Mittwoch, 17.07.2019
 
Seit 23:00 Uhr Nachrichten
StartseiteVerbrauchertippGuter Fahrstil spart Geld bei der Kfz-Versicherung31.05.2019

Telematik-TarifeGuter Fahrstil spart Geld bei der Kfz-Versicherung

Bis zu 30 Prozent Kfz-Versicherungskosten sparen: Mit Telematik-Tarifen ist das möglich. Dazu werden allerdings die Daten zum Fahrverhalten des Versicherten gesammelt, gespeichert und ausgewertet. Dabei wird besonders auf die Geschwindigkeit des Fahrers geschaut, aber auch auf das Kurven- und Bremsverhalten.

Von Margret Bielenberg

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Schneller unterwegs als erlaubt? Vor allem die Geschwindigkeit des Versicherten beim Autofahren fließt mit ein in die Bewertung bei Telematik-Tarifen. (picture alliance / Chromorange)
Schneller unterwegs als erlaubt? Vor allem die Geschwindigkeit des Versicherten beim Autofahren fließt mit ein in die Bewertung bei Telematik-Tarifen (picture alliance / Chromorange)
Mehr zum Thema

Kfz-Versicherung Kann ich mir Dein Auto leihen?

Auto und Mensch "Autofahren ist schlimmer als eine Sucht"

Telematik-Tarife hören sich sehr interessant an: Es lassen sich bis zu 30 Prozent Versicherungskosten im Jahr sparen! Die Angebote richten sich vor allem an junge Fahrer, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg.

"Ich glaube, das hat einen ganz einfachen Grund: die jungen Fahrer zahlen sehr viel Versicherungsbeiträge. Und es ergibt sich daraus für sie die Möglichkeit einen günstigeren Tarif zu haben. Man bekommt einen Rabatt dafür - wenn sie sich darauf einlassen, ihre Daten zu speichern, zu sammeln und in die Auswertung zu geben."

Kunden müssen viele Daten preisgeben

Was genau in die Bewertung der Fahrweise einfließt, ist von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich. Das Bremsen wird beispielsweise registriert, das Kurvenverhalten, die Nachtfahrten und vor allem die Geschwindigkeit. Wer zum Beispiel auf der Autobahn stark beschleunigt, um zu überholen, kann Punktabzug bekommen, obwohl diese Fahrweise in dem Moment sinnvoll sein kann. Das Fahrverhalten kann festgehalten werden, weil das Auto dem Telematiktarif entsprechend ausgestattet ist, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

"Es gibt Boxen, die werden ins Auto eingebaut, es gibt Apps, die man im Handy hat, da gibt es die unterschiedlichsten Varianten, da muss man tatsächlich sich im Falle eines Falles schlau machen bei welchem Versicherer man die besten Konditionen hat und ob man halt sagt für mich ist das einfacher, ich hab mein Handy immer dabei, ich lass das über die App laufen, statt mir das in mein Auto einzubauen."

Nach Ablauf eines Jahres werden die Daten ausgewertet. Das zuständige Unternehmen bekommt die Kundendaten anonymisiert. Mit einem Strafzettel für überhöhte Geschwindigkeit ist auf diesem Weg nicht zu rechnen. Trotz eines hohen Datenschutzes müssen Telematiktarifkunden viele Daten preisgeben. Bei vielen Tarifen ist es zum Beispiel verpflichtend, die GPS-Verbindung am Smartphone zu aktivieren. Verbraucherschützerin Becker-Eiselen ist sehr skeptisch.

"Es ist natürlich auch möglich, bestimmte Verknüpfungen vorzunehmen, also stellen Sie sich vor, Sie haben eine Verknüpfung zu einer Versicherung, die ihre Hausratversicherung auch gleich mit überwacht. Die weiß dann ganz genau, ob sie jetzt da sind oder ob sie gerade in Süddeutschland unterwegs sind und ihre Wohnung in Norddeutschland ist vielleicht gerade unbewacht. Wer welche Daten bekommt und was daraus gelesen werden kann, das lässt, glaube ich, viel Spielraum und dazu bedarf es guter und ausreichender Regelungen für Verbraucher."

Erwartungen der Versicherer zu hoch?

Die versprochenen maximalen Rabatte der Versicherer können nur sehr schwer erreicht werden. Bei manchen Versicherern muss man bei schlechter Fahrweise sogar drauf zahlen. Bianca Boss fragt sich, ob man die Erwartungen des Versicherers überhaupt immer einhalten kann.

"Was ist denn, wenn ich mal in Urlaub bin und mein 19-jähriger Sohn sich das Auto schnappt, der viel riskanter auf den Straßen unterwegs ist. Wie soll das berücksichtigt werden? Oder wenn es kurzfristig Veränderungen auf meinem Weg gibt, die die Versicherung gar nicht so schnell orten kann. Wie wird mir das dann zum Nachteil angerechnet? Und kann ich das dann beweisen? Wahrscheinlich nicht, denn ich erfahre ja über mein Fahrverhalten erst nach Ablauf eines Jahres etwas. Deswegen: erst mal die Hände davon lassen, sondern ganz normale KFZ-Versicherungen am Markt vergleichen und da wird man sicherlich einen guten und günstigen Anbieter finden."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk