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StartseiteSport am WochenendeZurück auf dem Platz18.07.2020

Tennis-Turnier mit ZuschauernZurück auf dem Platz

Die Spielerpartys bei der Adria Tour mit anschließenden Corona-Infektionen sorgten für Schockwellen. Jetzt zeigt in Berlin das Turnier Bett1Aces, dass es auch anders geht. Zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie waren wieder Zuschauer zugelassen. Doch ein Punkt stieß auf Unverständnis.

Von Tom Mustroph

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Tommy Haas beim Tennisturnier Bett1Aces in Berlin. (imago images / Beautiful Sports)
Das Bett1Aces-Turnier in Berlin - mit bis zu 840 Zuschauern im Publikum und Tommy Haas auf dem Tenniscourt. (imago images / Beautiful Sports)
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Tommy Haas kann noch gewinnen. Im stolzen Alter von 42 Jahren bezwingt der frühere Weltranglisten-Zweite gestern den aktuellen Daviscup-Spieler Jan-Lennard Struff. Haas gelingt das an einem besonderen Ort, im Hangar sechs des früheren Flughafens Tempelhof.

Dort findet der zweite Teil des Einladungsturniers Bett1Aces statt. Eigentlich wollte Veranstalter Edwin Weindorfer im Juni eine Neuauflage des Berliner WTA-Turniers ausrichten. Wegen Corona hatte die Damentour das Turnier allerdings abgesagt. Weindorfer wollte sich aber nicht geschlagen geben und fing an, ein Ersatz-Turnier zu organisieren – zunächst ohne Publikum: "Und dann hat sich die Situation wieder geändert und der Senat in Berlin hat uns gestattet, bis zu 1000 Personen unter Einhaltung der Distanzregelungen zuzulassen."

Die Erlaubnis für bis zu 1000 Personen galt für den ersten Teil des Turniers, ausgetragen im Freiluftstadion Steffi Graf im Berliner Villenviertel Grunewald. Bis zu 840 Personen von den 1000 durften Zuschauer sein, der Rest waren Spieler - jeweils sechs weibliche und sechs männliche Profis -, Betreuer, Medienvertreter und Orga-Team. Im Hangar in Tempelhof sind insgesamt 300 Personen, davon 200 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen.

Desinfektionsdusche, Handschuhe, Fiebermessungen

So steht es auch im 59 Seiten starken Hygienekonzept, das der Berliner Senat und die zuständigen Bezirksämter abgesegnet haben. Sichtbarstes Zeichen des Hygienekonzepts vor Ort ist die Desinfektionsdusche, eine Art Tor auf achteckigem Grundriss.

Betritt man sie, strömt im Inneren ein grauer, geruchsloser Dampf aus, der desinfizieren soll. Alle Besucher müssen auf einem Fragebogen erklären, keine Covid-19-Symptome aufzuweisen. Ihnen wird Fieber gemessen und sie müssen auf dem Gelände Maske tragen – nur auf den Tribünen dürfen sie die Maske abnehmen. Das galt für das Freiluftstadion und auch für die Tribünen im Flugzeughangar. Dort ist auch das große Tor geöffnet, was nicht nur Blicke aufs beeindruckende Flugfeld erlaubt, sondern auch die Luftzirkulation verbessert.

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Auf dem Court selbst sorgen die Hygieneregeln ebenfalls für Veränderungen. Die Ballkinder tragen Masken und Handschuhe. Der Münzwurf vor Spielbeginn findet virtuell statt. Statt sich die Hände zu reichen oder sich gar zu umarmen, kreuzen Spielerinnen und Spieler nach dem Match nur ihre Rackets. Die Zuschauer hingegen dürfen die Bälle mit nach Hause nehmen, die auf der Tribüne landen, und ebenso die Kissen, auf denen sie sitzen. Kein Virus-Spreading durch Schmierinfektion, bitte. Corona sorgt für neue Giveaways fürs Publikum. 

Das hat das Angebot zunächst nur zögerlich angenommen. Am ersten Tag kamen nur 480 Zuschauer, am zweiten immerhin 730. Am dritten Tag regnete es, Spiele mussten verschoben werden oder fielen ganz aus. Erst im Flugzeughangar, ab Freitag Spielort, werden die Kontingente voll ausgeschöpft.

Happige Eintrittspreise

Eine Ursache für die anfängliche Zurückhaltung war wohl auch der happige Preis, 120 bis 150 Euro. Zuschauerin Bianca Krahl: "Das ist natürlich, das muss man mal sagen, knackig. Das wird nächstes Jahr hoffentlich anders sein. Und die Preisgestaltung wird wohl auch anders aussehen. Aufgrund dieser geringen Teilnehmerzahlen ist das wahrscheinlich etwas in die Höhe geschossen. Das ist für die Jugendliche und die Sportinteressierten wahrscheinlich ein kleiner Stich."

Wollten die Veranstalter durch die Preisgestaltung bereits das Publikum ausdünnen? Drohen die Corona-Bedingungen nun den Tennissport wieder elitärer zu machen? Veranstalter Edwin Weindorfer: "Nein, es war ganz einfach: Wir müssen dieses teure Security-Konzept refinanzieren . Und das war Teil. Und nächstes Jahr, wenn es kein Corona gibt, gibt es wieder ganz normale Preise."

Dann will Weindorfer das ausgefallene WTA-Turnier auf Rasen ausrichten, als Vorbereitung für Wimbledon. Das Hartplatzkonzept im Hangar will er für andere Orte weiterentwickeln.

Die Tennisprofis genießen den Auftritt: "Es ist großartig. Es war gut, jemanden klatschen und anfeuern zu hören. Es war eine tolle Atmosphäre. Das Stadion ist schön, die Organisation ist wirklich gut. Es ist ein prächtiger Event, und ich bin froh, hier zu sein", sagt Matteo Berrettini, Finalist im ersten Teil des Turniers.

Profis halten sich an Regeln und sind angetan

Auf Eskapaden haben die Berliner Teilnehmer offenbar verzichtet – anders als noch bei der Adria Tour, als die Profis wilde Partys feierten und sich dann mehrere von ihnen, unter anderem Novak Djokovic, mit dem Virus infizierten. Veranstalter Edwin Weindorfer: "Ich glaube, wir haben jedem Spieler hier kommuniziert, dass es bei uns absolute Verantwortung gibt und dass die Spieler hier auch keine Spielerpartys machen, auch am Abend nicht groß irgendwo Abendessen gehen."

Dominic Thiem, Mitte Juni selbst noch bei der Adria Tour dabei, versichert, aus den Fehlern gelernt zu haben. "Also hier sind schon sehr sehr gute Regeln, die man sich definitiv auf der Tour vorstellen kann, wenn es wieder losgeht. Auch letzte Woche Kitzbühel und Nizza waren sehr sicher. Es war alles sehr Corona-konform, bis auf eine Ausnahme. Ich glaube, die brauche ich nicht erwähnen."

Das Hybrid-Turnier auf Rasen und Hartplatz in Berlin bringt den Tennissport wieder in die Spur zurück. Die Debatte um die teuren Tickets zeigt aber auch, dass Sportspektakel unter Corona-Bedingungen nur schwer finanzierbar sind. Hier hat der gesamte Sport, nicht nur Tennis, noch einen weiten Weg vor sich.

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