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StartseiteWirtschaft am Mittag"Künstliche Intelligenz entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit"11.06.2018

Technikmesse Cebit"Künstliche Intelligenz entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit"

Künstliche Intelligenz ist eines der großen Themen auf der Technikmesse Cebit. Die Technologie werde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft entscheidend beeinflussen, sagte Stefan Wrobel vom Fraunhofer Instiut im Dlf. In Deutschland sei die Forschung in diesem Bereich stark.

Jessica Sturmberg im Gespräch mit Stefan Wrobel

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Stefan Wrobel, Informatik-Professor und Fachmann für Künstliche Intelligenz vom Fraunhofer-Institut (Fraunhofer IAIS / dpa)
Stefan Wrobel, Informatik-Professor und Fachmann für Künstliche Intelligenz vom Fraunhofer-Institut (Fraunhofer IAIS / dpa)
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Technikmesse Verjüngungskur für die Cebit

Jessica Sturmberg: Die Computermesse CEBIT hatte in den letzten Jahren zu kämpfen, um Aufmerksamkeit, um Besucher, darum, dass ihr nicht andere Messen und Kongresse den Rang ablaufen. Jetzt hat diese einst so wichtige Leitmesse sich ein neues Konzept gegeben. Sie soll mehr Event-Charakter bekommen und auch zu einem Debattenort werden. – Vor der Sendung habe ich den Sprecher der Fraunhofer Allianz Big Data und künstliche Intelligenz, Stefan Wrobel, gefragt, wie das neue Konzept bei ihm ankommt.

Stefan Wrobel: Ich spüre, dass auf der Messe eine Aufbruchsstimmung herrscht. Ich glaube, es ist definitiv richtig, dass die Messe hier die neuen Trends aufgreift und ja auch die Messe entsprechend verändert hat.

Sturmberg: Ein wesentlicher Trend, über den wir jetzt etwas genauer sprechen wollen, ist das Thema künstliche Intelligenz. Da hatte sich die Kanzlerin auch dezidiert zu geäußert. Auch der Bundeswirtschaftsminister (heute noch mal bei uns im Programm) hat gesagt: 'Wir bereiten ein Maßnahmenpaket vor. Insbesondere geht es auch darum, dass man Unternehmen, die in der zweiten und dritten Gründungsphase sind, dort wo sie viel Kapital benötigen, dann besseren Zugang zu Kapitalmärkten eröffnet. Denn derzeit sind es vor allen Dingen die großen Fonds aus den USA, die dann solche Unternehmen kaufen und übernehmen.'

In den USA investieren die großen Technologiekonzerne Google, Apple, Facebook und auch Amazon massiv in diesen Bereich. In Europa hat man bisher den Eindruck, da passiert zwar auch eine Menge, aber hier sind die Akteure eher Getriebene. Ist der Eindruck richtig?

"Europa muss mehr investieren als die USA"

Wrobel: Ich glaube, wir müssen berücksichtigen, dass wir in Europa eine andere Wirtschaftslandschaft haben, als wir sie in den Vereinigten Staaten haben. Wir haben insbesondere in Deutschland eine sehr, sehr große Stärke im industriellen Bereich, im Internet der Dinge, alles was mit Infrastruktur zu tun hat. Wir haben die Automobilindustrie. Und ich kann Ihnen versichern, dass auch in diesen Branchen natürlich investiert wird in Themen der Automatisierung, in Themen der intelligenten Dienste. Wir haben aber natürlich in Europa, das ist richtig, keine Internet-Giganten, wie wir sie in den Vereinigten Staaten finden. Deswegen ist es absolut richtig, dass wir mehr investieren müssen, dass wir mehr tun müssen und dass wir insbesondere die Dinge verbinden müssen, die unsere Stärke sind. Wir haben nämlich durchaus speziell in Deutschland eine Stärke im Bereich der Forschung zur künstlichen Intelligenz, insbesondere auch im maschinellen Lernen. Wir haben gerade gemeinsam mit dem BMBF, dem Bundesforschungsministerium hier eine Studie vorgestellt zum Thema maschinelles Lernen. Da sieht man sehr deutlich, wir haben eine starke Forschung in Deutschland, aber wir müssen an der besseren Vernetzung der Forschung untereinander, aber insbesondere auch am Transfer in die Wirtschaft arbeiten, damit dies tatsächlich auch im industriellen Sektor breitflächig zum Einsatz kommt. Denn künstliche Intelligenz ist eine Basistechnologie, die viele Sektoren, eigentlich alle Sektoren beeinflussen kann.

Sturmberg: Wie entscheidend wird denn künstliche Intelligenz in der Zukunft sein? Ist das eine Technologie, an der man dann nicht mehr vorbeikommt?

Wrobel: Künstliche Intelligenz ermöglicht es, zwei Dinge zu tun. Sie ermöglicht es zum einen, Dinge effizienter zu tun, die man auch bisher schon getan hat, weil bestimmte Aufgaben automatisiert werden können, und das kann in vielen Märkten schon den Unterschied machen zwischen wettbewerbsfähig und nicht wettbewerbsfähig.

Künstliche Intelligenz ermöglicht aber auch Leistungen völlig neuer Art. Wir sind heute in der Lage, Bilder besser zu erkennen, teilweise als Menschen das können. Wir können das in der Medizin, auch in anderen Bereichen. Das heißt, völlig neue Produkte werden entstehen. Mit anderen Worten, in der Tat: Künstliche Intelligenz ist so fundamental, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft entscheidend beeinflussen wird, aber auch große Chancen eröffnet.

"Zugang zu Daten ist entscheidend"

Sturmberg: Das Thema Daten ist natürlich ein sehr entscheidendes Thema in diesem Bereich. Wenn die Wettbewerber aus China oder den USA letztendlich nachher die Nase vorn haben werden, dann fließen natürlich auch die Daten genau dorthin. Wie wichtig ist es auch vor diesem Hintergrund, dass man hier in Europa und in Deutschland die Technologie so vorantreibt, dass sie auf dem Weltmarkt vorne ist?

Wrobel: Der Zugang zu Daten ist heute genauso entscheidend wie für Unternehmen früher der Zugang zum Kunden oder zu den Kunden war. Wer keinen Zugang zum Kunden hat, kann wenig erfolgreich sein, und wer keinen Zugang zu den Daten hat, kann das heute auch nicht mehr. Wir haben das vor einiger Zeit in Deutschland zum Glück auch schon erkannt und viele Mitstreiter gefunden. Wir haben schon vor einigen Jahren auch mit Unterstützung des Forschungsministeriums und der Berliner Politik den sogenannten Industrial Data Space in Deutschland gestartet. Das ist ein Ökosystem, in dem mittlerweile über 90 Unternehmen, primär aus Deutschland, aber auch aus vielen anderen Ländern, insbesondere aus Europa, aber auch aus China tätig sind. Im Industrial Data Space können Unternehmen kryptographisch, technisch ausgezeichnet abgesichert miteinander Daten teilen, intelligente Anwendungen bauen, und können datensouverän ihre Geschäftsmodelle realisieren. Und ich glaube, es ist wichtig, auch eine solche Basis zu haben, gerade für die Welle an künstlicher Intelligenz, die jetzt kommen wird und die auch kommen muss in der deutschen Wirtschaft.

Sturmberg: Fühlen sie sich ein Stück weit wohler, wenn die Daten in Europa verbleiben?

Wrobel: Es ist wichtig, dass es nach den Regeln passiert, die wir uns hier vorstellen für unsere Daten, für unsere Unternehmen und für die Bürgerinnen und Bürger. Wo das dann passiert - ich denke, jeder sollte eingeladen sein, der nach diesen vernünftigen Regeln tatsächlich operieren möchte.

Sturmberg: Der Sprecher der Fraunhofer Allianz Big Data und künstliche Intelligenz, der Bonner Professor Stefan Wrobel zum wichtigen Thema Künstliche Intelligenz auf der Cebit.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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