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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Atempause, mehr nicht13.12.2019

Teileinigung zwischen USA und ChinaEine Atempause, mehr nicht

Unmittelbar vor dem Inkrafttreten massiver US-Strafzölle auf chinesische Waren erzielten die beiden Länder eine Teil-Einigung im Handelsstreit. Besonders wichtig ist diese Deeskalation für Deutschland, kommentiert Klemens Kindermann. Das Kräftemessen zwischen China und den USA wird aber weitergehen.

Von Klemens Kindermann

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US-Präsident Trump und Chinas Staatspräsident Xi stehen nebeneinander. Trump macht eine ausladende Geste mit den Armen. (AP Photo/Alex Brandon, File, dpa)
US-Präsident Trump und Chinas Staatspräsident Xi, Archivbild von 2017 (AP Photo/Alex Brandon, File, dpa)

Seit 20 Monaten liefern sich die beiden größten Volkswirtschaften einen Handelsstreit, den die Welt bisher nicht gesehen hat. Dass nun, unmittelbar vor dem Inkrafttreten massiver neuer US-Strafzölle auf chinesische Waren eine Teil-Einigung erreicht wurde, ist eine gute Nachricht. Von ihr werden nicht nur die USA und China selbst profitieren, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Ganz besonders wichtig ist diese Deeskalation für Deutschland: Kaum eine andere Industrie ist so sehr auf einen freien, nicht vom Protektionismus eingeengten Handel angewiesen wie die deutsche.

Doch niemand sollte sich täuschen: Dies war nur der erste große Schlagabtausch zwischen den Wirtschaftsmächten USA und China. Dass nun sofort mit einer zweiten Phase der Handels-Gespräche begonnen werden soll, zeigt: Bei dieser ersten Einigung geht es um eine partielle Übereinkunft, die beide Seiten brauchten.

Weihnachtlicher Einfluss

US-Präsident Donald Trump ist vielleicht kein begnadeter Ökonom, als Wahlkämpfer allerdings verfügt er über ein unbestrittenes Talent: Den US-Bürgern vor dem wichtigen Weihnachtsfest erklären zu müssen, dass beliebte Konsumwaren aus China wie Smartphones oder Laptops teurer würden und er das veranlasst habe, schien Trump ein Jahr vor seiner erhofften Wiederwahl keine Option. Nun braucht er nicht nur diese Erklärung nicht abzugeben, sondern er kann auch einem wichtigen Teil seiner Wählerschaft, den Farmern, präsentieren, dass China ihnen nun mehr Produkte abkaufen will.

Auch China profitiert

Auch China profitiert von diesem Teil-Deal: denn dort mehren sich die Signale, dass die Konjunktur im Land sehr deutlich an Fahrt verliert. Auch wenn man nicht allen veröffentlichten Indikatoren glauben sollte, eines haben sie überwiegend gemeinsam: sie weisen auf einen Abschwung hin. Auch Peking brauchte jetzt einen Erfolg, um die Stimmung im Land nicht noch weiter kippen zu lassen.

Die nun zu Stande gekommene Teileinigung ist eine Atempause, nicht mehr. Das Kräftemessen zwischen China und den USA wird noch härter werden: Im Kern geht es um die globale Technologieführerschaft, die einzig und alleine die künftige Entwicklung der Produktivität sicherstellt. Und damit die Märkte der Zukunft erobert. Dieser Kampf hat gerade erst begonnen.  

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

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