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Tempelberg-KriseKeine weiteren Zwischenfälle

Der Tag am Tempelberg verlief ruhig, Tausende beteten dort ohne weitere Eskalationen. Dagegen kam es in anderen Teilen des von Israel besetzen Westjordanlandes zu Unruhen. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu steht wegen seines Umgangs mit der Krise in Israel unter Druck - auch intern.

Von Benjamin Hammer

Israelische Sicherheitskräfte vor dem Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem (AFP / Ahmad Gharabli)
In Ostjerusalem beruhigte sich die Lage, Ausschreitungen gab es in anderen Städten. (AFP / Ahmad Gharabli)
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Die Nachricht der israelischen Polizei kam um die Mittagszeit. Der ursprüngliche Status auf dem Berg sei wieder hergestellt, schrieben die Polizisten auf Twitter. Mit dem Berg meinten sie den Tempelberg. Auf Arabisch: Haram-asch-Scharif.  Der Tag in Ostjerusalem verlief weitgehend ruhig. Mehr noch: Zum ersten Mal seit zwei Wochen beteten Tausende Muslime an ihren heiligen Stätten, ohne das es zu Zwischenfällen kam.

Unruhiger wurde es in anderen Teilen des von Israel besetzen Westjordanlandes. In mehreren Städten kam es  zu Ausschreitungen. An einer Kreuzung südlich von Jerusalem griff ein Palästinenser nach Angaben der israelischen Armee Soldaten mit einem Messer an. Die Soldaten erschossen den Angreifer daraufhin. Bei Konfrontationen zwischen Palästinensern und Israelis an der Grenze zwischen Gaza und Israel wurde nach Angaben von Nachrichtenagenturen ein Palästinenser getötet.

Muslime feierten die Entferung der Sicherheitsvorrichtungen

Die sogenannte Tempelberg-Krise hatte in den vergangenen zwei Wochen zu einer Welle der Gewalt geführt. Vier Palästinenser kamen ums Leben, bei einem Attentat in einer jüdischen Siedlung tötete ein Palästinenser drei Israelis. Israel hatte eine Woche zuvor die Sicherheitsmaßnahmen am Tempelberg erhöht und reagierte damit auf einen tödlichen Anschlag. Die Muslime weigerten sich daraufhin, das Areal zu betreten.

Gestern hatte Israel auch die letzten Sicherheitsvorrichtungen entfernt. Von Muslimen in der ganzen Region wurde das gefeiert. Auch im Gazastreifen gingen die Menschen auf die Straße. Nach Lesart der islamistischen Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, haben die Palästinenser einen Sieg errungen.

"Es gibt keinen Zweifel daran, dass sich die Israelis unterworfen haben, als sie die Sicherheitsmaßnahmen entfernt haben", sagte der Hamas-Politiker Moschier al Masri. "Dieser Sieg kam nicht wegen der Einmischung arabischer Staaten. Er kam wegen des Widerstandes auf den Straßen wegen des Durchhaltewillens Palästinenser."

Netanjahu unter Druck

Worte, die in Israel mit Besorgnis aufgenommen werden dürften. Umfragen hatten gezeigt, dass eine Mehrheit der Israelis gegen den Abbau der Sicherheitsvorrichtungen am Tempelberg ist. Auch Yaakov Perry äußerte heute im israelischen Radio seine Bedenken. Er ist der ehemalige Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet.

"Die  andere Seite, und dazu gehören nicht nur die Palästinenser, sondern auch der jordanische König und andere Länder der arabischen Welt, verbucht die letzten Vorfälle als einen Sieg für sich und als unsere Kapitulation. Sobald die andere Seite bei uns Schwäche und ein Zickzackverhalten erkennt, wird die Hetze gegen uns nur noch weiter angespornt." 

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu steht wegen seines Umgangs mit der Krise in Israel unter Druck, auch innerhalb seiner eigenen Regierung. Gestern hatte Netanjahu den Ton verschärft. Für den palästinensischen Attentäter, der vor einer Woche drei Israelis ermordete, forderte er die Todesstrafe.

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