann niemand vorwerfen, etwa die frühere Personalchefin Bettina Volkens geschasst zu haben. Die hatte beide Parteien nach erbittertem Machtkampf überhaupt wieder an einen Tisch gebracht und damit den Weg in die Schlichtung geebnet. Um es vorsichtig zu formulieren: Ihr Rückzug zeigt, dass das im Büro des Lufthansa-Chefs Carsten Spohr nicht auf uneingeschränkten Zuspruch traf oder trifft.

UFO wird streiken

Und so wird es kommen, wie es kommen muss: Die Gewerkschaft wird streiken, die Lufthansa versuchen, diese Streiks als vollkommen unberechtigt darzustellen und die Dummen sind die Kunden der Fluglinie, die an Flughäfen stranden werden.

Darauf zu zählen, dass während der Schlichtung Friedenspflicht gilt, wäre jedenfalls riskant. Die Gewerkschaft hat nämlich bereits angekündigt, wegen vieler anderer Themen, die außerhalb der Schlichtung liegen, die Arbeit bei Lufthansa und deren Töchtern niederlegen zu können. Vielleicht wird die Lufthansa auch per einstweiliger Verfügung versuchen, Streiks zu verhindern. Das könnte ihr etwas Luft verschaffen, mehr aber auch nicht. Denn der Konflikt wird trotzdem weitergehen.

Geduld der Passagiere ist am Ende

Die Gewerkschaft hat bereits im Herbst bewiesen, dass sie nach wie vor – oder wieder – mobilisieren kann. Die Hoffnung seitens der Lufthansa, UFO werde sich nach interne Querelen quasi selbst abschaffen, hat sich als falsch erwiesen. Das sollte die Lufthansa zur Kenntnis nehmen. Bei von UFO organisierten Streiks im November waren rund 200.000 Passagiere betroffen. Deren Geduld angesichts des Zerwürfnisses und der agierenden Streithähne dürfte spätestens mit der neuen Streikdrohung am Ende sein.

Statt des Taktierens sollte man schnell zu Ergebnissen kommen. Denn sonst werden Kunden schlicht überlegen, ob sie sich streikbedrohte Lufthansa-Flüge noch antun wollen.

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

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